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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Börgen, C,: Ableit, d. Ausdrücke f. d, bei Kreuzung zweier Gezeitenwellen auftretend. Erscheinungen, 459 
Die Übereinstimmung ist ganz leidlich, namentlich wenn man bedenkt, 
daß es eigentlich nicht ganz zulässig ist für etwas entfernt voneinander liegende 
Orte das für ungefähr die Mitte zwischen beiden gefundene un mit dem Abstande 
derselben zu multiplizieren, weil der Phasenunterschied der Wellen sich auf der 
Strecke sehr erheblich ändern kann und ändern wird, als erste Annäherung 
jedoch kann man sich hiermit begnügen. 
Zum Schluß mögen noch einige der oben für die Strömungsvorgänge auf- 
gestellten Ausdrücke an den Ergebnissen der Beobachtung geprüft werden, 
Aus Formel (19) geht hervor, daß, in dem Falle, wo die Wellen sich in 
entgegengesetzten Richtungen fortpflanzen, die Gezeitenströmung aus zwei ent- 
gegengesetzten Richtungen läuft mit kurzer Stromstille vor jedem Wechsel, sie 
lehrt aber auch, daß der stärkste Strom mit dem kleinsten Tidenhub, der 
schwächste mit dem größten Tidenhub zusammenfällt, Die Richtung der Strömung 
stimmt mit der Fortpflanzungsrichtung der Wellen überein. Wir haben nun 
gesehen, daß im Englischen Kanal diese Verhältnisse vorhanden sind und können 
daher erwarten, daß wir dort nun auch die durch die Formel verlangten Vor- 
gänge finden werden, Dies ist auch in der Tat der Fall. Was zuerst die 
Richtung der Strömung anlangt, so ist sie durchweg ONO und WSW, was einem 
«, und 180° + &@, von 70° und 250° sehr gut entspricht. Ferner entnehmen wir 
den englischen Tide-tables folgende Maximal-Stromgeschwindigkeiten in ver- 
schiedenen Teilen des Gebiets: 
p= 0°: W. von Ouessant—Landsend: 11 Kn. Compartment VI Seilly. 
us 1809: { Casquet—0Quessant: 23. « IT östl. Teil. 
P 160°: | Nahe St. Albans Head: 3—31 « II Mitte. 
p== 0°; Varne-Feuerschiff: 1}—24} « VI 
pP = 180% Etwa bei Yarmouth: 21—3 X NW-Viertel, 
Wie man sicht, ist der Gang dieser Zahlen in vollkommener Überein- 
stimmung mit der theoretischen Forderung. 
Außerhalb Ouessant—Landsend verlaufen die Wellen wegen des Eintretens 
der ozeanischen Welle in die Bucht von Biscaya nicht mehr in entgegengesetzten 
Richtungen, wir haben daher dort rotatorische Strömungen Zu erwarten, was 
auch die Beobachtungen bestätigen, , 
Nach dem, was oben über die Höhenverhältnisse der beiden Wellen gesagt 
ist, darf man erwarten, daß etwa in der Breite der Themsemündung die Kanal- 
und die Nordseewelle einander in Höhe gleich sein werden, Zugleich ist dies 
der Ort, wo voraussichtlich ihr Phasenunterschied p — 90° ist, und es ist wegen 
der seitlichen Ausbreitung beider Wellen in den breiten Trichter der Themse- 
mündung als schr wahrscheinlich anzunehmen, daß sie sich hier unter einem 
Winkel von 90° treffen, es sind daher die Bedingungen für den in Formel (22) 
und (22a) behandelten Fall erfüllt, man kann daher eine kreisende Strömung 
ohne Wechsel der Stärke erwarten, In den Tide-tables (z, B. für 1891’) finden 
wir nun folgende Angaben für den Strom in einem Punkte »5 miles north of 
North Forelands, bezogen auf die Gezeit in Dover: 
‚4 nach H-W.: NWzN '* Knoten, 5% vor H-W.: 
Nördlich 1 4 
NO 1 3 
0zS 1 Ä 2 
0zS 1- * 1 
S0z0 1% 
Dies entspricht vollkommen den durch die Formeln (22) und 22a, b) aus- 
gedrückten theoretischen Ergebnissen. Es ist natürlich, daß so spezielle Be- 
dingungen wie sie für das Zustandekommen dieser Erscheinung erfordert werden, 
1} In den neueren Tide-tables sind «die Angaben für den Punkt 5 miles nördlich von North 
Forecland weggelassen und dafür die für das Feuerschiff Tonguc eingefügt.
	        
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