36 Annalen der Hrdrographic und Maritimen Metcorologie, Fehrnar 1908,
viel Reyen begleitet, schlug ein Blitz in den Blitzableiter des etwa 34 Fuß vor
ler Kommandobrücke stehenden Fockmastes, Es gab eine gewaltige Erschütterung
im ganzen Schiff; gleich sah man eine kleine Rauchwolke über der Brücke, ge-
wahrte dann, daß der Flaggenknopf mit Blitzableiter in den St-B.-Wanten hing,
und der etwa 6 Fuß lange hölzerne ÖObermast vom Knopf bis auf den eisernen
Mast an der Achterkante einen etwa 6 bis 9 Zoll tiefen und breiten Riß zeigte.
Der Verbindungsdraht zwischen Blitzableiter und Mast war unmittelbar unter
dem ersteren abgeschmolzen.
Beim Vergleichen der drei Kompasse Steuerkompaß (trocken), Peilkompaii
(fluid), unterer Kompaß (trocken), welche bis jetzt alle drei überein und fast
ohne Deviation auf allen Kursen waren, zeigte sich, daß sie jetzt stark voneinander
abwichen. Während der Steuerkompaß NzW!/,W anlay, zeigte der Peilkompal
NNO, der untere Kompaß NOzN. (Der Peilkompaß steht hinter dem Steuerkompaß
etwa 6 Fuß.)
Als die Sonne sich einmal zeigte, wurden am Peilkompaß bei Nordkurs
31.5” W Deviation gefunden, Ohne weitere Sonne, mit dieser Deviationsbestimmung
rechnend, auf Wind und See achtend, zeitweilig lotend, gelangten wir in Hörweite
des South Pass Feuerschiff und fuhren 4% 20” N, in den Paß hinein. -. Am
heutigen Tage, den Mississippi aufwärts dampfend, zeigte sich, daß auf den
Kursen von NW—NZzO, der Steuerkompafß 2 Strich nach links, der untere Kompali
1 Strich nach rechts vom Peilkompaß abwich; der Peilkompaß hatte auf NW1!/,W-
Kurs 17° W Deviation und auf NzO01/,0 36.5° W_Derviation,
4. Luftspiegelung und Strahlenbrechung auf See. Ein Bericht des
IL. Offiziers Herrn Friedrich Busch vom Dampfer »Ella Rickmers«, Kapitän
Mierschala, von New York am 29, Juli 1906 an die Deutsche Seewarte
yesandt, lautet: »Am 9. Juli 1906 auf der Reise von Bremerhaven nach New
York auf etwa 41° 15’ N-Br. und 54° 0’ W-Lg. gegen 7% Morgens sah ich das
Wasser in einer Entfernung von mehreren Seemeilen branden, Das Wetter
war schön sichtig, die Sonne schien, die Kimm war deutlich zu sehen. Ich
glaubte daher zuerst, eine Schar springender Fische zu beobachten, durch ein
Glas mußte ich mich aber überzeugen, daß das Wasser voraus und an beiden
Seiten voraus, soweit das Auge reichte, wirklich brandete, Als der Kapitän
nach 15 Minuten auf die Brücke kam, waren wir dem Phänomen scheinbar
näher gekommen. An Backbord voraus salı man jetzt deutlich eine flache, gelb-
liche Küste, an der das Wasser unaufhörlich brandete, während an Steuerbord
man ein flaches, steilabfallendes Eisfeld, dessen Kante in der Sonne funkelte, zu
erblicken glaubte. Auch hier brandete die See dagegen, so daß der Kapitän
äußerte: „Es sieht wie eine steile Wand aus“ und nach einiger Zeit des Beob-
achtens den Kurs von WNW um 6 Strich nach SW ändern ließ, Über dieser
steilen Eiswand lagerte eine Wolkenbank und darüber große, weiße geballte
Wolken, Gegen 8b verschwand die Erscheinung allmählich recht voraus, etwas
später auch an den Seiten, Die Wassertemperatur war von 4b bis zur Zeit der
Erscheinung (also um 7") von 19.8° auf 168° heruntergegangen, während die
Lufttemperatur die gleiche blieb. Etwas nach 8% Vormittags setzte eine heftige
Bö mit anhaltendem strömenden Regen aus westlicher Richtung ein, gegen
Mittag klarte es ab und nachmittags hatten wir schönes Wetter, Ich glaube,
daß dieses Phänomen eine Fata Morgana (Seeluftspiegelung) gewesen ist. Wahr-
scheinlich haben wir die Küste von Neufundland etwas nördlich von Kap Race
gesehen.«
Nach einem Bericht des Kapitäns H. Bodmann vom Barkschiffe »Helios«
wurde beobachtet am 20, Mai 1906 auf der Reise von Amsterdam nach Guayaquil
auf 567 27’ S-Br. und 65° 45’ W-Lg.,
Barom, Tafttemp. Wind Wasser
sh V. 759,8, = 117° hedeckt SSW 3-2 u 30
12b Mittag 760,5 — 1.07 3—2 1.5
Kurs etwa rw. WzS,
Gleich nach Mittag sichtete man Land voraus und an beiden Seiten;
Steuerleute und Matrosen waren überzeugt, wirkliches Land zu sehen. Deutlich
mehrere Kisberze