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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Köppen, W.: Die Windrichtung in SO0 Drachenaufstiegen u. 44 = Abreißerns bei Hamburg, 1903.06, 53 
ı. Die Änderung des Gradienten mit der Höhe muß in Übereinstimmung 
mit der barometrischen Höhenformel stehen und kann im allgemeinen nur all- 
mählich und ziemlich proportional mit der Höhe erfolgen; bei Richtungs- 
änderungen auf geringen Höhenabständen wird man daher gewöhnlich mit 
Änderungen des Winkels zwischen Wind und Gradient zu tun haben, Diejenigen 
Änderungen, die von veränderter Reibung herrühren, werden in den untersten 
Luftschichten stark, in den höheren dagegen nur gering sein, 
2. Der Winkel zwischen Gradient und Windrichtung in den verschiedenen 
Höhen muß mit der Reibung, der Beschleunigung und dem vertikalen Luft- 
austausch in Übereinstimmung stehen. Wenngleich es für Hamburg noch keine 
Untersuchung über den Winkel zwischen den Richtungen des Windes und des 
Gradienten gibt, kann man ihn für die Erdoberfläche doch mit ziemlicher 
Sicherheit nach den für ähnlich gelegene Orte vorliegenden Bestimmungen er- 
nitteln, Für die freie Atmosphäre aber darf man annehmen, daß auch in 
Höhen von 1000 und 2200 m der Wind im Durchschnitt sicher noch keinen 
Winkel von mehr als 90° mit dem Gradienten in der gleichen Höhe bildet, daß 
vielmehr ein solches »Ausströmen« aus den Depressionen nach dem höheren 
Druck erst in einer 5 bis 10 mal höheren Schicht — der Schicht der Cirrus- 
wolken — tatsächlich eintritt. Denn dieses »Ausströmen« kann man sich wohl 
nur durch ein negatives b, durch ein Vorherrschen der Verzögerung in der 
Bewegung von Luftmassen, die bei anhaltend geringer Reibung aus stärkeren 
in schwächere Gradienten gelangt sind, zustande gekommen denken; und diesen 
Zustand vermag man sich für so geringe Höhen, wie 1 und 2,2 km, kaum vor- 
zustellen, Von wo sollten diese Luftmassen kommen? 
Zu 1 ist zu bemerken, daß die charakteristischste Wetterlage bei windigem 
Wetter in Norddeutschland die ist, daß der Beobachtungsort im südlichen Halb- 
kreise einer barometrischen Depression liegt, in deren südlichem Teile die Luft- 
temperatur höher ist als in ihrem nördlichen, deren Isobaren also sich mehr 
und mehr nach N öffnen, je größer die Höhe über dem Meeresspiegel ist. Hier 
muß in der Tat über südlichen Winden der Gradient mit zunehmender Erhebung 
eine Drehung nach rechts, über nördlichen dagegen eine solche nach links er- 
fahren; mit andern Worten, wegen dieser Tempceraturverteilung ist das Über- 
zewieht der nordwärts gerichteten Gradienten in der Höhe größer als am Erd- 
boden und ist die Tendenz zu solehen sowohl über südlichen als über nördlichen 
VYinden vorhanden. Fig. 3 möge dies schematisch erläutern, 
Diese Drehung der Druckgradienten, die durch die Fig. 8. 
veringere vertikale Druckabnahme in warmer Luft im 
Vergleich zur kalten bedingt ist, kann freilich nur bei 
bedeutenden Höhenunterschieden große Werte erreichen, 
Die Größe der Drehung hängt vom Verhältnis der ther- 
mischen zu den barischen Gradienten und vom Winkel 
zwischen den Isothermen und Isobaren ab. Beträgt dieser 
Winkel 90° und jenes Verhältnis (°C. und mm zugrunde 
zelegt) annähernd 1, so wird, wenn die Temperatur überall nach N abnimmt, das 
barometrische Gefälle in etwa 2'!/, km Höhe NO, wenn es unten OÖ war, und 
NW, wenn es unten W war. Unter günstigen Umständen kann also diese Drehung 
bis zur mittleren Höhe unserer größeren Drachenaufstiege 4 Strich erreichen. 
Aber nach unten müßte der Winkel ungefähr proportional der Höhe abnehmen, 
während in Wirklichkeit er oben sehr langsam, unten sehr schnell sich ändert; 
zwischen 1000 und 2200 m Höhe beträgt die Drehung nur durchschnittlich 18°, 
von der ganzen Drehung zwischen 0 und 2200 m Höhe, anstatt 55% 0. 
Zu 2. Der Hauptteil der starken Winddrehung in den untersten Schichten 
ist nicht der Änderung des Gradienten, sondern derjenigen des Verhältnisses 
zwischen Wind und Gradient als Folge der mit wachsender Entfernung vom 
Erdboden abnehmenden Reibung zuzuschreiben. Zwei verschiedene Ursachen wirken 
lahin, diesen Einfluß der Reibung bei SO-Winden viel größer werden zu lassen, 
als bei NW-Winden. Da sie beide in demselben Sinne wirken, sind sie schwer 
zu trennen, Die eine liegt darin, daß in den unteren Luftschichten die zyklonalen
	        
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