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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Schneider, J.: Über die Änderungen d, meteorol. Elemente zu Hamburg unter d. Einfluß d. Mondes, 71 
Schwankung zeigen, letztere vielleicht nur durch unvollkommenen Ausgleich der 
ersteren zustande gekommen und daher nur scheinbar vorhanden ist. Außer bei 
den Temperaturen dürfte das auch noch bei den Feuchtigkeitsbestimmungen der 
Fall sein; ihre monatlichen Schwankungen sind also völlig unsicher. Bei dem 
Wind, der Bewölkung und dem Niederschlag bewegen sich dagegen die durch 
die Sonne und den Mond bewirkten Änderungen ungefähr in den gleichen 
Grenzen; bei ihnen ist demnach durch Benutzung einer genügend großen Anzahl 
von Beobachtungen für die Mittelbildung eine klare Scheidung des Sonnen- und 
Mondeinflusses zu erhoffen. 
Mit Berücksichtigung der beiden erwähnten maßgebenden Gesichtspunkte 
stehen die Luftdruckbeobachtungen unter allen anderen am günstigsten da. 
Einerseits gehen ihre monatlichen Schwankungen weit über die eigene Fehler- 
grenze hinaus, anderseits bilden diese Änderungen einen ganz erheblichen Bruch- 
teil der halbjährlichen Schwankung des Luftdruckes. Wenn auch die gefundenen 
barometrischen Variationen unter dem Miteinflusse der Sonne aufgetreten sind 
and durch Ausschluß des letzteren vielleicht noch Abänderungen zu erfahren 
haben in bezug auf ihre Größe und zeitliche Lage, so erscheinen sie doch groß 
und regelmäßig genug, daß ihr wirkliches Vorhandensein mit einiger Sicherheit 
behauptet werden kann, Es wären also für Hamburg in den Winterhalbjahren 
etwa folgende Regeln gültig: 
li. Das Maximum des Barometerstandes wird erreicht 
a) vor dem Durchgang des Mondes durch die Erdferne, 
b) nach dem Übertritt des Mondes von der nördlichen auf die südliche 
Himmelshalbkugel, 
€) unmittelbar vor seinem Eintritt in das letzte Viertel. 
Das Minimum des Luftdruckes tritt ein 
a) zur Zeit der Erdnähe des Mondes, 
b) nach dem Übergang des Mondes auf die nördliche Himmelshalbkugel, 
ce) zur Zeit des Vollmondes, 
Nach dem Grade der Änderungen, die der Luftdruck in den einzelnen 
Monaten erleidet, ist der tropische Mondumlaef einflußreicher als der anomalistische 
und dieser wiederum in seiner Wirkung etwas bedeutender als der synodische, 
Bilden wir ohne Rücksicht auf die größere oder geringere Zuverlässigkeit 
der Einzelresultate nach Tabelle 8 das Mittel aus den Prozentziffern eines jeden 
Monats, so finden wir für den anomalistischen Monat 34, für den tropischen 52 
und für den synodischen 41%, im Durchschnitt. Auch hiernach scheint der 
tropische Umlauf des Mondes die beiden anderen zu überwiegen in bezug auf 
die Stärke seiner Beeinflussung der Gesamtheit aller meteorologischen Elemente, 
und zwar so, daß die Einwirkungen des Mondes auf die Atmosphäre über Hamburg 
während des tropischen, synodischen und anomalistischen Umlaufs sich etwa wie 
5:4:3 verhalten. Hierbei ist indessen zu bedenken, daß die gleiche Anzahl von Beob- 
achtungen für die drei betrachteten Mondumläufe in. 10, 8 bzw, 6 Abteilungen unter- 
gebracht worden sind, daß also die Ungenauigkeiten der entsprechenden Resultate 
sehr wohl in demselben Verhältnis zueinander stehen können. Wir hätten dann in 
dem Vergleich der angegebenen mittleren Prozentzahlen nicht eine gegenseitige 
Abwägung der verschiedenen Mondwirkungen, sondern nur das Verhältnis der 
mittleren Fehler unserer Ergebnisse zu erblicken. 
Doch wie dem auch sei, es möge uns genügen, erkannt zu haben, daß für 
Hamburg das unter dem Mondeinflusse veränderungsfähigste meteorologische 
Element wohl der Luftdruck ist und daß dessen Veränderlichkeit sich wahr- 
scheinlich während des tropischen Mondumlaufes am deutlichsten zeigt. 
2.
	        
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