Peek: Der heutige Stand des Unterwasser-Schallsignalwesens.
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maßen einen scharf begrenzten Schall-Leitsektor schaffen zu können, wie dies
neuerdings in Vlissingen und Warnemünde versucht worden ist.
Jedenfalls ist die Frage und Wirkung der Beugung, Ablenkang, Reflexion
und Konzentration von Unterwasser-Schallwellen zur Zeit noch wenig geklärt
und der wissenschaftlichen Forschung noch ein weiter Spielraum gelassen, Es
ist aber auch ohne weiteres verständlich, daß ein mit wechselnden Wassertiefen,
Untiefen und je nach dem Gezeitenstand mehr oder weniger trocken fallenden
Sänden durchsetztes Außenrevier mit lebhaftem Schiffsverkehr ein wenig geeignetes
Verwendungsgebiet für Unterwasser-Schallsignale bietet,
Sehr interessant nach dieser Richtung hin ist auch ein in dem offiziellen
Report of the Liglıt-House Board« vom 30, Juni 1908 enthaltener, auf a@us-
ziebigen an 42 Unterwasser-Schallsignalstationen der Vereinigten Staaten ge-
sammelten praktischen Erfahrungen beruhender Hinweis auf den unter Um-
ständen sehr störenden und irreführenden Einfluß von Schallreflex-Erscheinungen,
Derselbe lautet: »It is noted, howerer, that in restrieted waters, or when the bell
is located near steep banks or rocky shores, an echo from the bell may be
expected, and this fact should in each case be thoroughly considered by experiment
before & bell is permanently established, because there are possible situations
where Ihe echo may be heard instead of the direct sound, thus leading
io an inecorrect determination Of the location of the bell.«
So verzichtet man demn auf die Ausrüstung weiter binnen- und strom-
aufwärts liegender Feuerschiffe mit Unterwasser-Signalgebern und beschränkt
sich zur Zeit im wesentlichen auf die Ausrüstung von Außenfeuerschiffen und
solchen Stationen, die in oder an offenem, tiefem Wasser liegen und dem sie im Nebel
ansteuernden Schiff genügenden Seeraum bieten, um zur genaueren Ermittlung
der Richtung der Schallquelle ungefährdet Zickzackkurse laufen zu können,
Mit der inzwischen erfolgten Einrichtung und regelmäßigen Inbetriebnahme
von Unterwasser-Nebelsignalen bestimmter Kennung auf den Feuerschiffen
‚Borkum Riffe, »Norderney«, »Wesere, »Außen-Jade«, »Elbe I«, »Amrumbank«,
»‚Gabelsflach«, »Fehmarnbelt« und »Adlergrund« dürfte daher für die deutsche
Küste der Nord- und Ostsee das dringendste Bedürfnis zunächst befriedigt und
die Frage der Unterwasser -Schallsignalisierung als navigatorischen Hilfsmittels
vorläufig zu einem gewissen Abschluß gelangt sein.
Im, Auslande folgt man im allgemeinen ebenfalls der vorangegebenen
Richtschnur und macht, wo irgend angängig, die an Bord der Feuerschiffe vor-
handene, dem Betrieb der UÜberwasser-Schallsignale (Sirenen, Zungenhörner)
dienende Preßluft wie bei uns dem Betrieb der Unterwasser-Glockensignale nutz-
bar. Im übrigen ist man zur Zeit überall bestrebt, auch für sonstige vorhandene
Lücken und Küstenpunkte von navigatorischer Bedeutung dieses moderne Hilfs-
mittel in möglichst einfacher, ökonomischer und doch betriebssicherer Aus-
gestaltung in Form von Unterwasser-Glockentonnen oder fest auf dem Meeres-
boden verankerten Unterwasserglocken der Narigierung im Nebel dienstbar
zu machen,
Dem u. a. auch an der deutschen Nordseeküste vor den Nordergründen
an einer Unterwasser-Glockentonne mit günstigem Erfolge erprobten Konstruktions.
prinzip — automatische Betätigung des Federspannwerkes der Glockenschlag-
vorrichtung durch die Stampfbewegung der Tonne im Seegang — kann selbst-
verständlich nur ein bedingter Wert beigemessen werden, Denn diese Antriebs-
weise mit ihren bei Auslösung der Federkraft zwar stets in gleicher Stärke, aber
in ganz unregelmäßigen, mit der Stärke des Seegangs wechselnden Zeitintervallen
erfolgenden Glockenschlägen erscheint bedenklich in einem Revier, das mit
mehreren nicht allzu weit auseinanderliegenden Unterwasserglocken besetzt ist,
wo also die Verwendung einer ganz bestimmten und unter allen Verhält-
nissen gleichbleibenden Signalkennung Vorbedingung ist.
Ein besonderes Interesse darf daher der praktischen Bewährung einer
kombinierten Gasleucht- und. Unterwasser-Glockentonne entgegengebracht werden,
die demnächst versuchsweise vor Jasmund (Rügen) ausgelegt werden und unab-
hängig yon der Wellenbewegung unter zwangslänufiger Betätigung des Spann-