526 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1908.
der Reisedauer suchen. ZZ. B. verließ »Marıe Hackfeld« den Englischen Kanal
am 4, August, und »Magdalene«, die Nord um Schottland kam, überschritt 50° N-Br.
westlich von 12° W-Lg. nur 3 Tage später, trotzdem zeigt die Dauer ihrer Reisen
bis zur Linie einen Unterschied von 9 Tagen. Die Ursache davon dürfte vor-
jehmlieh in den folgenden Umständen zu finden sein. »Marie Hackfeld« segelte
vom Englischen Kanal aus bei hohem Barometerstande und leichten südwest-
liehen bis westsüdwestlichen Winden unentwegt auf St-B.-Halsen, obwohl sie
damit 46° N-Br. noch ein wenig Östlich von 7° W-Lg. überschritt. Südlich von
{6° N-Br. raumte der Wind bald so weit auf, daß sie einen Kurs steuern konnte,
der von Kap Finisterre frei zeigte, und nachdem sie so 45° N-Br. überschritten
hatte, holte der Wind nördlich und führte das Schiff ohne Aufenthalt in den
Passat, »Magdalene« ging bei hohem Barometerstande mit SW zu W- Wind,
Stärke 7 bis 5, abnehmend, trotz ihrer westlichen Stellung in 12° W-Lg. und etwa
50° N-Br. 4’'/, Wache lang auf B-B.-Halsen und geriet, wahrscheinlich infolge-
dessen, nachdem sie wieder gewendet hatte, auf dem Wege nach Süden so nahe
an das Maximum bei den Azoren, daß sie durch leichte Winde und Windstillen
aufgehalten wurde und erst in 40° N-Br. und 13'/,“ W-Lg. nördliche Brise erhielt.
Mit Bezug auf solche Fälle heißt es im »Segelhandbuch für den Atlantischen
Ozean«, IL. Aufl, S, 411: »auch könnte ein solches Verfahren (einen Umweg nach
Westen zu machen) insofern. von Nachteil sein, als man auf der westlichen Route
nicht frischere, sondern. eher flauere und ungünstigere Winde als in der Nähe
der Küste ansegeln würde, Jedenfalls erscheint es notwendig, daß bei der Ent-
scheidung, ob man westlich gehen will oder nicht, die Jahreszeit und die an-
getroffenen Umstände berücksichtigt werden.«
»Marie Hackfeld« hatte jetzt fast 7 Tage Vorsprung, und in diesem Ab-
zstande segelten die Schiffe dann durch den Passat, »Marie Hackfeld« östlich,
‚Magdalene« westlich von den Kap Verdeschen Inseln, und in demselben zeit-
lichen. Abstande erreichten beide Schiffe 10° N-Br. Von hier aus wurde »Marie
Hackfelde durch die Windverhältnisse wieder begünstigt; sie segelte in 4 Tagen
nach 5° N-Br., wendete dort in 151° W-Lg. und segelte dann in wenig mehr als
2 Tagen auf einem Schlage zur Linie auf, die sie in 21° W-Lg. überschritt.
»Magdalene« fand, 7 Tage später, von 10° N-Br. an in den westlicheren Positionen
so viel flaueren Südwestmonsun, daß sie 7 Tage bis nach 5° N-Br, brauchte und,
nachdem sie dort schon in 17° W-Lg, auf B-B.-Halsen gegangen war, sich ver-
anlaßt sah, noch einen Schlag‘ auf St-B.-Halsen zu machen, ehe sie von etwa
21° N-Br., und 14!/,° W-Lg. in einem Schlage zur Linie aufsegelte und sie in
18,8° W-Lax., Üüberschritt.
2. Von der Linie nach 50° S-Br.
Wenn man zunächst von der kleinen »Vidar« absicht, die nur 712 R-T.
groß ist, so zeigt sich bei den 12 anderen, über 1400 R-T, großen Seglern, eine
erstaunliche Gleichmäßigkeit der Reisedauer, Sie steigt nur einmal etwas mehr
als 3 Tage über das Mittel von 27.1 Tagen und geht nur einmal auf 25 Tage
herab, trotzdem sich der Reiseantritt dieser Schiffe auf einen Zeitraum von mehr
als 3 Monaten, auf die Zeit vom 3, Juli bis 18. Oktober, erstreckt. Ganz er-
staunlich gleichmäßig ist mit je 26 Tagen namentlich die Reisedauer von
3 Laeiszschen Schiffen, die in mittleren Abständen von je einer Woche hinter-
einander hersegelten und die kleine »Vidar« zwischen der Linie und 50° S-Br.
überholten, Die Ursachen hiervon liegen auf der Hand, es mag aber gezeigt
werden, wie sich das Überholen des kleinen Schiffes vollzog.
‚Pampa« schnitt die Linie am 29. Juli, 11 Tage nach »Vidare, als dieses
Schiff in 19° S-Br. sehon einen Rundlauf des Windes hatte, bei dem es aus süd-
westlichen bis südlichen Richtungen so stark wehte, daß »Vidar« im Etmal
%° Breite zusetzte. Schon auf 33° S-Br. wurde »Vidar« am 16. August von
:Pampa« überholt, Beide Schiffe machten am Morgen dieses Tages bei Südwind,
Stärke 5 bis 6, auf St-B.-Halsen, 570°0 gut, aber »Pampa« mit 8, »Vidare mit
21, Kun. Fahrt, und beide Schiffe gingen zur selben Zeit auf B-B.-Halsen, während
‚Vidar« nun aber nur S 80°W mit 2 Kn. Fahrt zu machen imstande war, segelte