Mohn, H.: Einige Bemerkungen über den Einfluß der Erdrotation auf die Meercsströmungen, 449
In der Atmosphäre kann, jedenfalls in den höheren Luftlagen und auf
dem Meere, die Bewegung ohne Hindernisse von einschließenden Wänden vor
sich gehen. In den niedrigen Lagen über dem Erdboden ist die Bewegung der
Luft für einen großen Teil durch die Konfiguration des Landes bestimmt. Im
Meere, das überall von den Wänden des Festlandes eingeschlossen ist, ist das
letztere im höchsten Grade der Fall, Das Wasser muß dem Land aus dem Wege
gehen. Die Küsten des Festlandes sind, wie alle Stromkarten zeigen, im höchsten
Grad bestimmend für die Richtung der Meeresströmungen, Diese können daher
nicht immer der Richtung der herrschenden Winde folgen, auch nicht den durch
Dichtigkeitsunterschiede direkt bedingten. Sowohl die Richtungen der Küsten als
die ganze Bodenkonfiguration bestimmt zusammen mit den Bewegungskräften den
Weg und die Geschwindigkeit der Strömungen.
Die Aufstauung des Wassers gegen eine Küste, längs welcher der Strom
läuft, ist direkt gegeben durch die Bildung der schiefen Ebene in der Ober-
Mäche. Dies ist der Fall in einem zyklonischen System mit höherem Niveau an
den Rändern als in der Mitte (das Norwegische Meer). Ein antizyklonischer
Meeresstrom hat cin höheres Niveau in seiner Mitte als an den Rändern (die
großen tropischen Stromwirbel in den Weltmeeron), Am Aquator geht der Strom
westwärts. während die Passate gegen Südwest und Nordwest wehen. —
Die Veranlassung zu Dr. Ekmans mathematischen Untersuchungen über
die Wirkung der Erdrotation auf die Meeresströmungen sind die Ergebnisse be-
treffend die Richtung des Windes und die Trift von der »Frame«, zu welchen
Nansen in seiner großen Abhandlung: »The Oceanography of the North Polar
Basin« gekommen ist, Die interessante Tatsache, welche Nansen durch seine
sinnreich angestellten und gründlich durchgeführten Rechnungen gefunden hat,
drückt er S. 369 also aus:
‚Plates XVII — XXVIII, as well as the above Table, demonstrate clearly
that for shorter periods the resultants of the drift deviate, with some few
exceptions, towards the right of the corresponding wind resultant, and
generally the deviation is considerable. This deviation cannot be explained
as being the effect of the current in the water (Dichtigkeitsströmung), or the
resistance of land, for it oceurs in whatever direction the wind blows, If the
drift due to the current be eliminated, we shall find that the wind drift, especially
for longer periods, deviates without exception considerably towards the right of
the wind resultant, — This deviation towards the right is clearly due to the
deflecting force arising from the Earths rotation.«
Das Resultat von Ekmans mathematischen Untersuchungen stimmt mit
Nansens Darstellung der gefundenen Tatsachen, Da ich indessen nach Prof.
Schiötz’ Ausführungen und meinen oben angegebenen Gründen mich nicht
Ekmans Theorie anschließen kann, so ist es mir nicht möglich, mich von der
Richtigkeit der von Nansen gegebenen Erklärung der von ihm gefundenen Tat-
sachen zu überzeugen, Ich meine, daß die Trift von »Fram« oder der Eisscholle,
in welcher das Fahrzeug durch das Nordpolarbecken trieb, bedingt ist dadurch,
daß das Niveau im Becken höher ist als das Niveau zwischen Spitzbergen und
Grönland, wegen der Zufuhr von FluBwasser, daß die herrschenden Winde süd-
Sstliche und östliche sind, und daß aus diesen Ursachen die oberen Wasserlagen
aus dem Becken zwischen den genannten Ländern herausfließen. Die von Nansen
gefundene Ablenkung ist eine Folge der Form des Beckens, Dies ist von Nansen
nicht ganz unbeachtet geblieben, Er sagt S. 356: »In course of time the surface
water of the North Polar Basin must consequently, notwithstanding the winds,
be forced out along this route, and will carry the ice along with it.« Dasselbe
S. 358, 8. 363 sagt er: »This deflection is generally much checked by the eoasts
and especially in the enclosed North Polar Sea where the surface current is more
or less compelled to flow towards the natural outlet between Spitsbergen and
Greenland ... it is natural that the velocity must increase towards the opening
between Spitsbergen and Greenland which forms a comparatively narrow outlet
for the zurface water from the wide and extensive Basin.« $. 391: »The North