Breuneccke, Wr: Rolf Wisting: Beiträge zur Hrdrographie des Botinischen Meerbusens, 545
reichen mitgeteilten Strommessungen, welche sich meist auf Tiefen bis zu 100 m
erstrecken, zeigen, daß sowohl Stromrichtung wie Stromstärke in den einzelnen
Tiefen oft sprunghaft wechseln, Eine Diskussion der Beobachtungsergebnisse
erfolgt erst in einem später erscheinenden zweiten Teil der Veröffentlichung.
Die Ergebnisse der Öberflächen-Strommessungen auf finnischen und
schwedischen Feuerschiffen für die Jahre 1904 und 1905 werden graphisch mit-
geteilt zusammen mit Luftdruckdifferenzen, Wasserstandsbeobachtungen und Wind-
beobachtungen. Eingehend diskutiert wird der Wert von Flaschenposten, welche
sowohl von den Feuerschiffen wie von den Stationen der Terminfahrten ausgesetzt
wurden; von 399 wurden 147 oder 37%, wiedergefunden, Die ausgesetzten Flaschen
waren teils unbelastet, teils mit Sand beschwert, teils waren an ihnen Senkkörper
an 2 oder 5 m langer Leine oder Messingkette befestigt, um die Einwirkung des
Windes auszuschalten. Die Wege der ausgeworfenen Flaschen sind für die Monate
Mai, August und November der beiden Jahre in Karten niedergelegt; außerdem sind
4ie Minimalgeschwindigkeiten der Flaschen berechnet, Aus direkten Beobachtungen
beladener und unbeladener Flaschen kommt Witting zu dem Schluß, daß unter
der Annahme einer mittleren Geschwindigkeit des Stromes yon 15 bis 20 em p. Sek.
und des Windes von 5 m p. Sek, der Strom in ungefähr dreimal höherem Grade
als der Wind den Weg einer unbeladenen Flasche bestimmt. Aus der Gesamtheit
der Beobachtungen aus Flaschenposten ergibt sich für die Brauchbarkeit dieser
Methode zum Studium der Stromverhältnisse im Bottnischen Meerbusen, daß die
Flaschenposten völlig verwendbar sind, Die Wirkung des Windes kann bei un-
beladenen Flaschen bemerkbar sein, aber die Wirkung des Stromes herrsche
vor; bei beladenen oder mit Korb versehenen Flaschen dürfte die Wirkung des
Windes unter Berücksichtigung der erreichten Genauigkeit außer acht gelassen
werden,
1) Die Windverhältnisse.
Für die später erfolgen sollende Diskussion der Bewegungsvorgänge war
25 notwendig, einen Überblick über die in den Jahren 1904 und 1905 im Gebiet
des Bottnischen Meerbusens herrschenden Winde zu gewinnen, Es wurden hierzu
die dreimal täglich gemachten Beobachtungen der Stationen an der schwedischen
and finnischen Küste sowie einiger Inselstationen. aus den Schärengebieten heran-
zezogen, Das zur Verfügung stehende Material ist sehr heterogen, die Ge-
schwindigkeit wird teils nach der Beaufort-Skala geschätzt, teils in m p. Sek.
mit Anemometern oder mit der Wildschen Windfahne bestimmt,
Die Bearbeitung ist für die einzelnen Stationen graphisch ausgeführt
worden, indem aus den Windwegen der einzelnen Tage die Resultanten für die
Dekaden, Monate, Vierteljahre und ganzen Jahre abgeleitet wurden. Diese Jahres-,
Monats- usw. Resultanten sind in kleinen Kärtchen für die einzelnen Stationen
für die Jahre 1904 und 1905 eingezeichnet. Von den Ergebnissen, die diese
Methode liefert, seien einzelne kurz angeführt,
Bei den Jahresresultanten finden wir an der schwedischen Küste einen
Windweg mit westlicher und nördlicher, an der finnischen mit westlicher und süd-
licher Komponente; lassen wir die Westkomponente, welche die vorherrschende Be-
wegung über diesem Gebiet bildet, außer Acht, so erhalten wir eine nordsüdliche
Bewegung längs der schwedischen und eine südnördliche längs der finnischen
Küste, Bei den Vierteljahrsresultanten herrscht auch die westöstliche Richtung
vor, auch schmiegen sie sich wie die Jahresresultanten großenteils dem Verlauf
der Küste an, sind jedoch je nach der Jahreszeit mehr nach außen oder innen
gerichtet, Die Monatsresultanten der verschiedenen Stationen zeigen im all-
gemeinen große Übereinstimmung, so finden wir im März fast über dem ganzen
Gebiet Südostwinde bei nordsüdlicher Richtung der Isobaren, während im Mai
und Juni die über dem südlichen Finnland lagernde Depression vorwiegend nord-
westliche Winde bedingt. Berechnet man das Verhältnis zwischen der Länge
der Resultante und dem wahren Windweg im Prozenten, so ergibt sich, daß dieses
mehr wie 50 Prozent in den drei ersten Monaten des Jahres beträgt, während
der Sommer und die übrigen Jahreszeiten erheblich weniger aufweisen.