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Annalen. der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März. 1900.
Als Verbindungsstraßen zwischen der Nordsee und Ostsee stehen das
Skagerrak und das Kattegat in Abhängigkeit von diesen Meeren, Das Wasser
der Nordsee, in die durch den Englischen Kanal, besonders aber von Norden
her das Wasser des Atlantischen Ozeans ungehindert einströmen kann, hat mit
Ausnahme an den Küsten einen Oberflächensalzgehalt von 34%/.4 bis über 35 ag
Dagegen kann der Öberflächensalzgehalt der Ostsee infolge der geringen Ver-
Aumstung, reichlicher Niederschläge, vor allem jedoch infolge der gewaltigen Süß-
wasserzuführ seitens der in die Ostsee mündenden Flüsse nur gering sein, Indem
nun der Ostsee mehr Wasser zugeführt wird, als sie durch Verdunstung wieder
verliert, würde. bald überschüssiges Wasser vorhanden sein, wenn dieses sich nicht
selbst einen. Ausweg verschaffte und dureh den Sand und die Belte in das Katte-
yat und von hier aus weiter ins Skagerrak und in die Nordsee abströmte, Um-
gekehrt fließt das Wasser der Nordsee je nach seinem Salzgehalt im einem Ober-
Mächen- oder Unterstrom in das Skagerrak ein und setzt von hier aus teilweise
seinen Weg durch das Kattegat bis in die Ostsee dort, Wir haben also hinsicht-
lich des Skagerraks und des Kattegats zwischen einem ausfließenden und einem
einfließenden Stram zu unterscheiden, von denen ersterer salzarmes, letzterer
zulzreiches Wasser mit sich führt, so daß im Skagerrak und auch im Kattegat
Wasserschichten versehiedenen Salzgehaltes und Ursprungs über- und neben-
einander lagern. Die aus der Östsee fließenden salzarmen Wassermassen, die
wegen ihres geringen spezifischen Gewichtes einen ausgehenden Öberflächenstrom,
der unter dem Namen »Baltischer Strom« bekannt ist, bilden, nehmen auf ihrem
Wege durch den Sund, die Belte und das Kattegat infolge Vermischens mit dem
am Boden einströmenden salzreichen Wasser der Nordsee schnell an Salzgehalt
zu, während umgekehrt das Nordseewasser allmählich an Salzgehakt verliert.
Der Baltische Strom ist periodischen Schwankungen unterworfen, Im
Winter, wenn die in die Ostsee mündenden Flüsse teilweise zufrieren and infolge-
dessen die Süßwasserzuluhr nur gering ist, wird der Baltische Strom im all-
gemeinen am sehwächsten sein; im Frühjahr und Sommer dagegen, wenn infolge
des Schmelzens von Schnee und Eis die Flüsse stark anschwellen und der Ostsee
anorme Wassermassen zufükren, und wenn ferner reichlichere Niederschläge fallen,
wird er in hoher Flut sein, Hinsichtlich der Temperatur folgt das Wasser des
Baltischen Stromes der jährlichen Periode der Lufttemperatur; 68 weist also im
allgemeinen hohe Sommer- und niedrige Wintertemperatur auf.
Bezüglich des erheblich salzreicheren Wassers der Nordsee, das, wie bereits
bemerkt wurde, teils an der Oberfläche, teils in einem Unterstrom in das Skager-
rak gelangt, unterscheidet man verschiedene Arten 3:
|. ozeanisches Wasser von 85%, und mehr,
2, Nordmeerwasser von 34— Bö 0 a
3. Bankwasser von 32-—34 0.
Das ozeanische Wasser von 35%, und mehr, das im Atlantischen Ozean
seinen. Ursprung hat, gelangt um Schottland herum und durch den Englischen
Kanal in die Nordsee, von wo es in das Skagerrak nur in einem Unterstrom
eindringt und dort die größten Tiefen erfüllt, In der Regel steht das Ober-
Aächennivenu des ozeanischen Wassers im Skagerrak im Spätherbst am höchsten;
gleichzeitig erreicht das Wasser auch seine Maximaltemperatur, In das verhältnis-
mäßig wenig tiefe Kattegat gelangt das ozeanische Wasser nur in den seltensten
Fällen unvermischt,
Das Nordmoerwasser ron 34—35% 4 fließt ebenfalls meist als Unterstrom
in das Skagerrak und lagert sich hier über das spezifisch schwerere 0zeanische
Wasser, Es wird an der Oberfläche des Nordatlantischen Ozeans gefunden, wo
es das ozeauische Wasser von 35%, und mehr umgibt. Am stärksten flieht es
im Frühjahr und im Sommer in das Skaperrak, verhält sich also in dieser Hin-
sicht dem ozeanischen Wasser entgegengesetzt, dessen Flutperiode im allgemeinen
auf die kältere Jahreszeit fällt, Bezüglich seiner Temperatur bildet das Wasser
4 Vol. 0, Pettereson: A Review of Swedish hrdrographic research in the Baltic and ihe
north sens. Scottish. Geograph. Magazine 1504.