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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 190%, 
8. Ergebnisse. 
Da bei gleicher relativer Feuchtigkeit Luft von höherer Temperatur mehr 
Wasserdampf enthalten kann und Wasser von höherer Temperatur stärker ver- 
dunstet, so muß in den wärmeren Zonen auf dem Meere eine bedeutendere 
Verdunstung als in den kälteren stattfinden. Scharf ausgeprägte normale Unter- 
schiede müssen als Folge dieser beiden wichtigsten beeinflussenden Faktoren vor: 
handen sein. Alle Beobachtungen!) zwischen 40° Nord und Süd ergeben als 
mittlere 24stündige Verdunstung 5,7 mm, alle nördlich bzw, südlich dieser Zone 
3,2 mm, Im einzelnen findet aber kein regelmäßiges Ansteigen der Verdunstungs- 
größe bis zum Äquator (und darauf folgendes Sinken) statt, Eine ungefähre Ein- 
teilung nach Klimazonen zeigt folgendes in der Tabelle X wiedergegebenes Bild: 
Tabelle I. 
A Millimeter mittlerer tägl, Verdunstung 
148 
Die 40° N-Br. 
WÜ « 300 
30 © 87 = {(NO-Passat) 
8 = 3° x (Syillengürtel) 
57 X-Br0 & 24° 8-.Br. (XO-Passat) 
AL % „OS Se 
JO 5E? & 
Yo x 
UN 2 400 
(Staaten-Jnscl} 
{im Stillen Ozeane} 
{Valparaiso) 
Lü 
In der Gegend des 30. Parallels auf der nördlichen, des 20. auf der süd- 
lichen Halbkugel haben wir das Maximum der Verdunstung, dazwischen aber ein 
Gebiet starker Abnahme mit einer Verdunstung, wie sie erst nördlich bzw, südlich 
vom 40. Breitengrad in ähnlicher Abschwächung auftritt, Es ist die Zone der 
Passate, die sich besonders auszeichnet, die im SO-Passat eine mittlere Ver- 
Adunstungshöhe von fast S Millimeter ergibt. Im NO-Passat herrschten, wie die 
Einleitung schildert, völlig anormale Verhältnisse, Die gefundene mittlere Ver- 
dunstung von 5,1 Millimeter, die geringer ist als in dem Gebiet zwischen 40 und 
30° Nord, wird zweifellos bei den weiteren Untersuchungen eine Korrektur auf 
mindestens 7 Millimeter erfahren, Der 10, Oktober, an dem normaler NO-Passat 
von der nicht einmal beträchtlichen Stärke 3 wehte, ergab z, B. schon. 7,6 Milli- 
meter, Mit einem solchen Wert würden wir nördlich und südlich des meteoro- 
logischen Äquators eine ganz gleichförmig verlaufende Kurve erhalten. Das 
Minimum in der Kalmenzone erklärt sich zwanglos aus der großen relativen 
Feuchtigkeit, der häufigen Bewölkung und der äußerst geringen Bewegung der 
Luft. Dafi es allerdings so niedrig sein werde, hatte ich nicht erwartet, Ander- 
seits ist die niedrige Wasser- und Lufttemperatur -— das Thermometer sank aueh 
im südlichen Sommer mehrfach unter 0° — die Ursache der minimalen Ver- 
dunstung von 2 Millimeter im Kap Horn-Gebiet. Ein Gesamtbild der Ver- 
dunstung auf dem Atlantischen Ozean würde dem der Verteilung des 
Oberflächensalzgehaltes stark ähneln.) 
Wenn wir, abgesehen von der Luft- und Wassertemperatur, die die Ver 
dunstung beeinflussenden Faktoren betrachten, so stelle ich in ähnlichen Klima- 
gebieten an die erste Stelle den Wind. Krümmel meint,®) daß die Windstärke 
als beeinflussender Faktor bisher wohl stark überschätzt ist, Das mag für Ver- 
dunstungsmessungen auf dem Lande zutreffen, für meine Untersuchungen zeigt 
aber die Kurvenskizze den alles überragenden Einfluß des Windes (Fig, 3 S, 149), 
Der Wind wurde anfangs am Gefäß mit einem Fueßschen Anemometer bestimmt, 
Da das Instrument aber bald versagte und ein noch vorhandener Horlacher Wind- 
messer für dauernde Borduntersuchungen nicht geeignet ist, so traten Schätzungen 
der Stärke nach Beaufort ein. Es dürfte diese Schätzung für die Art der Unter- 
suchungen die geeljonetere seim da man viel eher Durchschnittswerte erhält; 
% Ps ind, falls nicht ausdrücklich eine einschränkende Bemerkung gemacht Ist, stets nor die 
zweifellos einwandsfreien Beobachtungstage benutzt, 
? Siche Karte von Schott in Peterm. Mitt, 1002, 
3 Handbuch der Ozeanoeranphie SS. 248.
	        
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