Meyermann, B.: Neue Inklinationsbestimmungen mit dem abgeänderten Weberschen Erdinduktor. 309
Neue Inklinationsbestimmungen mit dem abgeänderten Weberschen Erd-
induktor zu Wilhelmshaven,
In nachfolgenden Zeilen möchte ich einen einfachen und sehr zweck-
mäßigen Umbau beschreiben, der mit dem Weberschen Erdinduktor des hiesigen
Öbservatoriums vorgenommen worden ist, Die sehr guten Erfahrungen, die hier
mit der Abänderung des Instruments gemacht worden sind, veranlassen vielleicht
den einen oder anderen Beobachter, der sich im Besitze eines älteren Erdinduktors
befindet, den gleichen Schritt zu tun und sich so ohne erhebliche Kosten in den
Besitz eines Instruments zu bringen, das den modernen Erdinduktoren nur wenig
nachstehen dürfte,
Zur Bestimmung der Inklination diente bislang hier das Nadelinklinatorium
von Dover Nr, 23, von dem die Nadeln 3 und 4 benutzt wurden, und nebenbei
der Webersche Erdinduktor in der bekannten von Edelmann ausgeführten
Form, und zwar wurde mit diesem nach der Scheringschen Methode beobachtet,
Während ursprünglich die mit den beiden Instrumenten erlangten Neigungen nur
wenig voneinander abwichen, wurde die Differenz zwischen ihnen seit einer Reihe
von Jahren sehr groß, Ein Grund für diese Differenz hat sich nocht nicht finden
lassen, interessant ist jedoch, daß auch in Potsdam (vgl. Ergebnisse der magneti-
schen Beobachtungen in Potsdam im Jahre 1901, S. XVIIT) sich eine solche große
Differenz zwischen Nadelinklinatorium und Erdinduktor gefunden hat und daß
sie dort das gleiche Vorzeichen hat wie hier, so daß man vielleicht annehmen
kann, daß ein systematischer Unterschied in den beiden Beobachtungsarten besteht,
Um sicher zu gehen in der Beurteilung dieses Unterschiedes, wurde nach
einer weiteren möglichst guten und einwandfreien Methode zur Bestimmung der
Inklination mit den hier vorhandenen Hilfsmitteln gesucht und der im folgenden
beschriebene Umbau des Erdinduktors beschlossen.
Es sollte versucht werden, mit dem Erdinduktor nach der Nullmethode
von Wild zu beobachten, Zu diesem Zwecke wurde auf der Achse zwischen der
Spule und dem oberen Achsenlager ein Kommutator angebracht, dessen Beläge
mit den Enden der Windungen leitend verbunden wurden, Die den Strom ab-
nehmenden Schleiffedern sitzen isoliert auf beiden Seiten des oberen Lagers an
dem halbkreisförmigen Bügel, in dem die Spule rotiert. Um den Druck regu-
lieren .zu können, mit dem die Federn am Kommutator schleifen, empfiehlt es
sich, was hier verabsäumt wurde, wenigstens eine derselben mit einer in diesem
Sinne wirkenden Schraube zu versehen, Bei ungleichmäßigem Schleifen der Federn
können die auftretenden Nebenströme die Beobachtung sonst leicht erschweren,
Erleichtert und konstant gemacht wird die Regulierung dieses Druckes durch ein
gegenseitiges Kinschleifen der Federn und der Beläge mit Hilfe eines feinen
Schmirgels.
Der Kommutator, der durch Reibung auf der Achse gehalten wird, ist so
eingestellt, daß der Stromrichtungswechsel eintritt beim Durchgang der Windungs-
normalen durch die Hauptvertikalebene des Instruments, wenn dieses richtig steht,
also beim Durchgang durch den magnetischen Meridian. Der beim Drehen der
Spule im Magnetfelde erzeugte zerhackte Gleichstrom wird von den Schleiffedern
abgoleitet und durch ein hochempfindliches aperiodisches Galvanometer geschickt,
das aus etwa 4 m Entfernung mit Fernrohr und Skala beobachtet wird,
Nachdem das Instrument richtig aufgestellt ist, d.h. wenn die Haupt-
vertikalebene mit dem magnetischen. Meridiane zusammenfällt und die Rotations-
achse vertikal gestellt ist, wird unter den nördlichen Auflagepunkt des die Spule
tragenden Bügels ein planparallel abyeschliffener Messingzylinder gesetzt, dessen
Höhe so bemessen ist, daß die Rotationsachse fast zusammenfällt mit der Rich-
tung der Inklination, Zur vollen Deckung kann die Achse mit der Richtung der
Kraftlinien gebracht werden durch Drehung der südlichen Fußschraube des Unter-
gestelles, deren. Kopf eine auf Papier gezeichnete Teilung erhalten hat, die die
Größe dieses kleinen Winkels zu messen gestattet,
Der Vorgang bei einer Messung ist nun der folgende: Bevor der Messine-
zylinder untergesetzt wird, bestimmt man die Abweichung der Rotationsachse von
Anz. d, Hrdr. usw. 1908, Heft XL
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