Wegemann: Über sekundäre Gezeitenwellen.
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Tsunamis der japanischen Küsten; die Seiches des Genfer Sees und Grundwellen
des Bodensees). Seitdem man selbstaufzeichnende Pegel in den verschiedensten
Teilen der Meere und in Seen aufstellte, zeigte sich, daß ähnliche Erscheinungen
von sehr verschiedener Höhe in den meisten Buchten, Meeresstraßen und Seen
auftreten. Eine eingehende wissenschaftliche Erforschung solcher Seespiegel-
schwankungen hat Forel seit Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts
am Genfer See ins Werk gesetzt und dadurch zu Beobachtungen an anderen
Seen angeregt, so daß das Seichesproblem in den Hauptzügen als gelöst gelten
kann. Eine Zusammenstellung der wesentlichsten Tatsachen nach dem augenblick-
lichen Stande bietet die Endrössche Abhandlung!) in Petermanns Mitteilungen.
Inwieweit hier, bei den Vibrationen besonders, »Unterwasserwellen«, die durch
einen Windstoß hervorgerufen sind, in Frage kommen und vielleicht als Haupt-
ursache des Seebärs der Östsee anzusehen sind, bleibt späteren Untersuchungen
vorbehalten. Jedenfalls liefert Sandströms Versuch‘) über Tiefwasserwellen in
der Scheidefläche zwischen zwei Schichten verschiedener Dichte einen beachtens-
werten Beitrag zur Aufklärung der vorliegenden Probleme.
In derselben systematischen Weise, wie Forel die Seiches studierte, haben
japanische Gelehrte auf Anregung der japanischen Erdbebenkommission 1903 bis
1906 es unternommen, die sekundären Wellen an den Küsten Japans zu er-
forschen. Nach einem vorläufigen Berichte von Honda, Yoshida und Terada
1905 ist soeben der Hauptbericht in den Veröffentlichungen der Kaiserlich
japanischen Akademie der Wissenschaften von Honda, Terada, Yoshida und
Isitani® erschienen. Das mustergültige, umfangreiche Werk erhält durch die
zahlreichen Karten und Mareogramm-Reproduktionen einen erhöhten Wert. Ein
Textauszug ist im Philosophical Magazine (Januar 1908} mit 10 Textfiguren
und 6 Tafeln veröffentlicht.
In einem Vorwort gibt Nagaoka die leitenden Gedanken bei der Unter-
suchung an, Veranlaßt wurde sie durch die verheerenden Erd- und Seebeben-
wellen, die die japanische Küste von Zeit zu Zeit heimsuchen, besonders die
Sanrikuwelle vom 15, bis 16. Juni 1896. Omori, der sie an der Hand von
Mareogrammen studierte, kam zu dem Schluß, daß die Buchten wie flüssige
Pendel Schwingungen machen können, deren Perioden für eine jede eigentümlich
sind. Auch die Ähnlichkeit mit den Seiches der Seen wurde erkannt. Eine aus-
Jührlichere Geschichte der Beobachtung und verschiedene Theorien enthält $ 1
des Werkes, ohne indes erschöpfend zu sein. Der folgende Paragraph enthält
eine Beschreibung des Quecksilber-Mareographen von Nakamura, während $ 3
die allgemeinen Ergebnisse bringt,
Folgende allgemeine Ergebnisse wurden abgeleitet:
1. An offenen Küsten sind die sekundären Wellen schwach und unregel-
mäßig; an denen des Japanischen Meeres jedoch stärker als an den pazifischen,
2. In sehr großen oder flachen Buchten mit sehr enger Mündung sind sie
ebenfalls schwach.
3, In tiefen, landeinwärts sich erstreckenden Buchten oder Mündungen
treten sie dagegen sehr ausgesprochen auf.
4. An benachbarten Küstenorten oder in nebeneinanderliegenden Buchten
wurden häufig gemeinsame Schwingungen beobachtet.
5. Höhe und Periode der Schwankungen derselben Bucht wechseln häufig.
Doch kommen meist nur einige bestimmte Perioden in jeder Bucht oft gleich-
zeitig, oft wechselnd vor. Diese Perioden sind selten konstant, sondern schwanken
um einige Minuten,
6. Manchmal treten die gleichen Wellenzüge mit der gleichen Phase der
Gezeitenwelle auf.
ij Endrös: Vergleichende Zusammenstellung der Hauptseichesperioden der bie jetzt unter-
suchten Seen mit Anwendung auf verwandte Probleme. Petermanns Mitteilungen. 1908. Heft 21, II, IV.
2ı Sandström: Dynamische Versuche mit Meerwasser, Ann. d, Hydr. usw. 1908, £&. 8 bis 11.
3 Honda, Terada, Yoshida, Isitani: Secondary Undulations of Oceanic Tides, XXIV, Bd.
Me of ihe College of Science, Imperial University Tokyo. 113 Seiten, 2 Titelbalder und
5 Tafeln.