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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1908,
Bei der Diskussion des jährlichen Ganges der mittleren Windstärke der
einzelnen Stationen, deren Angaben nicht untereinander, wohl aber in sich ver-
gleichbar sind, ergibt sich ein Maximum der Windgeschwindigkeit im Winter
auf den Leuchtturmstationen, welche als Luv-Küstenstationen zu betrachten sind,
während auf den kontinentaler gelegenen Stationen der höchste Monatswert in
den Monaten Mai bis Juli eintritt.
Die Land- und Seewinde an der deutschen Ostseeküste hat kürzlich
M. Kaiser näher untersucht,!) indem er dazu die stündlichen Werte der deutschen
Küstenstationen benutzte, Für das Gebiet des Bottnischen Meerbusens standen
Witting nur drei Terminbeobachtungen täglich an den regelmäßig beobachtenden
Stationen zur Verfügung, so daß eine Untersuchung, welche die Resultanten für
die einzelnen Termine von der mittleren Luftbewegung befreit, nicht auszuführen
war. Aus den Terminbeobachtungen für 7a und 2p (die Abendbeobachtung
signet sich nicht für die Untersuchung, da an diesem Termin die Erscheinung
weniger ausgeprägt ist) schält Witting die morgens und mittags bevorzugten
Windrichtungen durch Rechnung heraus an der Hand der beobachteten Häufigkeits-
zahlen; die zu den beiden Terminen vorherrschenden Windrichtungen sind
in kleinen Karten für die einzelnen Stationen wiedergegeben. Der Verfasser
kommt zu folgenden Schlüssen: Die Land- und Seewinde sind bei einer Be-
trachtung der Durchschnittsverhältnisse längs der ganzen Küste des Bottnischen
Meerbusens deutlich ausgeprägt. An der finnischen Küste steht der Wind ziemlich
senkrecht zur Küste, und eine geringe Drehung nach rechts ist überall bemerkbar,
an der schwedischen Küste ist die Drehung nach rechts größer, Das Phänomen
zeigt sich auch deutlich auf den im Meere gelegenen Leuchttürmen und Feuer-
schiffen, jedoch nehmen die Häufigkeitsdifferenzen mit wachsendem Abstande
von der Küste deutlich ab, Die Schätzung der Ausbreitung des Land- und See-
windes gestattet den Schluß, daß die Erscheinung sich im günstigsten Fall bis
auf 70 km (!) Entfernung von der Küste ausdehnen kann, während Kaiser
in seiner Untersuchung des Phänomens an der deutschen Küste den Ursprungsort
des Seewindes nur in 4 bis 5 km Entfernung von der Küste feststellt; auch
andere Angaben in der Literatur verzeichnen nur Entfernungen von 30 bis 40 km.
IV. Die Süßwasserzufuhr,
Nach einer kurzen Schilderung der Eisverhältnisse des Bottnischen Meer-
busens in den Wintern 1903/04 und 1904/05, welcher die Angaben der Leucht-
turmsjournale und der in dieser Zeitschrift veröffentlichten Untersuchungen von
Reinicke®) zugrunde gelegt werden, wird eingehend Niederschlag, Abfluß und
Verdunstung in den Speisungsgebieten der Bottensee und Bottenwiek für die
beiden Jahre 1904 und 1905 erörtert. Witting steht hier (wie auch häufig bei
anderen Untersuchungen) vor ziemlich großen Schwierigkeiten, da es zum Teil
an systematischen klimatischen oder wasserwirtschaftlichen Vorarbeiten in dem
betreffenden Gebiet fehlt und zuweilen auch das Beobachtungsmaterial nicht ge-
nügend jst. Dieses prägt sich namentlich in dem Abschnitt »Die Süßwasser-
zufuühr« aus, So sind die Niederschlagsbeobachtungen keineswegs homogen,
sondern enthalten systematische Fehler, indem die gemessenen Mengen häufig
viel zu niedrig sind. Es ist dies namentlich auf Leuchtturmstationen, wo der
Regenmesser zu wenig geschützt steht, der Fall; auch fällt ein bedeutender Teil
des Niederschlags in Schneeform, was gleichfalls auf die Messungen ungünstig
einwirkt. Bei der Berechnung des Abflusses der einzelnen Gebiete aus Wasser-
standsbeobachtungen und den zugehörigen Wassermengenmessungen ist der Ver-
lasser für einzelne Gebiete auf Schätzungen angewiesen, auch ist die Beeisung
der Flüsse von schwer zu berechnendem Einfluß auf die Abflußvorgänge,
Witting versucht alle diese Schwierigkeiten zu überwinden, er kommt zu
folgenden Abflußmengen in 10-2 ckm (abgerundet):
5 Vgl. Ann. d. Hydr. usw., 1907, 8. 113£ff u. 149f£.
2 Vel, Ann. d. Hrdr. nsw., 1903, 8, 385