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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Ann. d. Hydr. usw... XNXXVT. Jahrg. (1908), Heft IT. 
Windrichtung in 800 Drachenaufstiegen und 44 „Abreißern“ 
bei Hamburg, 1903-1906. 
Von W. Köppen,. 
Seit Gründung der neuen Drachenstation der Deutschen Seewarte konnten 
von April 1903 bis November 1906 an 800 Tagen Drachenaufstiege gemacht 
werden, An 635 von diesen Tagen überschritt der Registrierapparat die Höhe 
von 1000 m. Von den Aufzeichnungen desselben über Druck, Temperatur, 
Feuchtigkeit und horizontale Geschwindigkeit der Luft haben wir im Februar- 
heft des vorigen Jahrganges Proben gebracht. 
Über die Richtung der Luftströmungen dagegen gibt der Stand der Drachen 
am Himmel Auskunft, Ihr Azimut wird nach etwa 60 Objekten am Horizont, 
deren Peilung zuverlässig bestimmt ist, während des Aufstiegs möglichst genau 
festgestellt, Bei der Ableitung der Windrichtung aus diesen Aufzeichnungen 
treten zwei Fehlerquellen störend in den Weg: 
1. Wenn der Drache nicht genau symmetrisch ist, so kann sein Flug um 
20 und noch mehr Grade nach rechts oder links von der Windrichtung abweichen, 
ohne daß er die Stabilität verliert. Man erkennt dies hauptsächlich aus dem 
Vergleich mit dem Verhalten anderer Drachen bei demselben Aufstieg. Seit die 
Drachen unserer Drachenstation genau übereinstimmend nach demselben Typ 
— nur in zwei Varianten und fast nur in zwei Größen — gebaut werden, kommt 
solches Schiefliegen nur bei alten, durch den Wind verdrückten Drachen vor. 
2. Zweitens bildet, wenn Unterwind und Oberwind verschieden sind, ein 
Drachengespann und seine horizontale Projektion keine gerade, sondern eine 
gebrochene, ja sogar infolge des Drucks des Windes auf den Draht eine ge- 
krümmte Linie. Die Peilung des obersten Drachens gibt die Sehne dieser Linie, 
während die Windrichtung beim obersten Drachen die Richtung der Tangente 
zu derselben an diesem Punkt hat. Dieser Umstand wurde bei uns früher nur 
nach Schätzung und vielleicht nicht immer genügend berücksichtigt. 
Dies vorausgeschickt, wenden wir uns nun unserem Material zu. Von 
Interesse ist es, sowohl die mittlere Häufigkeit der verschiedenen Windrichtungen 
in verschiedenen Höhen über dem Boden, als die Unterschiede in den gleich- 
zeitigen Richtungen in diesen Höhen im einzelnen Aufstieg kennen zu lernen, 
Was die erstere betrifft, so war 
Tabelle 1. die absolute Anzahl der Fälle 1908 bis 1906: 
Wind- In Aufstiegen unter 1000 m I 
sichten am Erdboden] zugberst 
Insgesamt 
{alle Aufstiege) 
anten zuoberst 
am Erdboden) ku m | zuoberst 
Ca 
SSW 
SW 
WSW 
W 
WNW 
NW 
NNW 
X 
NNO 
NO 
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