Lütgens, BR: Vorliufiger Bericht über eine ozemnographische Forschungsreise. 151
häufiger — ausgeführt. Es wurden Proben in etwa 100 Kubikzentimeter fassende,
mit Gummistöpsel verschlossene Flaschen zur Titration entnommen, Die Chlor-
titration hat den Nachteil, daß man nicht sofort über den örtlichen Salzgehalt
anterrichtet ist, aber den Vorteil, sehr exakte Werte zu liefern!) ‘Die Werte
selbst sind bei Benutzung der hydrögraphischen Tabellen Knudsens etwa
0.14 Promille niedriger als die früher nach dem aräometrischen Verfahren er-
haltenen, da eine andere Definition des Salzgehaltes ihnen zugrunde liegt, Um
Normalwasser — aus Kristiania mit 10.348 Chlorgehalt «= zu sparen, wurde nur
alle 3 bis 4 Tage titriert, Ich hatte mir einen leicht transportablen, nur einen
halben Quadratmeter großen Tisch, der Öffnungen für die Flaschen und Gläser
besaß, anfertigen lassen, und so war selbst bei Sturm das Titrieren möglich,
Die Verteilung des Salzgehalts an der Oberfläche ist jetzt im allgemeinen
bekannt, und die beobachteten Abweichungen dürften bis auf die Kap Horn-
gegend zeitliche Abweichungen sein. Vor dem Kanal, in der Biskayasee und von
dort südlich. bis zum 40° N-Br. war, vielleicht durch vielen Regen, der gefundene
Salzgehalt etwa 05 Promille niedriger als in der Schottschen Karte”) Viel
größer sind die Unterschiede im Kalmengebiet zwischen 8 und 6° N-Br. bei
25° W-Lg. Hier gibt Schott 35 Promille an, während. stets Werte unter 34.5,
wiederholt sogar unter 34 bis herab zu 33,58 gefunden wurden, Vielleicht haben
die hier zur Zeit der Reise herrschenden Winde aus dem SO-Quadranten
leichteres, salzärmeres Wasser aus dem Guineagebiet herbeigeführt, vielleicht
war auch die Regenzeit —— es verging kein Tag ohne Regen — dieses Mal be-
sonders ausgeprägt gewesen. Schr auffällig ist schließlich noch die rallkommene
Gleichförmigkeit des Oberflächensalzgehaltes im ganzen Kap Horn-Gebiet, für das
Schott teils 33, teils 34 Promille zeichnet, Es wurden von Stasten-Insel bis
52° Süd auf der anderen Seite in 9 Tagen 24 Bestimmungen gemacht, die sämt-
lich einen. Salzgehalt von eben über 34 Promille bei 34.05 und 34.28 als Extrem-
werte ergaben, Auch weiter bis 44° Süd zwischen 78 und 80° West schwankte
er nur zwischen 34.14 und 33.82 Promille, um dann bis 36° Süd 74° West etwa
33.70 zu bleiben, Dann erst stieg er langsam bis Valparaiso auf 34.67 Promille,
war alko etwas höher als in der Schotischen Karte,
Entsprechend den Versuchen im Verdunstungsgefäß scheint eine größere
tägliche Periode des Salzgehalts der Oberfläche nicht vorhanden zu sein,
Am 13. Oktober auf 24° N-Br, und 22° W-Lo., als das Schiff nur während einer
SW-Brise von 1%, bis 24 N, 3 Seemeilen lief, während es sonst auf der Stelle
trieb, fand ich tagsüber überhaupt keine Steigerung des Salzgehaltes, während
die Mitternachtsbeobachtung, 0.06 Promille mehr ergab, Am nächsten Tage
durchlief — es ist mehr Treiben zu nennen = das Schilf von morgens 6 Uhr
bis abends 6 Uhr 25 Meilen, Die Beobachtungen ergaben (Tabelle 11):
Tabelle 3IL
Zeit
ar. 7 ou on ac 561 aem
N. 26 190 m zo | m
Salzgehatt Fassol — | — Im6er! _ | — ls6921 — |
; -—
2698 — — | a69ı
Da
124.0 | 21,9 [218 1245 | 24,5
Temperatur | 22.9 1240 1240 242 12438 24,5 | 25,0 [220
Also gleichfalls nur 0.06 Promille Unterschied,
Am 13, Oktober hatte ich, als um 1%, Uhr nachmittags die erwähnte Brise
einsetzte, auch Gelegenheit, die Durchmischung der obersten Wasserschicht
zu beobachten, Bemerkt sei, daß das Schiff von ib 30° bis Ik 45% noch fast
auf der Stelle lag, da der Wind längs den Rahen strich und erst die Segelstellung
geändert werden mußte, Die Temperatur des Wassers war von 6b morgens bis
1b nachmittags langsam von 24.0 auf 25° gestiegen, als die Bö um 1% 30" ein-
setzte und. die Öberfläche, die bis dahin spieyelglatt war, sich kräuselte, Es
1) Siehe die Ausführungen y, Drygalskis in den Mitteilungen des Institats für Meereskunde
Bericht über die Südpolarexpedition,
2) Petermanns Mitt, 1902.