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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1908, 
Windwirbel sich nach Art einer Welle auf immer neue Luftmassen fortpflanzen, 
zo daß auf ihren Vorderseiten Luft in Bewegung gesetzt wird, und auf den 
Rückseiten Luft zur Ruhe kommt. Im ersteren Falle muß nach der Theorie 
ler Winkel zwischen Wind und Gradient kleiner sein, als im letzteren; in unseren 
Gegenden aber sind es südliche und östliche Winde, die die Vorderseite, nörd- 
liche und westliche, die die Rückseite des Wirbels in der Regel bilden, und bei 
denen wir also die entsprechenden Unterschiede im Ablenkungswinkel erwarten 
dürfen; die südöstlichen sind überwiegend entstehende, die nordwestlichen 
erlöschende Winde, 
Noch wichtiger wohl ist die zweite Ursache, die verschiedene Größe des 
vertikalen Luftaustauschs bei diesen Windrichtungen, Der halbbewölkte Himmel 
bei nordwestlichen Winden mit seinen hochgetürmten Cumulus- und Cumulonimbus- 
Wolken und blauen Zwischenräumen zeigt einen viel lebhafteren Wechsel von 
auf- und niedergehenden Bewegungen in der Atmosphäre an, als der entweder 
wolkenlose oder von einer gleichmäßigen Decke bezogene Himmel bei Südost- 
winden. Dadurch müssen aber auch die Unterschiede zwischen der Richtung 
und Geschwindigkeit des Windes oben und unten bei Nordwestwind viel mehr 
ausgeglichen werden, als bei Südostwind, wo die unterste Luftschicht weniger 
mit der darüberliegenden gemischt wird. 
Beide Ursachen wirken dahin, den mittleren Winkel zwischen Wind am 
Erdboden und Isobare bei Südostwinden mehr als doppelt so groß werden zu 
lassen, als bei Nordwestwinden, Wir dürfen in dieser Hinsicht den Befund 
Hoffmeyers an den Winden von Dänemark auch für Hamburg als maßgebend 
ansehen und können annähernd bestimmen, um wie viel dieser mittlere Winkel 
infolge der kontinentaleren Lage Hamburgs von dessen Werten abweichen kann. 
Denn es ist nicht denkbar, daß in der freien Atmosphäre 600 oder gar 1000 m 
über dem Boden die Reibung größer sein könne als auf offener Meeresfläche 
und besonders als auf Inseln, 
Die Werte von Hoffmeyer findet man in der Meteorol, Zeitschrift 
von 1878, S. 338, Sie sind nach der Richtung der Tangente zur Isobare ge- 
ordnet. Um daraus die den einzelnen Windrichtungen entsprechenden Werte 
zu bekommen, ist graphische Interpolation am geeignetsten. Wir gelangen so 
zu folgenden Zahlen für den Winkel zwischen Isobare und Wind (Tabelle 5): 
A. Richtung der Tangente. . ‚| Ss Sw|W NW N NO O0 | 80 Miucl 
Tan x Ya “ . i 
meer Winde nach 1] 29% 211 181%) 1.0 12%) a3, 220% a6 m: 
——— 
B. Richtung des Unterwindes . .| S& ;SW|W NW|® 80. 0 80 {Mittel 
Winkel mit der Isobare, graphisch | a 
aus ÖObigem LS 
J 22 km 
Winkel mit dem Winde in 1 km 
10.6 km 
; , , —————— 
27 | 22 | 10% 134) 12 8 27 301 217 
41; 28 | 19 24 220 222 227 036 27: 
35 | 23 | 16 12 20 | 15 22 38 22° 
19 12] 55: 81 8'0 16} 10 
a km =- | ; 23 CD 
Winkel des oberen Windes (32 1m 3%, 6 4. BA ak er 8 TE 
mit der unteren Jsobare | 6. 1m [- 8 6 Zi SAL DEZ 6 Zur 
Betrachten wir zunächst die mittleren Winkel, so ist zu beachten, daß die 
Daten für 2.2 und für 1 km Höhe aus denselben Aufstiegen stammen, diejenigen 
für 0.6 km aber durchweg aus andern; wenn wir daher sehen, daß die Drehung 
des Windes zwischen dem Erdboden und 0.6 km nur 10°, jene von da bis 1 km 
Höhe scheinbar 12° beträgt, so ist dieses nur der Verschiedenheit des Materials 
zuzuschreiben. Die hohen Aufstiege zeigen, daß die Drehung nach oben hin 
rasch schwächer wird, indem sie in den untersten 1000 m 22°, in den darauf- 
folgenden nur 5° beträgt, und alles weist darauf hin, daß innerhalb ein und 
desselben Aufstiegs auch die Änderung bis zu 500 m Höhe durchschnittlich
	        
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