510 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1908.
der Vertikalen in der Richtung des magnetischen Meridians. Zu diesem Zwecke
sind auf der einen Flachseite der Spule zwei konsolenartige Träger angebracht,
die die Rotation der Spule nicht behindern und dazu bestimmt sind, das zum
Instrument gehörende Niveau zu tragen. Aus der Ablesung der Blase in den
vier Stellungen: Niveau Ost, Nullende Nord bzw, Süd und Niveau West, Null-
ende Süd bzw, Nord, findet sich die gesuchte kJeine Neigung der Ächse, Gleich-
zeitig wird die Stellung der südlichen Fußschraube notiert, Hierauf wird der
Messingzylinder untergesetzt und dadurch die Rotationsachse um einen bekannten
Winkel gekippt. Dieser Winkel wird auf folgende Weise ein für allemal gemessen
bzw. von Zeit zu Zeit kontrolliert: Auf dem oberen Ende der Rotationsachse
wird senkrecht zu ihr ein Spiegel befestigt. Nachdem die Abweichung der Rota-
Hionsachse von der Vertikalen wie oben. bestimmt worden und der Messingzylinder
antergesetzt ist, stellt man ein Universalinstrument so vor dem Induktor auf, daß
sein Fernrohr durch Autokollimation senkrecht auf dem Spiegel steht, Nach Ab-
lesung des Kreises und des Höhenniveaus dreht man die Spule um 180° und
wiederholt die Einstellung, Darauf wird das Nadir genommen, indem man ein
Gefäß mit Quecksilber unter das Fernrohr stellt, wieder die Fäden mit ihrem
Spiegelbilde zur Deckung bringt und Kreis und Höhenniveau abliest, Durch
Wiederholung dieser Messungen in systematischer Reihenfolge erhält man den
Winkel zwischen der Achse und der Horizontalen mit großer Genauigkeit und
hieraus den Winkel, um den die Achse durch Untersetzen des Messingzylinders
aus ihrer Anfangsstellung gekippt wird, wenn man die kleine Neigung der Achse
gegen die Vertikale anbringt, wie sie durch die Nivellierung vor und nach dieser
Beobachtung bestimmt wird, Bei Gelegenheit dieser Beobachtung bestimmt man
auch den Parswert der südlichen Fußschraube, indem man die durch Drehen
dieser Schraube hervrorgebrachte Anderung des Winkels mit dem Universale
mißt, Mit dem so gefundenen Parswerte der Schraube leitet man dann wieder
denjenigen des Niveaus ab. Es ist noch darauf zu achten, daß das obere Ende
der Achse mit dem Spiegel eventuell sich durechbiegt und hängt, Bei dem
hiesigen Instrumente, bei dem die Konstruktion des Spiegelträgers nicht sehr
günstig ist, beträgt die Durchbiegung in horizontaler Lage z. B. 2’. Gemessen
wird sie auch mit Hilfe des Universals, Die Achse wird horizontal gelegt und
mit dem Niveau die Abweichung von der Horizontalen bestimmt. Dann wird
wieder wie oben mit dem Universalinstrumente der Winkel der Achse gegen die
Horizontale gemessen. Die sich aus beiden Beobachtungen ergebende Differenz
ist die Durchbiegung des Achsenendes, die ich mit b bezeichnen will. Ist a’ der
oben gemessene Winkel, so ist der wahre Winkel zwischen Achse und Horizontaler
a = a’ + b- cos a’,
Die Beobachtung der Inklination geht nun in folgender Weise weiter vor
sich: Nach Untersetzung des Messingzylinders wird die Spule abwechselnd rechts
und links herumgedreht, und zwar genügt eine Geschwindigkeit von etwa vier
Umdrehungen in der Sekunde, die sich leicht ohne besondere Übertragungen mit
der Hand erzielen läßt und ohne Erschütterung des Instruments, dessen Fuß-
platten auf dem Steinpfeiler aufgegipst sind. Im Fernrohr wird der Ausschlag
der Skals beobachtet und die südliche Fußschraube so lange gedreht, bis die
Skalg bei beiden Drehungsrichtungen sich nicht mehr bewegt, Die Stellung der
Schraube und die Zeit werden notiert und die Beobachtung einige Male wiederholt,
Wenn die Regulierung des Druckes der Schleiffedern nicht ganz gelungen
ist, so ist es möglich, daß man einen solchen Nullpunkt gar nicht erhält, da immer
Jurch die Reibung Strom erzeugt wird, der das Galyanometer in derselben Rich-
tung durchläuft, Immerhin läßt sich die Regulierung so weit ausführen, daß der
erzeugte Strom nicht mehr als 0.05’ in der Anderung der Achsenneigung ent-
zapricht, Da sich die Drehung rechtsherum und lJinksherum genau genug mit
gleicher Geschwindigkeit ausführen läßt, werden die Äblesungen dadurch nicht
beeinträchtigt. Im Fernrohr bleibt dann der Faden bei den beiden Drehungs-
arten nicht still stehen, sondern er wandert um eine kleine Strecke beide Male
nach derselben Seite, Die Beobachtung läßt sich durch Einschalten eines Kom-
mütators in die Leitung zum Galvanometer auch leicht so bewerkstelligen, daß