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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

vr. Schrötter: Hebung der Kimm und Lauftspiegelungen in der Nordsee, 493

auftauchen. Man kann auf diese Weise durch Verlegung der Augeshöhe ausprobieren,
 wo die die normale Refraktion störende Luftschicht oben aufhört.
Zur Erklärung der verzerrten, stellenweise verhältnismäßig stabilen, anderwärts
beständig sich ändernden Formen, muß man überlegen, daß bei leisem Zuge eine
Mischung der Luftschichten und ein Ausgleich ihrer Temperaturunterschiede nicht
überall, sondern nur strichweise, nämlich da, wo mehr Wind herrscht, eintreten
kann, und daß sich dann die Schichten strichweise in labilem Gleichgewicht befinden
 müssen, Diese strichweise Verteilung‘ der ungleichen Refraktionsverhältnisse
 äußerte sich durch die gebrochene und doppelte Kimm in WNW,
wo nördlich von der Bruchstelle ein Ausgleich der starken Temperaturunterschiede
 stattgefunden haben wird, und durch die besonders stark auftretenden
Spiegelungen und Verzerrung der Formen der Fischerfahrzeuge im Südwestquadranten,
 In dieser Gegend wird also die stärkste Erwärmung der unteren
Luftschichten stattgefunden haben und damit auch die kräftigste nach oben gerichtete
 Ausgleichbewegung eingetreten sein, was ja auch an dem Aufwärtswogen
Jer Luftmasse und an den fast vibrierenden Spiegelbildern der Fischer und der
Tonnen beobachtet werden konnte, Was nun schließlich die für die Navigierung
wichtigste Feststellung der aufmerksamen Beobachter auf S. M, S. »Zieten« anlangt,
nämlich die Beobachtung, daß man unter derartigen anormalen Refraktionsverhältnissen
 den Abstand von Gegenständen, die innerhalb des Horizonts liegen,
unterschätzt, so ist diese Erscheinung am einfachsten zu erklären. Man schätzt
die Entfernung eines bekannten Objektes nach der Größe, oder besser nach der
Größe des Gesichtswinkels, unter dem es erscheint. Je größer der Gesichtswinkel,
 desto kleiner ist der Abstand des Beobachters vom Objekt und
umgekehrt, Wenn also unter normalen Brechungsverhältnissen der Seemann sich
eine gute Übung im Abschätzen des Abstandes von Land, Schiffen und Seezeichen
angeeignet hat, so wird er unter Brechungsverhältnissen in den unteren Luftschichten,
 die eine Verlängerung, »ein Emporwachsen« der Schiffe und Seezeichen
erzeugen, seinen Abstand von letzteren auch folgerichtig »unterschätzen«, d. h.
sich näher heranschätzen, als er in Wirklichkeit steht.
Aus allem was in diesen Annalen und auch in anderen Veröffentlichungen
über das Refraktionsphänomen in dem Luftmeere neuerdings bekannt geworden
ist, kann man feststellen, daß es im Luftmeere ebenso wie im Meere verschieden
temperierte Schichten »Sprungschichten- gibt, daß aber in den untersten Luftschichten,
 namentlich bei anormalen Verhältnissen, also bei Windstillen und
Sonnenschein usw., wenig exakte Messungen der Temperatur in den verschiedenen
Höhenlagen gemacht worden sind. Solche Messungen sind aber zum weiteren
Studium der Spiegelungen, Hebungen und Senkungen der Kimm unbedingt notwendig
 und würden von großem praktischen Nutzen für die Navigierung, namentlich
in der Landnähe, sein. Es kommt also darauf an, eine Methode zu ersinnen, die
einfach und handlich, zugleich aber auch einigermaßen genau genug ist und
anbeeinflußt durch die Nähe des Schiffskörpers und der Takelage die Luftjemperaturen
 möglichst gleichzeitig oder schnell hintereinander in verschiedenen
Höhenlagen festzustellen gestattet. Wollte man dazu gewöhnliche Thermometer,
Aurch Schutzdach gegen direkte Strahlung geschützt, anwenden, so würde der
ztwa in der Höhe des Flaggenknopfes erlangte Stand des Instruments durch die
verschieden erwärmten Luftschichten, die es beim Niederholen passieren muß,
lerartig beeinflußt werden, daß die Unterschiede zwischen den Temperaturen der
darunterliegenden Schichten gar nicht, oder fast nicht mehr festzustellen sind.
Maximal- und Minimalthermometer sind zu teuer, nicht überall an Bord vorhanden
 und das Arbeiten mit ihnen ist umständlich und nicht jedem geläufig.
Eine geeignete Vorrichtung für unsere Zwecke muß ein jedes an Bord befindliche
 Luftthermometer derartig schützen, daß es die Temperatur schnell annimmt,
 dann aber zur Zeit der Ablesung derartig arretiert werden kann, daß es
beim Niederholen, oder beim Hängen. an der Signalrah und beim Heranholen von
außenbords an die Reeling von den Temperaturen der Luftschichten, die es dabei
passiert, absolut unbeeinflußt bleibt. Verfasser schlägt dazu folgende einfache
Schutzvorrichtung für das Thermometer vor, die er in anderer Form zur
Ann. d. Hrdr. usw., 1908, Heft NT.
            
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