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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

{82 Annalen der Hydrographie und Marithuen Meteorologie, Xavember 1905, 
Herrn Schiötz unbeachteten Untersuchungen nicht näher erwähnen, falls er 
nicht später gemen dieselben Einwände erheben sollte, Die mathematischen 
Resultate, zu denen ich in denselhen gekommen. bin, sind jedenfalls mit den jetzt 
ron. Herrn Schiötz veröffentlichten übereinstimmend, 
Herr Schiötz behauptet weiter, daß »Ekman die Kraft, womit der Wind 
das Wasser fortzuschleppen suchen wird, der Windstärke proportional setzt« und 
er hebt hervor, daß statt dessen die Geschwindigkeit der Luft relativ zum 
Wasser, also der Geschwindigkeitsunterschied, für die treibende Kraft maßgebend 
sein muß Hinsichtlich der letzteren Bemerkung bin ich mit Horrn Schiötz 
ganz einverstanden. Ich habe in der Tat in allen drei Abhandlungen dieselbe 
Tatsache ausdrücklich herrorgehoben. Wie ich aber gleichzeitig angedeutet habe, 
ist es gerade die Windgeschwindigkeit relativ zum Wasser, die im allgemeinen 
auf dem Meere unmittelbar beobachtet wird, und es empfiehlt sich daher, eben 
diese Größe als gegeben anzunehmen, Um weitere Mißverständnisse zu wver- 
meiden, bitte ich nun, sich daran zu erinnern, daß überall in den besprochenen 
Abhandlungen unter Richtung und Geschwindigkeit des Windes die relativ 
zum Wasser bestimmte Windrichtung bzw. Geschwindigkeit zu verstehen ist, 
selbst da, wo dies nicht ausdrücklich erwähnt werden sollte. Wenn man den 
Wind in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes versteht — also wie in etwa 
Sehiffshöhe gemessen — so ist jedenfalls der Unterschied zwischen. absoluter 
und relativer Windrichtung und Geschwindigkeit geringfügig, infolge der ver- 
hältnismäßig kleinen Geschwindigkeit des Wassers, Beim Ableiten der Beziehung 
T =— 0.0000082% h? zwischen Tangentialdruck T und Windgeschwindigkeit h 
(Abh. II) konnten daher die Windbeobachtungen ohne Berücksichtigung des 
nämlichen Unterschiedes benutzt werden, ohne daß die Genauigkeit dadurch 
merkbar beeinflußt wurde, 
Herr Schiötz zieht es vor, statt des Windes in gewöhnlichem Sinne, die 
Luftbewegung gerade an der Oberfläche des Wassers als bekannt Vorauszusetzen, 
und in diesem Falle ist es natürlicherweise notwendig, die absolute und die 
relative Luftbewegung genau zu unterscheiden. Eine solche Anordnung ist aber 
nicht notwendig und scheint mir in keiner Weise zweckmäßig, Denn unser Ziel 
ist doch, die Abhängigkeit der Strömungen von den wirklich beobachteten 
Winden (und nicht von den uns unbekannten Luftbewegungen unmittelbar an 
der Meeresoberfläche) zu. untersuchen, Die Beziehung zwischen der (relativen) 
Windgeschwindigkeit in gewöhnlichem Sinne und dem vom Winde ausgeübten 
Tangentialdeuck T läßt sich zwar sicht in einfacher Weise genau berechnen, 
aber kann doch in erster Annäherung aus zugänglichen Beobachtungsergebnissen 
ermittelt werden. Die Beziehung zwischen T und der Luftbewegung unmittelbar 
oberhalb des Wassers ist uns dagegen vollständig unbekannt; denn wir wissen 
nicht einmal, ob eine Gleitung in der Grenzfläche stattfindet, oder ob die Ge- 
schwindigkeit von der einen zu der anderen Seite der Grenzfläche stetig varliert. 
Der von Herrn Schiötz S. 442 berechnete Ablenkungswinkel £ = etwa 27° hat 
daher in der Tat keine reale Bedeutung, 
Mit dem, was oben gesagt ist, glaube ich sämtliche von Herrn Schiötz gegen 
meine Berechnungen erhobenen Einwände beantwortet zu haben, 
Herr Schiätz beschränkt sich aber nicht auf die erwähnten kritischen 
Bemerkungen; er ermittelt auch Lösungen der hydrodynamischen Gleichungen, 
aus welchen er schließt, daß unter gewissen Voraussetzungen der stationär 28- 
wordene Strom in. der Windrichtung gehen muß, Hierzu sei sogleich bemerkt, 
daß auch die von mir gegebenen Lösungen Spezialfälle in sich einschließen, wo 
der Strom mehr oder weniger vollständig mit dem Winde gleichgerichtet ist. 
Die von Herrn Schiötz berechneten Resultate widerlegen nur dann die von 
Nansen und mir entwickelte Auffassung, wenn es sich zeigt, daB sie dem normal 
auftretenden Falle entsprechen. Von diesem Gesichtspunkte aus gestatte ich 
mir, nun dieselben zu untersuchen. 
Die zwei ersten von Herrn Schiötz behandelten Aufgaben setzen u, # 
voraus, daß das Meer bodenlos ist, oder daß keine Reibung am Boden wirkt. 
Die ermittelten Lösungen. ergeben eine in allen Tiefen gleiche Stromgeschwin-
	        
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