184 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1908.
wird wohl in dem von Herrn Schiötz behandelten Falle das Wasser teilweise
vom Winde in Bewegung gesetzt, aber doch nicht genügend, um die Bewegung
stationär zu erhalten,
Die von Herrn Schiötz ermittelten Lösungen stützen also in keiner Weise
die alte Ansicht, nach welcher die Triftströmungen den Windrichtungen zu folgen
suchen müssen.
In bezug auf die Abhandlung von Herrn Mohn kann ich mich nunmehr
sehr kurz fassen. Seine Einwände gegen die statistische Bearbeitung der Eistrift-
beobachtungen der »Fram«- Expedition sowie der Strombeobachtungen am
Adler-Grund lassen sich in der Weise zusammenfassen, daß andere Umstände
als der Wind die Stromrichtung beeinflußt haben. können. Hierzu genügt es zu
bemerken, daß solche Wirkungen so gut wie angängig, und wahrscheinlich sehr
effektiv, eliminiert worden sind, indem die sehr zahlreichen Beobachtungen sich
auf alle möglichen Windrichtungen beziehen.
Ein Vergleich zwischen dem Fünfmastvollschiff „Preußen“ und der Fünf-
mastbark „Potosi“ auf den Reisen nach der Westküste Südamerikas
und zurück.
Von Kapt, M. Prager, Assistent der Deutschen Seewarte,
Die Rekordreisen der neuesten deutschen Seglertypen, vertreten durch das
Fünfmastvollschiff »Preußen« und die Fünfmastbark »Potosis, haben in dem
letzten Jahrzehnt schon verschiedentlich Veranlassung gegeben, Vergleiche zwischen
diesen und anderen Seyelschiffsarten aufzustellen, Die Untersuchungen haben zu
dem Resultat geführt, daß mit der über andere Seglertypen hinausragenden Größe
und durch die in letzter Zeit in der Bauart großer Segelschiffe angewandte
Technik auch die besten Segeleigenschaften verbunden sind. Die Beschreibung
einzelner schneller Reisen der »Potosi« s »Ann, d. Hydr. usw.« 1896 SS, 201,
1898 8. 491 und 505, 1902 S, 25; der »Preußen« 1903 S, 188 und 385, 1905 S. 1
und 532, 1907 5, 235, Es scheint daher angebracht, um noch eine vorhandene
Lücke auszufüllen, daß auch noch ein Vergleich, wie In der vorliegenden Arbeit
versucht worden ist, zwischen. den. beiden. größten deutschen Seglern in bezug
auf ihre Seyeleigenschaften aufgestellt wird. Besonders eignet sich zu diesem
Versuch die bisher regelmäßige Fahrt der beiden Segelschiffe nach der West-
küste Südamerikas und zurück, zumal mit dem vorläufigen Ausscheiden der
ePreufien« aus dieser Fahrt weitere Vergleiche nicht angestellt werden können,
Um zu den in den Tabellen gegebenen Resultaten zu gelangen, sind die
auf den zehn bisher ausgeführten Reisen an Bord der »Preufien« sowie die auf
den zehn letzten Reisen der »Potosi« geführten meteorologischen Tagebücher
benutzt worden. Für die Ausreisen ist die Länge von Lizard als Ausgangspunkt
angenommen worden, ebenso schließen die Heimreisen mit diesem Längengrade
ab, Die Sammlung des Materials fand in der Weise statt, daß von Lizard ab bis
zum Bestimmungsort jede von Wache zu Wache gesegelte Distanz ausgezogen
wurde, Jedoch wurde, um eine bessere Übersicht zu gewinnen, das Material
nach verschiedenen Strecken zusammengefaßt, und zwar für die Ausreisen:; von
Lizard bis zur Linie, von der Linie bis 50° S-Br., von 50° 5 bis 50° S-Br. rund
Kap Horn und von 50° S-Br. bis zum Bestimmungsort. Für jeden dieser -Ab-
schnitte ist die Zeitdauer und die Anzahl der gemessenen Seemeilen in den
Tabellen. gegeben, woraus sich die mittlere Fahrtgeschwindigkeit berechnen Heß,
Für die Heimreisen sind die Strecken, wie üblich, etwas anders gewählt, nämlich:
vom Abgangsort bis Kap Horn, von Kap Horn bis zur Linie und von der Linie
bis Lizard, In den letzten Spalten der Tabellen ist die Dauer der Aus- und
Heimreisen, die ganze durchlaufene Entfernung in Seemeilen und die Durch-
schnittsfahrt für einen Tag und eine Stunde eingetragen,