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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Börgen, C.: Ableit, d. Ausdrücke f. d. bei Kreuzung zweier Gezeitenwellen auftretend, Erscheinungen, 453 
Hierzu sind noch folgende Bemerkungen zu machen: Die Nordseewelle 
wird die in der Straße von Dover angenommene Richtung von 220° längs der 
französischen Küste bis zur Halbinsel Cotentin beibehalten, wo sie in die all- 
gemeine Richtung des Kanals 250° übergeht, die wir für den in der Mitte des 
Kanals laufenden Teil der Welle angenommen haben. In der Nordsee wird sich 
die Nordseewelle südlich der Linie Yarmouth-—Texel, wie bereits gesagt, nach 
SW ausbreiten, und es ist anzunehmen, daß die Richtungsänderung allmählich vor 
sich geht und erst unweit des Einganges der Straße von Dover die angenommene 
neue Richtung erreicht wird. Man wird daher für die Anwendungen der vorher- 
gehenden Ergebnisse annehmen dürfen, daß der Übergang von der einen Richtung 
in die andere sich an einem bestimmten Punkte vollzieht, und so versetzen wir 
denselben in der Nordsee in einen Punkt, dessen geographische Position 51° 15’N 
md 1° 50'0 ist, im Kanal in die Linie Hastings— Treport. 
Es mögen jetzt einige der im vorhergehenden entwickelten Formeln mit 
den Ergebnissen der Beobachtungen verglichen werden, und zwar zuerst die 
Formel (12), welche darstellt, in welcher Weise sich der Tidenhub beim Kreuzen 
zweier Wellen von Ort zu Ort ändert. 
Überblickt man eine Liste der Springtidenhube in dem Gebiet der Nordsee 
und des Englischen Kanals,!) so sieht man, daß der Tidenhub abwechselnd 
größer und kleiner ist, So kann man, von West nach Ost fortschreitend, an 
der Englischen Küste: 
ein Maximum des Tidenhubs etwa bei Penzance, 
ein Minimum zwischen Portland und St. Albans Head, etwa bei Lulworth, 
ein Maximum bei Hastings, 
ein Minimum bei Yarmouth 
und an der französisch-niederländischen Küste: 
ein Maximum bei Ouessant (? wenig ausgeprägt), 
ein Minimum zwischen Casquets und Kap Barfleur, etwa bei Kap 
La Hague, 
ein Maximum bei Treport, 
ein Minimum zwischen Texel und Ymuiden etwa 10 Sm südlich von 
der Einfahrt nach Helder 
unterscheiden. Es ergeben sich daher etwa folgende Linien des Phasenunterschiedes: 
il. p-=-= 0° Penzance— Ouessant (?), 
2. p = 180°: Lulworth-— Kap La Hague, 
3. p= 0°: Hastings---Treport, 
4. pp = 180°: Yarmouth— Helder — 10 Seemeilen, 
Die Bucht von St, Malo muß dabei außer Betracht bleiben, weil dort be- 
sondere Verhältnisse vorhanden sind, wie schon daraus hervorgeht, daß auf nahe 
demselben Längengrade bei Alderney ein Tidenhub von 5.3 m, dagegen etwas 
südlicher bei Jersey von 9.6 und bei Granville sogar von 11,7 m beobachtet wird, 
Die Bucht von St. Malo wird nun in der Tat von dem nördlicheren Teile der 
normannischen Bucht durch die Inseln Jersey, Guernsey, Sark und einige Riffe 
wenn auch nicht vollständig, so doch ziemlich wirkungsvoll abgeschlossen. 
Es fragt sich nun, ob die genannten Linien gleichen Phasenunterschiedes 
mit der angenommenen Abszissenachse Winkel bilden, die mit den angenommenen 
Fortpflanzungsrichtungen der Wellen im Einklang sind. Aus der Karte ent- 
nehmen wir folgende Azimute: 
für die Linie: Kap La Hague-—Lulworth: 167°, 
« : Hastings— Treport: 146, 
+ * Yarmouth---Texel: 87° 
von Nord über Ost gezählt. Diese Winkel müssen nun nach der an Formel (13) 
geknüpften Bemerkung dem Mittel aus den Winkeln, weiche die Fortpflanzungs- 
1) Siehe die eingangs angeführte Abhandlung in den »Ano. d. Hydr. usw.« 1898,
	        
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