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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

160 Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1908. 
nur auf einem sehr eng begrenzten Gebiete erfüllt sein können, und wir finden 
in der Themsemündung daher nur noch bei den nicht fern von diesem Punkt 
liegenden. Feuerschiffen Tongue und Girdler, besonders bei dem erstgenannten, 
welches dem Punkte am nächsten liegt, einen Stromwechsel ähnlicher, aber bei 
weitem nicht so ausgeprägter Art; wohl aber finden sich auch anderswo An- 
deutungen davon, daß der Strom nicht ohne Übergang aus einer Hauptrichtung 
in die andere übergeführt wird, wenn auch eine Stromstille (slack-water) an- 
zegeben wird. 
Ein anderer Spezialfall ist durch Formel (23) gegeben, und auch für 
diesen findet sich eine Beobachtung, Bei seinen Vermessungsaärbeiten in der 
Nordsee fand Kapt, Hewetit R, N, in 52° 271.5 N-Br. und 3° 14,5 0-Le. v. Gr.!} 
sinen. Punkt, wo er (von dem »auf einem kleinen Hügel« verankerten Schiffe 
aus} keinen Tidenhub wahrnehmen konnte, wohl aber einen kräftigen Strom, der 
abwechselnd nach magnetisch NO und SW setzte, beobachtete, Wird dieser Punkt 
auf der Karte abgesetzt, so sieht man, daß derselbe etwas südlich von der Linie 
Texel— Yarmouth liegt und wahrscheinlich die heute sogenannte »braune Bank« 
(brown ridge} ist, Hier ist nach unserer Annahme p = 180° anzunehmen, und 
da an der englischen Küste die Nordseewelle, an der holländischen aber die 
Kanalwelle die höhere ist, so muß es zwischen beiden Küsten, und zwar höchst- 
wahrscheinlich ungefähr in der Mitte zwischen beiden einen Punkt geben, wo 
beide Wellen in Höhe einander gleich sind. Die Bedingungen der Formel (23) 
sind. demnach durch die Lage der braunen Bank erfüllt, und die Beobachtung 
des Kapt, Hewett entspricht vollkommen dem, was die Formel verlangt, Auch 
die Stromrichtung ergibt sich mit Hilfe unserer Annahmen sehr mahe über- 
einstimmend mit der Beobachtung des Kapt, Hewett. Wir haben oben gesagt, 
daß die Fortpflanzungsrichtung der Nordseewelle ajlmählich in die der Straße 
von. Dover übergeführt werden würde; man wird daher berechtigt sein, für die 
Gegend der braunen Bank eine Fortpflanzungsrichtung von & = 170° anstatt 
der 130° in der freien See anzunehmen, und da @&, = 40° ist, so wird £ = 90° + 
4 (170° + 40°) = 195° und = 15°, Dies ist aber das von geographisch Nord ge- 
rechnete Azimut, während Kapt, Hewetts Beobachtung das magnetische Azimut 
der Strömung gibt. Die magnetische Deklination war aber zur Zeit der Beob- 
achtung (Ende der 1820er Jahre) = 23° W, um welchen Betrag das geographische 
Azimut zu vergrößern ist, um das magnetische zu erhalten, Die Stromrichtungen 
ergeben sich also = 218° und 38°, was sehr gut mit Kapt. Hewettis Angabe 
(225° und 45°) übereinstimmt, 
Südwestlich von der Insel Man im Irischen Kanal ist ein begrenztes Gebiet 
nachgewiesen, in dem, trotz hohen Tidenhubs (4.9—6.0 Meter), zu keiner Zeit eine 
Gezeitenströmung auftritt. Nach Formel (21) kann dieser Fall eintreten, wenn 
die 3 Bedingungen: H, = Ho, & = & + 180° und p = 0° erfüllt sind, während 
Formel (12) ergibt, daß für p= 0° der Tidenbub seinen größten Wert 2(H, + H,) 
oder von 4H,, wenn H, = H, ist, erreicht, Aus Gründen, welche in der Ab- 
handlung über die Gezeiten des Irischen Kanals (Annalen 1804) dargelegt sind, 
kann angenommen werden, daß die genannten 3 Bedingungen in dieser Gegend 
erfüllt sind, und so 1äßt sich auch diese auffällige Erscheinung als einfache Folge 
der Kreuzung zweier Wellen nachweisen, 
Es wurde schon oben bemerkt, daß man im allgemeinen, wenn zwei Wellen 
sich unter einem Winkel kreuzen, rotatorische Strömungen zu erwarten habe, 
deren Richtungsänderung und Stärke von dem Winkel, unter dem sie sich 
schneiden, und dem Phasenunterschied, unter dem sie an dem Beobachtungsort 
zusammentreffen, abhängen, Dies wird auch überall dort, wo nicht besondere 
Verhältnisse (wie entgegengesetzte Fortpflanzungsrichtungen) eintreten, bestätigt. 
Erwähnt wurde schon, daß westlich der Linie OQuessant—Landsend Drehströmung 
aufträte, wir fügen hier hinzu. daß auch bei den Feuerschiffen an der beilgisch- 
4 Die Länge stimmt mit derjenigen der braunen Bank überein, dagegen ist die Breite der 
letzteren. Im Mittel etwa 13’ größer, als oben angegeben; es erscheint aber doch sehr wahrscheilich, daß 
diese Bank der Beobachtungsort von Kapt, Hewett war, weil sonst keine andere Erhebung in der 
Nähe ist. Obipe Position ist in Airys »Tides and waves«, Art. 528, gegeben.
	        
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