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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

530 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 2908. 
keine underen Wege in Betracht kommen als einer der dargestellten oder doch 
solche, die zwischen dem südlichsten und dem nördlichsten davon liegen, Die 
sechs Wege wurden deshalb nach den Angaben der Tabelle I, »Schnittpunkte 
und Entfernungen auf verschiedenen Dampferwegen von Durban nach Java Head« 
auf die Monatskarten vom Indischen Ozean für Januar, April, Juli und September 
eingetragen. Damit wurde zunächst ein Bild der mittleren Wind-, Wetter- und 
Stromverhältnisse gewonnen, in denen jeder einzelne Weg in dem betreffenden 
Monate oder in der betreffenden Jahreszeit — die Monate sind so gewählt, daß 
sie die Jahreszeiten des in Frage kommenden Meeresteiles darstellen — entlang 
führt. Es wurde dann aber auch weiter auf jeder der vier Karten an jedem 
einzelnen Wege entlang abgeschätzt, wie viel Stunden Gewinn. oder Verlust ein 
11 Knoten-Dampfer infolge der mittleren Windverhältnisse und wie viel See- 
meilen günstigen oder ungünstigen Strom er infolge der mittleren Stromverhält- 
nisse haben würde, Das Ganze in Zeit umgerechnet, ergab dann die Tabelle IL 
die »Berechnung der ungefähren mittleren Reisedauer von Durban nach Java 
Head für einen 11 Knoten-Dampfer«, 
Natürlich verhalten sich solche auf Gissung beruhenden Zahlen zu aus 
Tagebüchern berechneten, für die hier aber kein Material zur Verfügung steht, 
etwa nur wie der Schiffsort nach Besteck zum Schiffsorte nach Beobachtungen; 
da indessen &0 sorgfältig wie möglich verfahren worden ist, so dürften die hier 
yegebenen Zahlen das Verhältnis der mittleren Reisedauer für einen 11-Knoten- 
Dampfer auf den verschiedenen Wegen genügend richtig darstellen. 
Aus den Zahlen geht hervor, daß die Wege Nr.2 und Nr. 4 zu jeder 
Jahreszeit am günstigsten sind; und es darf sogar gesagt werden: »In Wirk- 
lichkeit wird die durchschnittliche Reisedauer auf den Wegen Nr. 2 
und Nr. 4 wahrscheinlich noch etwas günstiger werden, weil auf diesen 
Wegen wie auf keinem der anderen die Kapitäne durch Wahl eines 
passenden Kurses eine günstige Gelegenheit möglichst ausnutzen oder 
ungünstigen Verhältnissen möglichst aus dem Wege gehen können«, 
So ist es z.B. empfehlenswert, namentlich zu Anfang der Reise, bei nördlichen 
oder nordöstlichen bis östlichen Winden von den Wegen Nr. 2 oder Nr. 4 noch nach 
Züden abzuweichen, und so wird es in den meisten Fällen nichts schaden, wenn 
die Schiffe südlich von 30° S-Br, etwas mehr Länge (etwa bis nach 90° O-Lg.) 
ablaufen, weil sie dann den besonders im südlichen Winter oft starken Passat 
um so raumer haben und auch das Gebiet der westlich setzenden Strömungen 
auf ziemlich nördlichen Kursen schnell überschreiten können, Dagegen sollten 
sich die Schiffe nicht ohne besondere Gründe schon wesentlich westlich von 
30° O-Le. über 30° S-Br. hinaus nach Norden drängen lassen, weil sie dann den 
Passat schral haben würden. 
Selbstverständlich ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß ein Schiff auf den 
Wegen Nr. 1, 3 oder 5 ganz ausnahmsweise flauen Passat finden und dann auch 
dort, namentlich auf dem kürzesten Wege, Nr. 1, eine schnelle Reise machen 
kann, durchschnittlich werden aber die Reisen für 11 Knoten-Dampfer und selbst- 
verständlich auch für langsamere auf diesen Wegen mehr Zeit in Anspruch 
nehmen als auf den Wegen Nr, 2 und Nr, 4, denn im allgemeinen verur- 
sachen außergewöhnliche Verhältnisse auf den Wegen, auf denen durch 
Winde und Strömungen eine Verlängerung der Reisedauer herbei- 
geführt wird, auch viel öfter und leichter eine außergewöhnliche Ver- 
längerung der Reisedauer als deren Beschleunigung, 
Wird man daher durchschnittlich auf den Wegen Nr. 2 und 4 die schnellsten 
Reisen machen, so wird man zwar nicht darauf rechnen dürfen, dabei durch 
Ausnutzung der gerade angetroffenen Verhältnisse noch Tage zu gewinnen, allein 
man wird dort doch ziemlich sicher sein vor tapgelangen Verzögerungen der 
Reisen, die auf den Wegen Nr. 1, 3 oder 5 leicht eintreten können; man ist 
außerdem in der Orkanzeit der Örkangefahr weniger ausgesetzt und ist auch in 
der Lage, einem herannahenden Orkane leichter aus dem Wege steuern zu 
können, Was endlich den Weg Nr, 6 anlangt, so sollte er nur von Schiffen g8- 
nommen werden, die aus besonderen Gründen jeglichem Seegange so viel wie
	        
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