Möller, J,: Über die Verwendung von Sterndistanzen zur Bestimmung der Sextantenfehler auf See, 81
Die erwähnten englischen Sterndistanztafeln empfehlen die Beobachtung
‚on Distanzen solcher Sterne, die in demselben Vertikal stehen, da dann die aus
len gewöhnlichen Refraktionstafeln entnommenen Werte zu den beobachteten
Distanzen addiert oder subtrahiert zu werden brauchen, Ich halte jedoch die
‘ir die Berechnung der Zeit, zu der dieses vertikale Übereinandertreten zweier
Sterne eintritt, aufgewandte Arbeit, selbst wenn inan die beigegebenen Hilfstafeln
benutzt, für ungefähr ebenso umfangreich, wie die kurze Berechnung des Winkels y
auf die angegebene Weise oder wie die Benutzung der vorher gegebenen Formel
zur Berechnung des Refraktionseinflusses, die außerdem dem Seemann schon
von der Navigationsschule her bekannt ist. Auch dürfte es angenehm sein, nicht
an eine bestimmte Zeit gebunden zu sein, sondern jederzeit bei klarem Wetter
die Prüfung des Sextanten vornehmen zu können,
Nachdem ich so abgeleitet habe, welchen Einfluß Aberration, Eigenbewegung,
Parallaxe und Refraktion auf die Distanz der Sterne haben, möchte ich noch
zeigen, wie ich mir die Anordnung der Distanztafeln denke, und ihre Anwendung
an einem Beispiel erläutern.
Um Platz zu sparen und mit einer einmal berechneten Tabelle für lange
Zeit auskommen zu können, schlage ich vor, eine große Reihe von Sterndistanzen
für ein bestimmtes Äquinoktium zu berechnen und deren Änderungen dureh
kleine Berichtigungsgrößen zu geben. In der folgenden Tabelle finden sich z. B.
sieben Sterndistanzen, die für das mittlere Äquinoktium 1905.0 berechnet sind.
Die erste Kolumne gibt die Namen der Sternpaare, die zweite ihre Distanz für
Jas angegebene Aquinoktium, die dritte mit E. B. überschriebene die jährliche
Änderung infolge der Eigenbewegung der Sterne und die folgenden die Änderung
Jer Distanz infolge der Aberration von 10 zu 10 Tagen. Den Wert der Kolumne
E.B. hat man mit der Anzahl der Jahre zu multiplizieren, die seit 1905,0 ver-
{flossen ist; dieses Produkt ist algebraisch zur wahren Distanz zu addieren,
Dann entnimmt man den nächsten Kolumnen für das dem Beobachtungstage zu-
nächst liegende Datum die Berichtigung wegen Aberration und berechnet
schließlich noch in der vorher angegebenen Weise den Einfluß der Refraktion
auf die Distanz, Die so berichtigte Distanz vergleicht man mit der gemessenen,
Der Unterschied beider Werte ist die Berichtigung, die man an die Ab-
lesung des Sextanten bei einem Winkel von der Größe der gemessenen Distanz
anzubringen hat, Diese Berichtigung ändert sich im allgemeinen mit der Größe
des gemessenen Winkels, und man tut daher gut, Distanzen von verschiedener
Größe zu messen und sich daraus eine kleine Fehlertabelle des Sextanten etwa
von 10 zu 10 Grad anzulegen, Zu empfehlen ist es unter allen Umständen,
vorher auf bekannte Weise dafür zu sorgen, daß die beiden Spiegel bei Null-
stellung einander parallel stehen, d, h, dieselbe Neigung gegen die Sextanten-
ebene haben, da sonst die beiden Bilder aneinander vorübergehen und die Messung
nicht mit der wünschenswerten Schärfe angestellt werden kann. Die Fehler
des Sextanten lassen sich aus einer größeren Reihe von Distanzbeobachtungen
durch Wahrscheinlichkeitsrechnung ableiten. Praktischer ist es aber, sich um
die Bestimmung der Fehler selbst gar nicht zu kümmern, sondern nur empirisch
sine Fehlertabelle zusammenzustellen.
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