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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1408,
4. Die Zeit der Einsendung endet mit dem 31, Dezember 1911, und die Zu-
sendung ist an den unterzeichneten Vorsitzenden der Gesellschaft
(Geheimen Regierungsrat Professor Dr. G. Hellmann, Berlin W 56,
Schinkelplatz 6) zu richten,
Die Resultate der Prüfung der eingegangenen Schriften durch fünf Preis-
richter werden 1912 in der Meteorologischen Zeitschrift bekannt ge-
geben werden,
Der Vorsitzende der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft
Hellmann,
2. Starke nördliche Versetzung im Mittelmeere vor Gibraltar. Nach
dem der Deutschen Seewarte eingesandten meteorologischen Tagebuch des
Dampfers »C. Ferd, Laeisz«, Kapt, A, Wagner, wurde am 13. September 1908
auf der Reise von Marseille nach Antwerpen bei der Ansteuerung von Gibraltar
eine sehr starke nördliche Versetzung von 16 Sm in 31/% Stunden beobachtet,
Bereits von Kap Sacratif bis zu der nach guten Beobachtungen ermittelten
Mittagsposition auf 36° 22’ N-Br. und 4° 31’0-Lg, bei YIrischen, gegen Mittag
Nauen, östlichen Winden, stellte man einen nördlichen Strom von 5 Sm in
4!/„ Stunden fest. Nach den Übersichtskarten des „Jnstituto Central Meteoro-
logieo« zu Madrid war die Wetterlage im westlichen Mittelmeer am 11,, 1%. und
13. September normal, gleichmäßig und ruhig mit südlichen leichten Winden und
Stillen, Im besonderen am 13, September herrschten leichte südliche und Östliche
Winde und Stillen, von den Balearen bis westlich der Straße von Gibraltar.
Nach den Eintragungen im meteorologischen Tagebuch des Dampfers »C. Ferd.
Laecisz« herrschte, der allgemeinen Wetterlage entsprechend, am 13, September
Frühmorgens wolkiges, schönes Wetter, mit frischen, gegen Mittag abflauenden,
östlichen bis südlichen Winden mit entsprechendem Seegang. Nach den englischen
und deutschen Küstenhandbüchern‘!) ist auf der Strecke von Kap de Gata nach
Gihraltar ein so starker, nördlicher Strom bei so normaler Wetterlage nicht beob-
achtet worden. Diese außerordentliche Versetzung kann also weder als nach-
wirkende Windtrift, noch als der dureh die Straße von Gibraltar in das Mittel-
meer setzende Oststrom, der an der spanischen Küste in ostnordöstlicher Richtung
entlang‘ setzt, aufgefaßt werden. Das Nächstliegende wäre nun, da die Bestecks-
länge mit der nach Beobachtung gefundenen Länge übereinstimmt, also hier
nicht weiter in Frage kommt, eine im Mittelmeer ja recht häufige und starke
Hebung der Kimm während der Mittagsbeobachtung anzunehmen, wodurch be-
kanntlich der Schiffsort von dem beobachteten Gestirn weg verschoben wird; in
diesem Falle wäre also der wahre Schiffsort südlicher gewesen als Besteck und
nach Sonnenhöhe gefundene Breite erkennen ließen, Umgekehrte Brechungs-
verhältnisse in den unteren Luftschichten, also eine Senkung der Kimm anzu-
nehmen, erscheint nach der herrschenden Wetterlage und nach den Aufzeich-
nungen im meteorologischen Tagebuch des Dampfers »C, Ferd, Laecisz« als ganz
ausgeschlossen, denn die Luft- und Wassertemperaturen zeigen während des
12, und 13. September auffallende Übereinstimmung, Schon aus diesem Grunde
allein scheint ein Höhenfehler, der durch terrestrische Refraktion erzeugt
sein könnte, nicht vorzuliegen. Weiter käme schließlich noch eine unvorher-
gesehene Änderung in der Deviation an Bord zur Erklärung so ungewöhnlicher
starker Versetzung in Frage, was aber auf einem eingefahrenen Schiffe, das
schon mehrere Reisen auf demselben Wege hin and zurück gemacht hatte ımd
auf dem sorgfältig navigiert wird, wohl am unwahrscheinlichsten sein dürfte,
Es bleibt also doch wohl nichts anderes übrig, als einen ganz abnormen nörd-
lichen Strom, wie er bisher bei normaler Wetterlage noch nicht beobachtet
worden ist, anzunehmen. Schließlich sei auch noch auf die starke nördliche
Versetzung des deutschen Dampfers »Saxonia« hingewiesen, der auf der Heim-
reise von Ostasien, direkt von Suez kommend, bei Sabinal am 7. Oktober d. J.
festkam, Hiernach erscheint es wohl angebracht, auch bei normalen Witterungs-
’) »Kegelhäandbuch für das Mittelmeer, I, 1005, 8, 53, und -Segelhandbuch für die Norid-
and Westküste Spaniens und Portugals 1004, S, 507 bis 500, Vgl. auch Entscheidungen des Ober-
Sccumts und der Secimter«, Band 15, 8. 40 D. »Lahn«,
5.