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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 37 (1909)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1909, 
2. Von 70° W-Lg. nach 50° 8-Br. 
Sehr lehrreich jst es, die 5 Schiffe »Pirat«, »Klic«, »Reinbek«, »Marie Hack- 
feld« und »Wilhelmine« auf ihrem weiteren Wege rund. Kap Horn im Juni 1905 
zu verfolgen, (Siehe Karte Taf, 16.) 
Nach dem Verlassen der Straße Le Maire, bzw. der Ostspitze von Staaten- 
Land, gelangten diese 5 Segler bei vorherrschend westlichen Winden in 3 bis 
5 Tagen bis etwa 70° W-Lg. Hier setzte jedoch am 19, eine bis zum 22, an- 
haltende Sturmperiode ein, die den Schiffen wenig Fortgang brachte. Sie waren 
indessen gleichmäßig bestrebt, jede Gelegenheit, welehe ihnen die stürmischen, 
meistens von Nordwest einsetzenden und allmählich südwestlich holenden Winde 
boten, nach Kräften auszunutzen, um wenigstens 8o viel West gut zu machen, als 
unter diesen Umständen irgend möglich war. Erst am 22. Juni 1905 abends 
setzte bei allen. 5 Schiffen, die zu dieser Zeit ziemlich nahe beieinander standen, 
südlicher Wind ein, der später mehr Östlich hölte. Das Barometer stand ziemlich 
niedrig, 740 mm, war jedoch stetig. Während die 4 Mitsegler nordwestlich 
steuerten, verfolgte der Segler »Marie Hackfeld«, der nach Honolulu bestimmt 
war, einen mehr westlichen Kurs und behielt auf diese Weise den Wind von 
Backbord ein. Am 28. war das Barometer schnell gestiegen, e8 fiel jedoch am 
24. ebenso schnell wieder bis auf 730 mm. Der Wind blieb beständig östlich. 
Die Schiffe befanden sich somit im Süden einer von Nordwesten herannahenden 
Depression und hatten jetzt eine treffliche Gelegenheit, das Tief mit Hilfe der 
östlichen Winde zu umsegeln. Dementsprechend verfolgten auch die 3 Schiffe 
„Marie Hackfold«, »Pirat« und »Reinbek« vom 23, und 24, Juni ab einen mehr 
westlichen. und westsüdwestlichen Kurs, um der Depression möglichst fern zu 
bleiben und vor allen Dingen den Ostwind zu behalten. Nur »Klio« und 
»Wilhelmine« steuerten ihren nordwestlichen Kurs weiter, kamen aber dadurch 
am 25, Juni morgens sehr bald zu sehr in die Mitte der Depression und wurden 
Aureh flaue nördliche und nordwestliche Winde wieder abgewiesen, Ein Blick 
auf die Karte zeigt, wie weit um diese Zeit »Marlie Hackfeld«, die am weitesten 
nach Süden stand und den Ostwind am besten ausgenutzt hatte, ihren Mitseglern 
yoraus war, Die Folge davon war, daß »Marie Hackfeld« am 25. mittags, als 
alle Schiffe naclı Norden aufbogen, am weitesten von der Depression abstand 
und. bei. dem Ostwind die größten Windstärken hatte, 50 daß sie viel schneller 
Nord gutmachen könnte, als ihre Mitsegler, 
Bei den 8 Schiffen. »Reinbek«, »Klio« und »Pirat« setzten dagegen am 
36. und 27. Juni flaue nordöstliche Winde ein, die ihnen wenig Fortgang brachten, 
Nur »Wilhelmine«, die etwa. 1° bis 2° westlicher stand und deshalb der Mitte der 
Depression nicht so nahe kam, hatte am 26. und 27, frischere Östliche Winde, 
die sie schneller nach Norden brachten, Am 28, mit dem Fortschreiten der 
Depression nach Osten, setzte bei allen Schiffen südlicher Wind ein, der sie 
schnell nach Norden führte, Trotz des großen Umweges, den »Marie Hackfeld« 
gemacht hat, überschritt dieser Segler den 50, Breitengrad zu gleicher Zeit mit 
„Wilhelmine«, aber 17 bis 20 Stunden früher als »Reinbeke, »Klios und »Pirat«. 
Allerdings war »Marie Hackfeld«, wie schon erwähnt, nach Honolulu be- 
stimmt und konnte daher ohne einen erheblichen Umweg zu machen schon hier 
im Süden ein gutes Stück der westlichen Länge zurücklegen, Aber auch den 
beiden Seglern »Reinbek« und »Wilhelminer, welche nach mexikanischen Häfen 
bestimmt waren, hätte es nur Nutzen gebracht, wenn sie sich schon vom 23. Juni 
an mehr südlich gehalten hätten, umsomehr, als das Fallen des Barometers 
ihnen am 26. und 27. die Nähe der Depression anzeigte, Wahrscheinlich hätte 
auch »Reinbek« am 25. mittags besser getan, noch nicht scharf nach Norden 
aufzubiegen und auf diese Weise in die Mitte der Depression hineinzulaufen, 
Die beiden Schiffe »Klio« und »Pirate, die nach chilenischen Häfen bestinumng 
waren, hätten ebenfalls im vorliegenden Falle wohl besser getan, vom 23, ab 
mehr Süd und West anzuholen, Selbst wenn sie den 50. Breitengrad schließlich 
erst in etwa 88° W-Le. überschritten hätten, so wäre ihnen daraus kein Nachteil 
entstanden. Mit Hilfe der nördlich von 50° S-Br. zu dieser Jahreszeit hier häufig
	        
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