170 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktoher 1908.
her rorträtt, die die zahllosen Einzelforsehungen auf dem uniberschbaren Gebiet des mathematischen
Wissens nach einheitlichen Gesichtspunkten geordnet weiteren. Kreisen zugänglich machen, zeigt der
Beifall, den die bis jetzt erschienenen Teile der Ten der mathematischen Wissenschaften ge
funden haben, die ebenso wie die Referate in den Jahresberichten der Deutschen Mathematiker
Vereinigung eine rasche Orientierung über den gegenwärtigen Stand cines bestimmten Zweige der
Mathematik gewähren md durch eingehende Literaturnachweisungen dessen historischen Entwicklungs-
gang vorführen, dafür aber auf cine ausführliche Mars RE verzichten, wie sje zu einem nicht auf
amfangreiche. Quellenstudien sich stützenden Eindringen in. das betreffende Gebiet, erforderlich. ist,
Die Herausgabe der Enzyklopädie regte deshalb in der a den Wunsch nach
äner ausgiebigeren Verwertung der umfangreichen. Vorarbeiten an, die die Mitarbeiter nach sachlicher
wie nach historischer Richtung unternommen hatten, die in der Enzyklopüdie aber nur in gedräugtester
Kürze Darlegung finden konnten, Diesem Wunsche ist cie vorliegende Sammlung entsprungen, an der
neben den Mitarbeitern der Enzyklopädie auch zahlreiche andere Gelehrte von Ruf beteiligt sind,
Der vorliegende Band XXVI dieser Sammlung, der die Hyrdrodynamik Kandel, ist. von
Horace Lamb, dem Professor der Mathematik an der Vietoria- Universität in Manchester, früher in
Adelaide, bearbeitet. worden, In der Enzyklopädie war ihm die Behandlung der Elastizitätstheorie zu-
sefallen, während die Hydrodsnamik dort ihren Bearbeiter in A, K, H. Lore, dem Verfasser der
;Mathepiatical Theory of Elasticity«, gefunden hat,
In der Gegenwart und in den letzten Jahrzehnten haben sich in erster Linie englische Forscher
den Äusban der Hydrodynamik angelegen sein lassen, und deshalb muß jeder, der sich über den gegen-
wärtigen Stand dieser DU unterrichten will, zu der englischen Literatur greifen, Unter den eng-
jschen Lehrbüchern, von denen wir zur die von Besant and von Basset erwähnen, gebührt olme
Zweifel dem vorliegenden Werke von Lamb einer der ersten T’lätze, und es ist darım mit Freuden
au begrüßen, dal dieses Werk in der gegenwärtigen Gestalt auch weiteren Kreisen des deutschen mathe-
matischen Publikums zugänglicher geworden ist. .
Das Buch ist aus dem im Jahre 1870 erechienenen »Treatise on. the mathematical theory of
Ihe motion of Auids« herrorgegangen, das von R, Reiff unter dem Titels »Einleitung: in die Hydro«
Arnamik« im Jahre 1884 ins Dontsche übersetzt worden ist, Die zweite, stark umgesarbeitete und ver-
mehrte Auflage des Originals erschien unter dem Titel: »ITrdrodynamies« im Jahre 1895. Die vor«
jegende Auflage mterscheidet sich von den vorbergehenden mür dadurch, daß verschiedene. Abschnitte
nen bearbeitet und mehrere Zusätze eingefügt ei, die zusammen etwa den fünften Teil des Ganzen
ausmachen. Die wichtigsten Erweiterungen finden sich in dem zeiten, hauptsächlich die phrsikalischen
Anwendungen behandelnden Teile des Werkes, | I
Dem Plan. der Sammlung enteprechend, in der das Buch erscheint, ist In den Anmerkungen
zroße Mühe auf vollständige und genaue Literstürnachweise verwandt worden, wenn auch bemerkt
xerden muß, daß die nichtenglische Literatur wie In der vorigen Auflage so auch in der gegenwärtigen
nicht in dem ihrer Bedeutung entsprechenden. Urafange berücksichtigt worden jet; die ausgezeichnete
historische Studie Auerbachs % B. it in dem ganzen Buche nirgends erwähnt, Das Werk hat über-
haytıpt den ganz spezifisch enplischen Charakter, der in allen modernen englischen Darstellungen aus
Jem Gebiete der mathematischen Physik zutage tritt und sic so schr von den klassischen Werken der
zvoßen französischen Mathematiker unterscheidet, Hierin soll durchaus kein Vorwurf liegen; man kann
a viclmehr geradezu als einen Vorzug ansehen, wenn der deutsche Leser auch bier sicht, in welcher
Weise und mit wie eigerartiger rationeller Methode die mathematische Physik von den Forscherm der
Nation behandelt wird, der sie unter dem gewaltigen Einfluß eines Maxwell, Rankine, Lord
Rarleigh und vor allem eines William Thomson einen so großen Teil ihrer staunenswerten Fort-
schritie zu danken hat, |
Die Übersetzung Friedels ist als recht gelungen anzuschen, wenn auch zugegeben werden
muß, daß die nicht geringen sprachlichen Schwierigkeiten, die die Übertragung eines so eipenartigen
Werkes darbietet, nicht überall vollkonımen glücklich überwunden sind. Diese Schwierigkeiten, die
auch Helmholtz bei der Übersetzung der »Natural Philosophy« von Thomson und Talt entgegen-
getreten und die seitdem noch gewachsen sind, liegen vor allem darin, daß sich die englische Sprache
weit mehr ale die deutsche der Begriffs- und Gedankenwelt des modernen theoretischen Thysikers
kongenial erweist, die ja zum großen Teil ein badenständiges englisches Produkt ist und deshalb ihren
zdäquaten Ausdruck in anderen Sprachen nicht vollkommen Jinden kann. Hinsichtlich der Termino-
logie folgt die Übersetzung soviel wie möglich. den einschlägigen Teilen der Enzyklopädie der mathe-
matischen. Wissenschaften, Für viele in der deutschen Literatur bisher nicht übliche Ausdrücke mußte
der Übersetzer nach gleichwertigen Verdentschmgen suchen, wobei ibm in schwierigen Fällen der Rat
con Felix Klein und C, El Müller im Göttingen zur Seite gestanden hat, An einzelnen Stellen ist
lie ung etwas fremdartig berührende mathematische Schreibweise der Engländer beibehalten worden;
irotz mancher Vorzüge. die ıhr unstreitig eigen sind, wäre es namentlich im Interesse der daran wicht
rowöhnten Leser wohl besser gewesen, sie durch die uns gelünfigere zu ersetzen, Auch sei hier gleich
bemerkt, daß das Buch nach Ansicht des Unterzeichneten keineswegs, wie der Übersetzer meint, für
den Anfänger, der nur über die notwendigen Grundlagen der höheren Mathematik verfügt, cbenso
‘rauchbar ist, wie für den Vorgeschrittenen, der selbständige Untersuchungen anstellen wird, VFür den
Anfänger würde sich von den englischen Lehrbüchern eher das allerdings weniger moderne, aber dafür
auch geringere Ansprüche stellende Buch von W. H. Besant — ein echtes englisches Colleme-
lextbook — eignen,
Die zwölf Kapitel, in die das Lambsche Werk eingeteilt ist, behandeln folgende Gegenstände:
I. Die Beweyungseleichungen; II. Integration der Gleichmgen in speziellen Fällen; 111. Wirbelfreie
Bewegung; IV. Zweidimensionale Bewegung: einer Flüssigkeit, V. Wirbelfreie Bewegung einer Flüssig-
keit: Dreidimensionale Probleme; VI, Über die Bewerung fester Körper in einer Flüssiykeit: Dyna-
mische Theorie; VIL Wirbelbewegung; VL Fhutwellenz IX. Oberflächenwellen; X, Expansions-
wellen; XL Zühigkeit; XIX, Rotation flüssiger Massen,