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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februmr 1908.
Will man auf die Ursachen dieser Erscheinung eingehen, so muß man vor
allem suchen festzustellen, ob es sich um eine Anderung des horizontalen
barometrischen Gradienten oder um eine Änderung des Verhältnisses
zwischen Wind und Gradient mit der Höhe handelt,
Daß die horizontale Druckverteilung, anders yesagt, die Richtung und
Stärke des Gradienten, in verschiedenen Höhen über der Erdoberfläche nicht
lieselbe ist, weiß man sowohl unmittelbar aus der Beobachtung, als mittelbar
aus der barometrischen Höhenformel, Nach dieser ninmunt, von kleineren Ein-
Aüssen abgesehen, der Lultdruck in warmer Luft langsamer mit der Höhe ab
als in kalter. Infolgedessen bedeutet bei am Erdboden gleichem Barometerstand
niedrigere Temperatur der Luftsäule zugleich niedrigeren Luftdruck in der Höhe.
Wenn daher die Luft rechts von der Richtung des barometrischen Gradienten
kälter ist, so dreht sich der Gradient mit zunehmender Erhebung nach rechts,
wenn links, dann nach links, Anders ausgedrückt: wenn die Luftbewegung von
warın zu kalt geht, haben wir Rechtsdrehung, wenn sie von kalt zu warm geht,
Linksdrchung des Gradienten mit zunehmender Höhe anzunehmen, Nun hängt
die Schnelligkeit der Druckabnahme mit der Höhe freilich nicht von der
Temperatur am Erdboden, sondern von derjenigen der betreffenden Schichten
in der freien Atmosphäre ab, und die Drachenaufstiege haben gezeigt, in wie
zahlreichen Fällen die Temperaturabnahme mit der Höhe große Anomalien an
einzelnen Tagen aufweist, Allein die durchschnittliche Horizontalverteilung der
Temperatur ist in den höheren Schichten doch ziemlich dieselbe wie unten. Äus
der mittleren Verteilung des Druckes und der Temperatur am Erdboden sind
wir abo wohl berechtigt, Schlüsse über die mittleren Verhältnisse auch der
freien Atmosphäre zu ziehen,
Wegen der vorherrschend nach der nördlichen Seite des Horizonts ge-
richteten Temperaturabnahme müssen sich nach West gerichtete Gradienten mit
zunehmender Höhe nach rechts drehen, nach Ost gerichtete dagegen nach links
drehen (wenn der Gradient, wie üblich, vom höheren nach dem niedrigeren Druck
gerechnet wird).
In demselben Sinne müßte sich auch die Windrichtung mit der Höhe ändern,
wenn ihr Verhältnis zum Gradienten überall dasselbe wäre, Das ist aber aus
mehreren Ursachen nicht der Fall, In der Formel, welche die Größe des Winkels
zwischen der Richtung der Luftbewegung und dem Gradienten (des sogen, Ab-
lenkungswinkels w) angibt
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ist das erste Glied des Zählers für jeden Ort eine konstante Größe; das zweite
hängt vom Krümmungsradius r der Bewegung ab und wirkt im Sinne des Wider-
strebens gegen eine Änderung der Bewegungsrichtung (Zentrifugalkraft), Bei
geradliniger Bewegung hängen die Änderungen des Winkels ı also nur vom
Nenner ab, nämlich von der veränderlichen Reibung k und Beschleunigung b,
letztere gemessen für die Einheit der Strecke (b == A), Wie man sieht, ist der
Winkel um. so kleiner, je größer die Reibung und die pösitive Beschleunigung.
Wird die Beschleunigung negativ, also die Bewegung eine verzögerte, so sub-
irahiert sie sich von der Reibung derart, daß der Winkel #%, wenn k=-— b ist,
dieselbe Größe hat, wie bei reibungsloser gleichförmiger Bewegung, Für die
Änderung des Winkels zwischen Wind und Gradient mit der Höhe und bei ver-
schiedenen Windrichtungen ist nun entscheidend, einerseits, daß die Reibung mit
der Entfernung vom Boden zuerst rasch, dann langsam abnimmt, anderseits, daß
zwischen den mit verschiedener Geschwindigkeit und verschiedener Richtung
strömenden Luftschichten ein Luftaustausch von verschiedener Stärke stattfindet
und die in andere Niveaus übertretenden Luftmassen jhre Richtung und Ge-
schwindigkeit beizubehalten streben,
Es wirken also mehrere Ursachen in dem Resultat zusammen; ihre
Trennung ist indessen bis zu einem gewissen Grade an der Hand der Beobach-
tungen möglich, Hierbei können uns namentlich zwei Umstände behilflich sein: