Köppen, W.: Die Windrichtung in S00 Drachenaufstiegen u. 44 »Abreißern« hei Hamburg, 1903/06. 59
Die Verkleinerung des Winkels vom Winter zum Sommer tritt also haupt-
:ächlich bei NW-Winden, viel weniger bei SO-Winden hervor; der Unterschied
beträgt bei ersteren 19°, 19° und 11°, bei letzteren 9°, 12° und 1°, je nach der
Höhe, Entsprechend ist also der Unterschied zwischen den SO- und NW-Winden
in bezug auf die Drehung mit der Höhe im Sommer größer, als im Winter;
dort 29°, 24° und 14°, hier nur 19°, 15° und 4°, Die Ursache kann darin liegen,
Jaß der Überschuß an vertikaler Mischung der Schichten, den der Sommer zeigt,
h4auptsächlich bei Winden aus dem NW-Quadranten eintritt — dem sogenannten
NW-Wetter mit Cum-Nb, Regenschauern und Sonnenblicken, Aber auch die
Drehung des Gradienten kann in derselben Richtung wirken, Denn die Richtung
von kalt zu warm, die nach dem oben S. 52 Gesagten der Rechtsdrehung ent-
gyegenwirkt, haben die NW-Winde hauptsächlich im Sommer, während im Winter
diese Temperaturverteilung häufiger bei SO-Winden Platz greift,
Dabei ist die Veränderlichkeit der Winddrehung mit der Höhe bei SO-
Winden größer, und zwar. im Sommer besonders groß. Die mittlere Abweichung
des Einzelfalls vom allgemeinen Durchschnitt beträgt im Niveau von 2.2 km:
mittlere Drehung mittlere Abweichung
So +45° +21°
NW + 26° -+15°
SO +36° +37°
NW & 7° F13°.
November bis März |
April bis September ;
Fassen wir die gefundenen Tatsachen zusammen!
i. Mit zunehmender Höhe dreht der Wind viel häufiger nach
rechts als nach links,
2, Diese Drehung ist am stärksten in den untersten Schichten
und nimmt nach oben rasch ab, im allgemeinen Durchschnitt von 22°
in den untersten 1000 m, auf kaum 4° in den folgenden 1000 m.
3. Diese Drehung ist viel stärker über SO- und S-Winden als
über NW-Winden,
4. Die Drehung ist in der kälteren Jahreszeit mehr als doppelt
so groß wie in der wärmeren.
5. Der Unterschied der Jahreszeiten ist gering bei südöstlichen
Winden, dagegen groß bei Winden von der Westseite des Horizonts;
dementsprechend ist Satz 3 viel ausgeprägter in der wärmeren als in der
kälteren dalhreszeit.
6. Verglichen mit der Druüuckverteilung im Meeresspiegel weicht
die Luftbewegung in 2 km Höhe wahrscheinlich bei Südostwinden um
5 bis 10° nach der Seite des höheren, bei Nordwestwinden um eine
ähnliche Größe nach der Seite des niedrigeren Drucks von der
Isobare ab.
Die Sätze 1 und 2 sind nur aus dem Einflusse der Reibung an der Erd-
oberfläche zu erklären; bei den unter 3, 4 und 5 genannten Tatsachen wirken
Änderung des Gradienten mit der Höhe, vertikaler Luftaustausch und wvor-
waltender Sinn der Beschleunigung in derselben Richtung zusammen, so daß
ihre Trennung vorläufig nicht möglich ist, Nur Tatsache 6 dürfte als Beweis
für die Änderung des Gradienten mit der Höhe gelten können.
Da die Änderung der Windrichtung mit der Höhe in der untersten Luft-
schicht, wie wir gesehen haben, am stärksten ist, so wäre deren eingehendere
Untersuchung gerade in dieser Schicht von besonderem Interesse, Leider sind
aber, da der Drache gerade sie in der Regel schnell durcheilt und der gefähr-
lichen Nähe des Erdbodens wegen durcheilen muß, die Angaben aus diesen
zeringen Höhen unsicherer als diejenigen aus etwa 1000 m, wo er sich ge-
wöhnlich länger aufhält. Wir begnügen uns deshalb vorläufig damit, das
gyewonnene Bild dadurch zu ergänzen, daß wir nur für die Aufstiege mit
stärkerer Drehung auch die Richtung in 500 m Höhe betrachten.
Im obigen entstammen die Angaben für die Durchschnittshöhe 600 m, wie
schon genugsam betont ist, aus ganz anderen Aufstiegen, als diejenigen für 1000 m