Börgen, C.: Ableit. d. Ausdrücke f, d. bei Kreuzung zweier Gezeitenwellen auftretend, Erscheinungen. 457
mit gleicher Größe auf diese Werte einwirken, sondern durch verschiedene Um-
stände ihre Wirkung modifiziert wird. Man darf daher nicht überall, wo p = 0°
ist, den beobachteten Tidenhub = 2 (H, + H;) und wo p == 180° ist = 2 (H, — H,)
setzen, sondern hat auf die Wirkung der seitlichen Ausbreitung der Wellen
sowohl wie auf den Einfluß von reflektierten Wellen Rücksicht zu nehmen, Unter
diesem Gesichtspunkte wird man folgende Annahmen machen dürfen:
1. Scilly-Inseln oder Penzance und Lulworth: Hier finden keine besonderen
Beeinflussungen des Tidenhubs durch Reflexwellen oder seitliche Ausbreitung statt,
man kann daher den Tidenhub == 2 (H, + H,) bzw. 2 (H, — H,) setzen.
2. Hastings: Die Kanalwelle braucht gemäß der Wassertiefe etwa 1% um
vom Meridian von Hastings nach der französischen Küste zu gelangen, und ebenso
viel, um von dort als reflektierte Welle nach Hastings zu gehen, sie trifft daher
mit der ursprünglichen Kanalwelle mit einem Phasenunterschied von 2 Stunden
oder 60° zusammen; der Tidenhub der Kanalwelle ist daher nicht 2 H,, sondern
2 H, cos} p == 1,75 H, (nahe). Auch die Nordseewelle bleibt nicht ganz unbeeinflußt,
da sie nach Passieren der Straße von Dover sich seitlich ausbreitet, und zwar dürfte
die Höhe der Welle im Verhältnis 1:0.75 verkleinert sein, weil die Entfernung
zwischen der englischen und französischen Küste, senkrecht zur Fortpflanzungs-
richtung der Welle, etwa doppelt so groß ist wie die Breite der Straße von Dover,
die Höhen sich also wie 1:71 :0.67 verhalten sollten, Statt dieses ziehen wir
jedoch das bequemere Verhältnis 1 : 0.75 vor und setzen den Tidenhub bei Hastings
= 2(1.75H, + 0.75 H,) = 20H, +4 H,).
3. Tröport: Die Kanalwelle dürfte hier doppelt angesetzt werden müssen,
weil sie von der nahen Küste des Pas de Calais reflektiert wird, die Nordsee-
welle dagegen die Höhe, welche sie in der Straße von Dover hatte, beibehalten
haben, weil Treport in der direkten Fortpflanzungsrichtung liegt und die Küste
des Pas de Calais eine seitliche Ausbreitung verhindert, daher setzen wir den
Tidenhub — 2 (2 H, + Hs).
4. Yarmouth: Während die direkt hierher gelangende Nordseewelle ihre
volle Höhe hat, hat die Kanalwelle stark abgenommen, denn die Entfernung der
Küsten ist das Sechsfache der Breite der Straße von Dover, daher ist die Höhe
der Welle nur noch 7 H, = 04H, und der Tidenhub — 2 (—0.4 H;, + Ho).
5. Texel: Hier nehmen wir, vielleicht etwas reichlich, eine Verdoppelung
der Höhen beider Wellen an, wegen der Reflexion bzw. Aufstauung an der Küste
von Nordholland, von der schon oben die Rede war, und setzen daher: Tiden-
hub = 2 (21H, — 2 H,).
Der Punkt des Phasenunterschiedes 180° in der Nähe von Kap La Hague
muß außer Betracht bleiben, weil hier die Verhältnisse der Normannischen Bucht
mit ihren abnorm hohen Fluten hinüberspielen, deren Einfluß sich der Ab-
Schätzung entzieht.
Wir erhalten
demnach folevende Übersicht:
Scily-Inseln: 2(H, + H,} = 4.0 m
Luhworth: 2{H, — H,) = 20 «
Hastings: 20H, 43H) = 4.473 «
Ireport: 2@H+H) = 93 «
Yarmouth: 2{(— 0.4 H, +H,) = 185 «
Texel- 22H. —2H) — 14
Zahlen leiten wir folgende Werte für 2H, und 2 H, ab:
Scilly — Lulworth: 22H, = 3.5 211, — 145m
Laulworth — Hastings: 2H,=352 22H, = 1,52 «
Lulworth — Treport: 2H, — 373 22H. == 1.84 ©
Mittel: 22H, = 337 2H, — 1.60 m
Hastings— Yarmouth: 22H, = 290 23H, = 297m
Hastings — Texel: 2H,=313 2H, = 243 «
Tr6port-— Yarmonth: 2H,= 3.12 2H, = 3.06 «
Treport — Texel: 2H, = 333 _ 2H, =- 2,64 «
Mittel: 2H,= 3.12 22H, = 277m
Aus diesen
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