Meldau, H.: Über die Methoden zur Untersuchung der Nadelsysteme von Kompaßrosen usw. 75
Bei einer Ablenkung «x = + 24° (östlich) ergab sich
H = —28:8 = — 03%
Bei einer Ablenkung & = — 30° (westlich) ergab sich
H = — 23:8 = — 03%
Bei allen drei Versuchen dokumentiert sich also die nicht ganz fehlerfreie
Nadelanordnung in demselben Sinne und mit derselben Präzision.
Die Vierkorrektormethode besteht demnach zu Recht; sie stellt ein überaus
scharfes und sehr bequemes Verfahren dar zur Entscheidung der Frage, ob eine
Rose und ein Korrektor an Bord zu oktantalen Störungen Veranlassung geben
oder nicht. Vorausgesetzt muß bei der Methode lediglich werden, daß die
Korrektoren sich nicht gegenseitig merklich beeinflussen, sie wird also z, B, nicht
anwendbar sein für die Untersuchung der Kompensationswirkung zweier kleiner
Kompasse als D-Korrektoren.
Über die Verwendung von Sterndistanzen zur Bestimmung der Sextanten-
fehler auf See.
Von Dr. Johannes Möller, Oberlehrer an der Großh. Navigationsschule zu Elsfleth,
Wie schon von verschiedenen Seiten hervorgehoben ist, können Beob-
achtungen von Sterndistanzen auf See besser als die in vielen Lehrbüchern
empfohlenen Monddistanzen zur Bestimmung der Fehler der Sextanten benutzt
werden. Angeregt durch den Reichsinspektor Herrn Geh, Rat Schrader habe
ich gelegentlich einer längeren Seereise an Bord eines Segelschiffes eine größere
Reihe von Sterndistanzen beobachtet und festgestellt, daß ein geübter Beob-
achter selbst bei unruhiger See Sterndistanzen stets auf 10” genau beobachten,
also die Genauigkeit des Sextanten voll ausnutzen kann. Glaubt man mit einer
Genauigkeit von 1’ auskommen zu können, so reichen hierfür die von Sprigge,
Doak, Hudson und Cox!) berechneten Tabellen, welche die Distanzen zwischen
einer Reihe von Sternen 1. und 2, Größe ohne Berücksichtigung der durch
Aberration und Eigenbewegung verursachten Änderungen enthalten, vollkommen
aus. In vielen Fällen wird man jedoch den Wunsch hegen, die Fehler des
benutzten Sextanten innerhalb der Grenzen der mit einem Sextanten überhaupt
zu erreichenden Beobachtungsgenauigkeit kennen zu lernen. Die genannten
Verfasser geben zu diesem Zweck im ganzen 18 Distanzen von 10 zu 10 Tagen,
in denen wohl die durch Aberration, aber noch nicht durch Eigenbewegung der
Sterne verursachten Abweichungen berücksichtigt sind. Alle anderen Distanzen
sind nur für das mittlere Äquinoktium von 1904 berechnet, geben die Distanzen
also mit einer Unsicherheit, die bis zum Werte von +35” anwachsen kann, Ich
halte es daher für wünschenswert, daß eine größere Reihe von Sterndistanzen,
die für irgend ein mittleres Äquinoktium gelten, nebst den zugehörigen Berich-
tigungen für Aberration und Eigenbewegung und praktischen Refraktionstafeln in
das nautische Jahrbuch oder die nautischen Tafelsammlungen aufgenommen oder
sonst an einem dem Seemann zugänglichen Orte veröffentlicht werden. Die Änderung
dieser Distanzen würde man zweckmäßig von 10 zu 10 Tagen bringen können,
Die wahren Distanzen selbst von 10 zu 10 Tagen zu bringen, wie es die Verfasser
des genannten Buches »Stars and Sextants« bei 18 Sternen tun, halte ich nicht
für praktisch, weil eine solche Anordnung zu viel Platz verschwendet und weil
die Eigenbewegung mancher Sterne so groß ist, daß man doch genötigt wäre,
eine Tafel für Berichtigung wegen Eigenbewegung noch besonders einzuführen
oder von Jahr zu Jahr die Tafeln neu herauszugeben, Die Anordnung der
Tafeln, wie ich sie vorschlage, ist daher wohl praktischer als die der erwähnten
1) Stars and Sextants, Star distance tables for facilitating the use of Lord Ellenborough’s
Method of correcting the centring and total errors of sextauts at sea, by John Abner Sprigge, Wm. Fraser
Doak. T. Carlton Hudson and Arthur 5, Cox, London: publ. by 3. D. Potter 1908,