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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Ekman, V. W.: Zur Frage von der Ablenkung der Triftströmungen, 483 
ligkeit. Sie entsprechen daher keinen wirklichen Verhältnissen; denn in einem 
wirklichen Meere von endlicher Tiefe würden sie mit Reibung am Meeresboden 
verbunden sein. Die Unbrauchbarkeit der besprochenen Lösungen geht auch 
daraus hervor, daß sie eine mit dem Winde gleiche Stromgeschwindigkeit er- 
yeben. Herr Schiötz bemerkt wohl, daß dabei nur die Luftbewegung gerade 
an der Meeresoberfläche in Frage kommt, Da die bezüglichen Lösungen voraus- 
setzen, daß der Wind keinen Tangentialdruck auf das Wasser ausübt, so muß 
aber die Windgeschwindigkeit in allen Höhen bis an die Meeresoberfläche 
gleich sein, 
Den dritten und letzten von Herrn Schiötz behandelten Fall müssen wir 
ein wenig eingehender erörtern. Es wird in demselben ein Meer von gleich- 
mäßiger Tiefe vorausgesetzt, auf das ein Wind von konstanter Richtung und 
Geschwindigkeit längs eines streifenförmigen Gebietes einwirkt. Am Meeresboden 
‚wird die Stromgeschwindigkeit gleich Null angenommen, Das Windgebiet soll 
in der Windrichtung so langgestreckt sein, daß wir e8 annähernd als endios 
betrachten können. Schon wegen dieser letzteren Annahme lassen sich keine 
allgemein gültigen Schlußfolgen aus der Lösung der Aufgabe ziehen. Ich habe 
in Abh, IX und III gezeigt, daß in diesem besonderen Falle das Wasser, mit 
Ausnahme einer Bodenschicht und einer OÖberflächenschicht, sich in der Wind- 
richtung bewegen wird, Herr Schiötz ermittelt die vollständige Lösung 
(Gl. 23, b) der Bewegungsgleichungen unter den genannten Voraussetzungen, 
und man wird sich leicht davon überzeugen, daß dieselbe mit meiner eigenen 
Lösung (Abh, II, GL 13) identisch ist, Diese Lösung stellt die Summe zweier 
Bewegungszustände dar, Der eine, der »Gradientstrom«, wird von einem 
konstanten Druckgradienten allein verursacht; der andere, der »reine Trift- 
strom«, wird vom Winde obne Mitwirkung des Gradienten hervorgerufen, Es 
bleibt nun nur noch übrig, diese beiden Teile in solcher Weise zusammenzu- 
setzen, daß den Grenzbedingungen genügt wird. 
Es ist klar, daß bei stationärer Bewegung die Geschwindigkeit des Gradient- 
stromes und des reinen Triftstromes, also auch Wind und Druckgradient, ın 
einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen müssen. Denn, da das Meeres- 
niveau unveränderlich sein soll, wird die nötige Arbeit vom Winde allein ge- 
Jeistet, dagegen sowohl vom Gradientstrome wie vom Triftstrome verbraucht, 
d.h. in Wärme verwandelt, In den von Herrn Schiötz benutzten Bezeichnungen 
läßt sich die genannte Bedingung so ausdrücken, daß u, (cc) einen von den 
Grenzbedingungen der Aufgabe abhängigen, ganz bestimmten Wert haben muß, 
Herr Schiötz setzt nun, »um die Rechnungen zu vereinfachen«, w, (00) = 269. 
Daß aber diese Annahme den Voraussetzungen seiner Aufgabe nicht genügt, 
wird man leicht finden, Am deutlichsten geht dies aus dem von Herrn Schiötz 
besonders besprochenen Falle hervor, wo ee} eine große Zahl ist, das will mit 
meinen Bezeichnungen sagen, wo die Meerestiefe im Verhältnis zur Reibungstiefe 
2roß ist. In diesem Falle fließt die ganze Wassermenge, mit Ausnahme einer 
Bodenschicht, in der Längsrichtung des betrachteten Meeresgebietes, In der 
Bodenschicht aber wird der Strom überwiegend nach der einen Seite von dieser 
Richtung abgelenkt, und zwar so, daß die vorausgesetzte Neigung der Meeres- 
sberfläche vermindert werden muß, Die gefundene Bewegung ist also nicht 
stationär, Die gemachte Annahme führt ferner zu dem von Herrn Schiötz 
selbst hervorgehobenen Resultat, daß der Oberflächenstrom nach Geschwindigkeit 
and Richtung dem Winde gleich wird, oder, was auf dasselbe herauskommt, daß 
der Wind auf die Bewegung keine Einwirkung hat. Die von Herrn Schiötz gelöste 
Aufgabe stellt also nur den Fall dar, wo das Wasser infolge eines ursprünglich 
vorhandenen Niveauunterschiedes in Bewegung gesetzt wird, bis allmählich der 
Gleichgewichtszustand wieder hergestellt ist, und die Niveauunterschiede aus- 
geglichen worden sind, Wenn während einer solchen Bewegung ein Wind 
entsteht von gerade derselben Geschwindigkeit und Richtung wie die des Stromes 
— und der also den Strom überhaupt nicht beeinflußt — so fließt auch der 
Strom in der Richtung dieses Windes! Wenn die Meerestiefe geringer ist, so
	        
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