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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

540 Annalen der Hydrographie und. Maritimen Meteorologie, Dezember 1908, 
Die Wellen langer Periode werden sich übrigens auch als Resonanz- 
erscheinung erklären lassen, wogegen bei denen von sehr kurzer Periode zu 
untersuchen sein wird, ob Vibrationen vorliegen oder Wellen in der Scheide- 
Häche zweier Wasserschichten von verschiedener Dichte, Da es den Anschein 
hat, als ob diese japanischen Untersuchungen fortgesetzt werden, so steht zu 
hoffen, daß das Material nach dieser Richtung noch einmal untersucht wird, 
Dann wird sich vielleicht auch die Frage beantworten lassen, welche Knotenlinie 
im allgemeinen die hauptsächlichste ist. Wenn auch die einfache Formel be- 
sonders bei trichterförmigen Buchten schon gute Näherungswerte liefern wird, 
so wird es sich doch empfehlen, sich noch mehr als bisher die neuesten Er- 
gebnisse der Seichesforschung zunutze zu machen. 
Von. besonderem Interesse sind die beiden letzten Paragraphen, Der 7 
behandelt das Verhältnis zwischen den Beben- und Zyklonwellen und den 
sekundären Wellen. Schon Omori hat nachgewiesen, daß erstere die gleiche 
Periode haben für dieselbe Bucht wie letztere. Die stehenden Wellen einer 
Bucht sind also für sie spezifisch, Wirkt also irgend ein Impuls auf das Wasser 
einer Bucht, so wird sie stets in gleicher Weise in Schwingungen versetzt, Die 
Wirkung, gemessen an der Amplitude, wird um so größer sein, je stärker der 
Impuls ist und je näher seine Periode der aus den Dimensionen der Bucht sich 
ergebenden, stehenden Welle kommt. Doch gilt dies nicht für Wellen von be- 
trächtlicher Amplitude, die in nächster Nähe der Bucht erzeugt sind, und die 
als fortschreitende Wellen in die Buchten eindringen und meist furchtbare Ver- 
heerungen anrichten wie z, B. die Sanrikuwelle von 1896. Eingehend besprochen 
werden die Anseiwelle 1854, die südamerikanischen von Ariqua 1868, Iquique 
1877, Ecuador und Valparaiso 1906, die Krakatauwelle 1883, deren. Periode von 
zwei Stunden in Batavia ihren Ursprung in einer stehenden Schwingung‘ der 
Sundastraße hat, mit den Knoten an den Enden, während die in indischen Häfen 
beobachtete Periode von etwa einer Stunde von einer gleichzeitigen binodolen 
Querschwingung der Straße herrühren kann, 
Die die Zyklone erzeugenden Schwankungen des Meeresspiegels in den 
Buchten sind dreierlei Art. Es gibt ganz kurze Wellen, die Vibrationen, lange 
Wellen und anormale Hebungen des Wasserspiegels, Von den ersteren wird 
vermutet, daß sie gleichen Ursprungs mit den Windwellen sind. Diese oft sehr 
heftigen, in Japan Gekiro genannten Schwankungen des Meeresspiegels haben 
allerdings eine Periode von mehreren Minuten und sind auch in anderen Buchten 
beobachtet. Die langen Wellen entsprechen den sekundären Schwankungen an 
gewöhnlichen Tagen, übertreffen diese aber bedeutend an Höhe. Die Periode 
der Haupischwingung ist jedoch in verschiedenen Fällen verschieden, Oft spricht 
die als Resoönator gedachte Bucht auf ihren Grundton, oft auf die höheren 
harmonischen am stärksten an, Maßgebend scheinen Ausdehnung, Geschwindig- 
keit und Abstand des Zyklons zu sein, An den Küsten des Japanischen Meeres 
sind dagegen diese Wellen in manchen Fällen für verschiedene Buchten die 
gleichen, Oft sind längere Reihen solcher Wellen in ganz verschiedenen Buchten 
ähnlich in der Gestalt, Dann pflegen die Hauptwellenlängen abhängig zu sein 
von den Dimensionen des Zyklons. Nicht selten werden solche starken sekundären 
Wellen auch bei ruhigem Wetter beobachtet, wie z. B. der Abiki in Nagasaki 
Die Ursache dürfte in Schwankungen des Luftdrucks zu suchen sein. Eine Liste 
ron 35 bemerkenswerten Wellen aus den letzten 1725 Jahren beschließt den Ab- 
schnitt. 14 Tafeln mit zahlreichen Monogrammen von Beben- und Zyklonwellen 
und 18 Wetterkärtehen bilden eine wertvolle Beigabe dazu, 
Der letzte Abschnitt bietet einen Ausblick auf den Wert solcher Unter- 
suchungen für die Erklärung der Gezeitenerscheinungen in Meeresbecken, die als 
Buchten der Weltmeere aufgefaßt werden können, Sowie Ferrel 1874 die 
Seichestheorie zur Erklärung der Gezeiten der Weltmeere heranzuziehen ver- 
suchte, wird hier ein gleiches für verschiedene buchtartige Meeresgebiete unter- 
nommen, nachdem Darwin und Harris Anregungen dazu gegeben haben,.*) Da 
die Größe der Buchten nach den vorliegenden Untersuchungen für die Entstehung 
1) Darwinz Ebbe und Flut usw. Übersetzung von A, Pockel 8. 168. 
Harris: Manual of Tides IV A und B.
	        
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