Köppen, W.: Die Windrichtung in S00 Drachenaufstiegen u. 44 «Abreißern« bei Hamburg, 1903/06. 35
erößer ist, als von 500 bis 1000 m. Die eingangs erwähnten Fehlerquellen
machen eine eingehende Untersuchung dieser Einzelheiten vorläufig noch nicht
lohnend; eine solche für eine Auswahl von Aufstiegen mit stärkerer Drehung
wird weiter unten geliefert.
Auf 5, 28 des zweiten Bandes in dem schönen Werke von Hildebrands-
son und Teisserene de Bort, »Les bases de Ia möt6orologie dynamique« findet
man die Winkel zwischen dem Winde an der Erdoberfläche und dem (iradienten
für eine Reihe von Orten aus Europa zusammengestellt. Dieser Winkel, der
sogenannte Ablenkungswinkel, ist die Ergänzung des Winkels zwischen Wind
and kobare bis zu 90°; für Dänemark ist er also im Mittel 69% Er beträgt
in Karlsruhe nur 28°, im Wien 38°, in Breslau 43°, Magdeburg 47° Upsala 49°
Höchenschwand 52°; alle diese Orte mit kleinem Ablenkungswinkel haben west-
lich von sich, in der Richtung von wo die vorherrschenden Winde kommen, ein
Gebirge. Die folgenden Orte mit einem Ablenkungswinkel von. mittlerer Größe
— 64 bis 70° — liegen in freier Ebene oder an hügeliger Küste; Aachen mit
70°, Furnes mit 66°, Swinemünde, Wäderobod und Utklippan mit 67 bis 64°,
Sehr Irei auf Gipfeln oder im Meere gelegene Orte haben noch größere Winkel:
Schneekoppe (51° Br.) 71°, Sandön in der Ostsee (58'/° Br.) 74°, Thorsharn
(62° Br) 80°. Nach Clement Leys Zahlen, die auf S, 2 des genannten Bandes
angeführt sind, gehören zur letzteren Gruppe der Orte mit großem Ablenkungs-
winkel auch die Küstenstationen Secarboro, Brest, Seilly, Yarmouth, Pembroke,
Thurso und Holyhead; zu der Gruppe mit mittelgroßem Winkel (60 bis 70°)
Aberdeen, London, Greencastle, Nottingham, Oxford und Brüssel; kleine Winkel
weisen bei ihm Paris (36°) und Skudenes (41°) auf, für letzteres werden übrigens
wohl die Isobaren auf den CL Leyschen Karten jedenfalls weniger genau ge-
wesen sein als für die englischen Orte.
Wir dürfen. also wohl auch für das fern von allen Gebirgen gelegene
Hamburg einen Ablenkungswinkel von mindestens 60 bis 65° annehmen, Daß
er etwas kleiner, als an den dänischen Stationen, also << 69° sei, wird immerhin
auch durch die Ergebnisse unserer Untersuchung wahrscheinlich gemacht, Denn
wenn auch für die Cirrus-Schicht eine durch Zentrifugalkraft ausströmende Be-
wegung in den Depressionen angenommen werden darf, also eine solche, die
eine nach höheren. Drucken gerichtete Komponente besitzt, so ist doch für die
veringe Höhe von 2.2 km, noch dazu im Mittel aller Wetterlagen, eine solche
durchaus unwahrscheinlich. Wir dürfen also voraussetzen, daß die Luftbewegung
in Hamburg, statt in 2.2 km Höhe im Mittel um 6° nach der Seite des höheren
Drucks von den Isobaren des Meeresniveaus abzuweichen, diesen ungefähr
parallel geht, dementsprechend also am Erdboden um etwa 27° nach der Seite des
niederen Drucks von den Isobaren abweicht; und mit diesem Ergebnis wenden
wir uns der Betrachtung der einzelnen Windrichtungen zu.
Da sich aus der etwas kontinentaleren Lage Hamburgs kein Grund dafür
ableiten Jäßt, daß auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Windrichtungen
hier anders sein. sollten. als in Dänemark, so dürfen wir die wahrscheinlichen
Werte des Winkels zwischen der oberen Luftströämung und der Isobare in
Hamburg in den folgenden Zahlen sehen, die aus der Korrektion der untersten
Zeilen der letzten Tabelle mit + 6° und Abrundung derselben auf ganze Zahlen
hervorgegangen sind:
Untere Windrichtung... Is ew w|Nxw/ x |xo| o | SO |aitel
Winkel zur un- ( für 2.2 km Höhe | + 8 | 00— 3-5 ı + 1 2 8 | A144 | ©
teren Tsobare 1 für 1 km Hüte | 7 au ml LI L2 56
Fassen wir die beiden charakteristischsten Windgruppen — 0SO bis SSW
auf der einen, W bis N auf der andern Seite — zusammen, die durchschnittlich
der Vorder- und Rückseite einer Cyklone entsprechen, so erhalten wir folgende
Prozentzahlen*