96 Annalen der Hydrographie und Markimen Meteorologie, Februar 1909,
an den einzelnen Küstenstationen beobachtet wurden, schwankten zwischen 10°
und 20° unter Null.
Was die Luftdruckverteilung und Witterungsrerhältnisse im einzelnen be-
trifft, so lag am 1, Dezember ein Nochdruckgebiet über Europa einer abziehen-
den Depression im Nordosten gegenüber. Ein über den Britischen Inseln liegender
Keil hohen Druckes bewegte sich an den folgenden Tagen ostwärts und brachte
auf der Rückseite des langsam abziehenden Tiefdruckgebiefes im äußersten Osten
des Küstengebietes rom 2. bis 5, anhaltende steife und stürmische Winde aus
nördlichen Richtungen zur Entwicklung, die stärke Abkühlung und Schneefälle
im Gefolge hatten, Am 5. zog das Hochdruckgebiet beim Herannahen einer
neuen Depression im Nordwesten ostwärtse, Letztere gewann allmählich Einfluß
auf die Witterung der deutschen Küste, indem sie bei ihrem weiteren Herannahen
mit südwestlichen Winden ozeanische Luft herbeiführte, so daß am 8, auch im
äußersten Osten mildes Wetter mit Niederschlägen eintrat, ‚Diese Depression blicb
für die Witterung im deutschen Küstengebief maßgebend bis zum 15. Dezember,
Sie brachte am 8, 9. und 10, durch Entwicklung von Ausläufern und Teilminima
stellenweise stürmische Winde mit sich, die am 11, in größerer Verbreitung auf-
iraten, Ein tiefes Minimum lag an diesem Tage über der Nordsee, und die
Temperaturen sanken im östlichen Teile des Küstengebietes bei östlichen Winden
vorübergehend wieder unter Null, Am 13, trat es mit einer neuen Depression
in Verbindung und erzeugte, nordostwärts ziehend, allgemeines Tauwetter mit
Niederschlägen, das bis zum 15. anhielt. Dann aber kam das im Osten liegende
Hochdruckgebiet mehr zur Geltung, Die Richtung des Gradienten näherte sich
der west-Östlichen Lage, so daß bei inlandigen Winden, wenn auch zunächst kein
nachhaltiger Frost, so doch meist trockenes und sonnenscheinreiches Wetter
eintrat, Die Depression entfernte sich allmählich nordostwärts, und am 20,
yelangte über Deutschland ein Hochdruckgebiet zur Entwicklung, das als Aus-
läufer des über Rußland gelegenen erschien, Dieser trat an den folgenden Tagen
noch. stärker hervor, während das Hauptzentrum sich südwärts verlagerte, Der
genannte Ausläufer bewegte sich über die Britischen Inseln nach Skandinavien
und vereinigte sich dort mit einem vom hohen Norden südwärts ziehenden
Hochäruckgebiet, das nunmehr für die Witterung in Europa von einschneidender
Bedeutung wurde. Es drängte ein über Finnland gelegenes Tieldruckgebiet
südostwärts und brachte am 25. sowie am 26. im äußersten Osten des Küsten-
gebietes stürmische Winde aus nördlichen Richtungen zur Entwicklung.
Als amnı 26. beim weiteren Vordringen des Maximums die Winde nach
Nordost drehten, trat überall strenger Frost ein, an der Ostseeküste vielfach
in Begleitung von starken Schneefällen, Dieses Frostweiter hielt bis zum Schluß
des Monats an, Die tiefsten Temperaturen traten am 29, und 30, ein, wo
Rügenwaldermünde 21°, Memnel 19°, Neufahrwasser 18° und die Nordseeküste
10° bis 15° unter Null meldeten.
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