v. Schrötter: Hebung der Kimm und Luftspiegelungen in der Nordsee. 495
um das sichere Funktionieren zu prüfen, dann fiert man durch Aufschlecken der
Leine den Halter wieder herunter, so daß das Thermometer frei in der Luft eben
vom unteren Schirm bedeckt ist und der obere Teil in der Hülse steckt und
noch gute Führung behält, schlägt mit der Bucht der Leine einen Knoten k vor
das Ende der Röhre 6! und steckt einen Knebel durch, um ein schnelles Lösen
zu ermöglichen. Durch den Knoten k wird der Thermometerhalter in seiner
richtigen Stellung zum Messen gehalten. Die obere Part der Flaggleine wird,
wie schon gesagt, um das Metallrohr c! festgesteckt und der Apparat in die
Höhe geheißt, in der die Temperatur der Luft gemessen werden soll; dabei ist
es zweckmäßig, wenn der Mast zum Heißen benutzt wird, mit einer dritten dünnen
Leine den Apparat frei vom Einflusse des Mastes mehr nach vorne zu holen,
an der Nock einer Rah ist das natürlich nicht notwendig. Nach etwa 10min
dürfte das Thermometer die Temperatur der betreffenden Luftschicht angenommen
haben, Um es abzulesen, holt man die untere Part der Flaggleine zuerst steif,
wodurch der Halter mit dem Thermometer in die Hülse gezogen und der Teil
der sie umgebenden Luftschicht mitgenommen wird. Dann fiert man ebenso
stetig weg als man die untere Part einholt, schleckt, sobald man das Metall-
rohr ec! in der Hand hält, die untere Part auf, wodurch das Gewicht d? den
Halter aus der Hülse zieht und liest den Stand des Thermometers ab. Wenn
man sehr genau ablesen will, dann kann man auch, um jede Parallaxe zu ver-
meiden, den Knebel vorher herausziehen, den Knoten lösen und darauf das
Thermometer ganz aus der Hülse ziehen, Um Zeitverlust zu ersparen dürfte
man sich aber auf die erste Ablesungsart beschränken, damit das Instrument zur
weiteren Messung wieder schnell in eine andere Höhenlage geheißt werden kann.
Heißen und Fieren des Apparats muß langsam und vorsichtig ausgeführt werden,
um die Luftschichten durch hastige Bewegungen nicht gar zu sehr durch-
einander zu mischen, Ganz wird sich das ja niemals vermeiden lassen. Am
sichersten heißt man erst dicht am Mast hoch und holt dann mit dem Neerholer
den Apparat langsam möglichst weit nach vorne in seine Lage, umgekehrt ver.
fahre man beim Niederholen. Als Thermometer verwende man das Instrument,
was man gerade an Bord hat, gewöhnlich wird es das Luftthermometer sein,
Besonders empfehlenswert erscheinen die dünnen aber außerordentlich stabilen
Stabthermometer, die trotzdem die Temperaturen sehr viel schneller annehmen
und bei deren Gebrauch die Dimensionen des ganzen Apparats bedeutend ver-
ringert werden könnten.
Will oder muß man Temperaturmessungen ohne ein solches Instrument
mit einem einfachen Luftthermometer in größeren Höhen über dem gewöhn.«
lichen Standort des Thermometers anstellen, z. B. in der Mars oder in der Saling
oder auf der Royalrah, dann empfiehlt sich noch am meisten die Schleuder-
methode, wobei das beschattete Thermometer etwa zwei Minuten lang im Kreise
herumgeschleudert wird. Das gibt immerhin Näherungswerte, die besser als
gar keine Messungen, oder Vermutungen nach dem Gefühl sind, obwohl dabei
im Auge zu behalten ist, daß die Mächtigkeit der verschieden erwärmten Schichten
durch diese Messungen mit in erster Linie festgestellt werden soll. Nach einzelnen
zuverlässigen Beobachtungen z. B. nach denen von Biot und Arago, von denen
Pernter in seiner »Meteorologischen Optik«, Heft II, S. 98 berichtet, handelt es
sich mitunter um äußerst dünne Sprungschichten, oder um Schichtenverteilungen,
die durch exakte Beobachtungen noch nicht nachgewiesen, sondern nur als wahr.
scheinlich, theoretisch als vorhanden angenommen worden sind. Sehr schwierig
gestaltet sich die Feststellung der Temperatur jener kalten, mitunter auch warmen
Luftschicht direkt über der Wasserfläche, denn von dem stets etwas rollenden
und stampfenden Schiffe aus ist das Thermometer niemals genau genug in jener
Schicht zu halten und wird daher auch nur sehr ungenaue Näherungswerte an-
zeigen. Außerdem ist zu erwägen, daß die Bewegungen des in Windstille auf
See treibenden, oder auf der Seereede vor Anker liegenden Schiffes immer, 80-
wohl die Oberflächenschicht des Wassers wie auch die unterste Luftschicht mit
den ihnen zunächst liegenden Schichten durcheinander mischen werden. In der
Nähe des Schiffes sind also derartige Messungen nicht einwandsfrei, Ich schlage