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Annalen der Hrydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1909,
Was die Witterungsverhältnisse sowie die Luftdruckverteilung Im einzelnen
beteifft, so stand das deutsche Küstengebiet vom 1. bis 5. des Monats unter dem
Einfluß von Tiefdruckgebieten, die in west-östlicher Richtung vorüberzoögen,
während über dem Ozean ein Hochdruckgebiet lag, Es blieben daher westliche
Winde vorherrschend, die Tauwetter und ergiebige Niederschläge im Gefolge
hatten, Hervorzuheben ist während dieser Zeit das Auftreten stürmischer Winde
am 3, Februär, als ein. Teilminimum, das am Morgen des genannten Tages über
dem Skagerrak erschienen war, sich nahe dem deutschen Küstengebiet südostwärts
bewegte, Es hatte an der ganzen Küste steife und stürmische Winde aus west-
lichen Richtungen im Gefolge, die z. T, sogar zu vollem Sturm anwuchsen. Auch
am 5, wo von den Britischen Inseln her abermals ein Teilminimum sich dem
Küstengebiet näherte, entwickelten sich im äußersten Westen steife und stürmische
Winde, die aus östlichen und westlichen Richtungen wehten, da das Minimum
seinen Weg landeinwärts nahm, ‚Am. 6. befand es sich bereits über Polen, während
das Hochdruckgebiet vom Ozean her nachrückte, Die Winde drehten zunächst
nach Nord und die Temperaturen sanken wieder unter den Gefrierpunkt, Es folgte
nun eine Periode ruhigen, trockenen. und sonnenscheinreicehen Frostwetters, die
bis zum 9, anhielt, wo das Hochdrückgebiet mit zwei Zentren, über Deutschland
and Finnland, sich alg Rücken hohen Druckes vom Weißen Meere bis nach
Spanien erstreckte, Bei dem Nachdrängen einer von Westen. her heranziehenden
Depression entfernte sich der südlichere Kern des Hochdruckgebiets ostwärts,
wogegen das finnische Maximum in der Folgezeit noch eine Rolle spielte. Das
zenannte Tiefdruckgebiet lag am 10. mit seinem Kern über der Nordsee und
hedeckte ganz Westeuropa, Bei östlichen und teilweise steifen Winden herrschte
dabei trübes aber noch meist trockenes Frostweiter, Am. folgenden Tage war
das Minimum nach Nordirankreich fortgeschritten, während das finnische Hoch«
druckgebiet sich unter Erhöhung westwärts ausbreitete, Die Ostströmung wurde
dabei noch stärker, so daß vereinzelt sogar voller Sturm gemeldet wurde,
Stranger Frost stellte sich ein, namentlich im Osten, wo die Temperaturen
18 bis 20 Grad unter den Normalwert sanken. Rügenwaldermünde meldete ein
Temperaturminimum von 417, Neufahrwasser von 21 und Memel 25 Grad unter
Null. Nach Westen zu nahm der Frost ab; in Hamburg sank das Thermometer
nur auf 13 Grad. Auch am 1% hielt dieser strenge Frost noch an; die Depression
schritt südwärts fort und der höchste Druck stellte sich bei Schottland ein. Kine
durchgreifende Änderung der Wetterlage erfolgte am 13, wo eine vom hohen
Norden her südostwärts ziehende Depression sich vorübergehend über ganz
Mitteleuropa ausbreitete, Die Winde drehten über Nord nach West und die
Temperaturen gingen stark in die Höhe. Teilweise, namentlich an der Ostseeküste,
antwickelten sich steife und stürmische Winde, die sich am 15. noch verstärkten,
Dabei trat überall Tauwetter ein, das aber schon am nächsten Tage verschwand,
wo die Depression unter dem Nachrücken des Hochdruckgebiets nach Osten &bzog.
Im Bereiche dieses langsam ostwärts fortschreitenden Hochdruckgebiets herrschte
bis zum 20, Februar ruhiges, vielfach heiteres und meist trockenes Frostwetter,
Am 21. erschien ein neues, intensives Hochdruckgebiet über Nordraßland, das
mit dem andern in Verbindung trat, Es bildete sich eine neue Wetterlage aus,
indem hoher Luftdruck über Nordeuropa. lag, während eine über dem Mittelmeer
liegende Depression sich in Ausläufern nordwärts ausbreitete, die westwärts fort-
schritten, Damit trat allmählich Trübung ein und am 24, fiel vielfach Schnee,
Am 27% wurde das Hochdruckgebiet durch eine vom hohen Norden her südwärts
rordringende Depression in zwei Teile zertrennt, die nur noch durch einen schmalen
Kücken über Südskandinavien verbunden waren, Auch am letzten Tage des
Februar blieb das irübe, von Sechneefällen. begleitete Frostweiter, bei östlichen
Winden. bestehen: ganz West- und Mitteleuropa wurde von einer Depression mit
zahlreichen. kleinen Zentren bedeckt, während im Norden und Osten Hochdruck-
gebiete lagerten,
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