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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Brennnecke, W,; Rolf Witting: Beiträge zur Hydrographie des Bottnischen Meerhusene. 549 
den anderen Ostseegebieten), ferner sekundäre Maxima im Dezember und Februar; 
in den einzelnen Jahren zeigen sich bedeutende Abweichungen vom durch- 
schnittlichen Verlauf. Die Ursachen für diese Eigenheiten der Jahreswelle werden 
von Krümmel u. 2,1) auf meteorologische Ursachen, von Peitersson dagegen 
auf Schwellungen und Zurückweichungen, welche vom Atlantischen Ozean im 
Golfstromgebiet ausgehen, zurückgeführt, Die Untersuchungen Wittings ver- 
suchen darzulegen, daß tatsächlich ein soleher Einfluß vom Atlantischen Ozean 
möglich ist, . 
Die aperiodische tägliche Veränderung des Wasserstandes im Bottnischen 
Busen wird für die Jahre 1904 und 1905 für 2p der einzelnen Monate berechnet; 
sie zeigt einen deutlich ausgesprochenen jährlichen. Gang der Erscheinung mit 
einem Maximum im Winter und einem Minimum im Sommer, Die unperiodischen 
Veränderungen des Wasserstandes sind in der Mehrzahl der Fälle nicht lokal, 
sondern erstrecken sich auf das ganze Gebiet des Bottnischen Busens, 
Bei der Untersuchung der Gezeiten, welche bislang nur für die eigent- 
liche Ostsee und den Finnischen Meerbusen festgestellt sind, werden von Witting 
die einzelnen Wellen für vier Stationen des Bottnischen Busens berechnet, Die 
Ergebnisse sind zum Vergleich mit verschiedenen Stationen der Nord- und Ostsee 
in einer Tabelle zusammengestellt (S. 209); die Größe der Gezeiten nimmt vom 
Eingang der Ostsee nach dem Innern zu ab und beträgt im Bottnischen Busen 
nur einige Millimeter, , 
Nachdem Witting einen geschichtlichen Überblick über die Ergebnisse 
{rüherer Untersuchungen über Ursachen der Wasserstandsschwankungen gegeben 
hat, werden die einzelnen Faktoren von ihm selbst diskutiert, Die durch die 
Wärmeausdehnung verursachte jährliche Wasserstandsschwankung reicht nicht 
aus, um die jährliche Periode zu erklären, Sie erreicht nur !/, bis 1,, der 
wirklichen Jahresschwankung, diese verstärkend. Der Einfluß der Süßwasser. 
zufuühr auf den Wasserstand macht sich zur Zeit der Frühlingsflut geltend, 
jedoch nicht in dem winterlichen Maximum, so daß die Süßwasserzufuhr, obwohl 
nicht zur Erklärung der Jahresschwankung ausreichend, keineswegs zu vernach- 
Jjässigen ist, Auch die von Witting versuchte Heranziehung der Schwankung 
des Luftdruckes über den einzelnen Teilen des Gebietes in den verschiedenen 
Monaten ergibt kein befriedigendes Ergebnis, Es zeigen sich wohl ausgesprochene 
Übereinstimmungen mit den Schwankungen des Wasserstandes, aber die Wirkungen 
anderer Faktoren wie des Windes sind in ihnen mit enthalten, so daß man den 
Luftdruck nur als Indikator für andere Ursachen betrachten kann, 
Indem Witting für die einzelnen Monate der Jahre 1904 und 1905 nach 
Wetterkarten, welche die mittlere Wetterlage des Monats enthalten, die vor- 
wiegenden Winde ermittelt und gleichzeitig die Änderung im Wasserstande der 
Ostsee verzeichnet, stellt er fest, daß ein deutlicher Parallelismus zwischen den 
einwärtswehenden Winden und dem Steigen sowie zwischen den auswärtswehenden 
Winden und dem Fallen des Wasserniveaus besteht, Letzteres findet namentlich 
bei Südostwinden statt, während Südwest- und Westwinde eine Erhöhung des 
Wasserstandes des Bottnischen Meerbusens veranlassen, Nachdem so die Be- 
deutung des Windes für den Wasserstand im den Einzeljahren festgestellt ist, 
werden die Monatswerte einer längeren Periode untersucht. Hierzu werden nach 
den Rungschen Monatskarten die in dem 15jährigen Durchschnitt (1881/95) vor- 
herrschenden Windrichtungen für die Ostsee, das Kattegat und Skagerrak ermittelt 
und die Windgeschwindigkeit durch Messen der Isobarenabstände nach der von 
Wegemann angewandten Methode*) berechnet, Zum Vergleich dienen die 
i5jährigen Monatsmittel des Wasserstandes joe zweier Stationen des Bottnischen 
Busens und der südlichen Ostsee, Es zeigt sich, daß die jährliche Periode des 
Wasserstandes der Ostsee nicht durch die über diesem Gebiet vorherrschenden 
Winde allein. erklärt werden kann, wohl aber mit Heranzichung der Windrver- 
hältnisse, welche über der Nordsee und dem Kattegat herrschen, Bestimmt werden 
Krümmel a. 2. OÖ. 8. 57, 
Archiv d. Deutschen Soewarte, Ba. XXIL 18990, 
IM
	        
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