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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

S4d Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1908, 
von 3m Länge) und das 9 mm starke Kabel sowie wohl ziemlich erhebliche 
Kosten dürften einer allgemeinen Verwendung und einem Gebrauch auf größeren 
Tiefen wahrscheinlich hinderlich sein, 1} 
Nachdem Witting ausführlich die Konstantenbestimmungen der Apparate 
diskutiert hat, bei welchen eine Genauigkeit der Strommessung von 1 em p. Sek, 
angestrebt wurde, geht er auf die Ausführung der Strommessungen spezieller 
ein. Die Hauptschwierigkeit, auch bei relativ flachen Meeren, bietet die Auf- 
yabe, einen festen Punkt zu schaffen, auf den die Strommessungen bezogen 
werden können. oder, anders ausgedrückt, die Eigenbewegungen des verankerten 
Schiffes, welche die Ergebnisse der Strommessungen fälschen, auszuschalten. 
Die Eigenbewegungen werden ganz ausgeschaltet bei dem Verfahren Nansens, 
einen Strommesser auf den Meeresboden in einem Dreifuß aufzustellen, doch 
erhält man einerseits nur die Strömung in der Nähe des Bodens, andererseits ist 
auch diese Methode bei größerer Tiefe nicht anwendbar, Die Versuche, das 
Schiff selbst mit zwei Bugankern oder vorn und achtern zu verankern, haben 
ebenfalls keine befriedigenden Resultate ergeben, da die Anker leicht zu 
dreggen anfingen; auch ist dies nur bei geringen Tiefen möglich, Bessere Er- 
gebnisse sind mit einem vorn und achtern stramm zwischen zwei Bootsankern 
liegenden Boot gemacht worden, selbst bei größeren Tiefen bis 500 m;”) die 
Ausbringung eines Bootes bei häufig zu wiederholenden Messungen wie bei den 
Terminfahrten ist jedoch ziemlich umständlich und die Ausführung der Messungen 
nur bei leidlichem Wetter möglich. Immerhin erscheint diese Methode doch die 
einfachste, denn die Methoden Wittings (und anderer) mit Zuhilfenahme von 
Bojen entweder die Bewegung des Schiffes auszuschalten oder die Bewegungen 
des Schiffes rechnerisch zu ermitteln, sind ebenfalls zeitraubend oder bedingen 
erhebliche Korrektionsrechnungen, 
Das bei den finnländischen hydrographischen Untersuchungen angewandte 
Verfahren zu Strommessungen war einerseits durch die Natur des Meeres, 
andererseits durch die verfügbare Zeit zu den Messungen bedingt, Da der 
Bottnische Meerbusen keine Gezeitensträme von Bedeutung aufweist, so wurde 
auf fortlaufende Strommessungen während längerer Zeiträume verzichtet, und 
die Strommessungen wurden den internationalen Terminfahrten angeschlossen. 
Zuerst wurde beabsichtigt, eine Basis bei einfach verankertem Schiff durch 
zwei in einem bestimmten Abstande voneinander verankerte Bojen zu schaffen 
and durch Peilen der Basis die Eigenbewegungen des Schiffes zu bestimmen, 
jedoch erlaubte die bei den zahlreichen zu besuchenden Stationen und geringen 
Arbeitskräften zur Verfügung stehende Zeit dies Verfahren nicht. Es ist jedoch 
später zu Kontrollbestimmungen der Schiffsbewegungen angewandt worden. 
Man half sich daher auf folgende Weise: Das Schiff wurde mit einem 
150 kg schweren Anker (Grytankare genannt) an einem 15.4 mm starken Draht- 
seil verankert; an dem Anker war außerdem eine 4 mm starke Leine befestigt, 
an welche in einem der Wassertiefe entsprechenden Abstande vom Anker eine 
Boje angebracht wurde. Von der Boje lief eine dünnere Leine zu einem an 
Bord befindlichen Meterrad, mittels welcher die Entfernungen zwischen Schiff 
und Boje festgestellt wurden, Die Boje, welche keinen nennenswerten horizon- 
jalen Bewegungen unterworfen ist, wurde nun bei Beginn und Ende jeder 
Messung vom Schiff aus gepeilt und aus den Entfernungen von der Boje und 
der Lage des Schiffes zur Boje die Eigenbewegungen des Schiffes ermittelt, Da 
die trigonometrische Berechnung zu umständlich und Jangwierig sich gestaltete, 
wurde von Witting ein graphisches Verfahren hierzu angewandt. Diese Methode 
zur Bestimmung der Schiffsbewegungen wurde später durch die gleichzeitig an- 
gewandte, oben. erwähnte Basismethode kontrolliert. Auf Grund eingehender 
Diskussion der Fehlerquellen. und vergleichender Messungen kommt der Verfasser 
zu dem Ergebnis, daß die von ihm mitgeteilten Strommessungen im allgemeinen 
auf 15° und etwa 1cm p. Sek, genau angesehen werden können. Die zahl- 
5 Vgl auch F, Nansen im «Publ, de cireonst.« Ne LS . En 
#) Siche hierüber B. Helland-Hansen in Bergens Museums Aarbog 1907, Sr. 15: Current 
Measurements in Norwegian Fjords, Ihe Norwegian Sea and die Naorıh Sea in 10906.
	        
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