448 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1908.
zu diesem Gradienten, Die auf der Schwere beruhende Accelerationskomponente
abwärts auf der schiefen Ebene des Gefälles ist gleich groß wie und entgegen-
gesetzt der Komponente der Acceleration der Erdrotationskraft längs der
schiefen Ebene.
Als Beispiele der Wirkung einer quer zur Bewegung wirkenden Ablenkungs-
kraft auf die Öberflächenstellung des Wassers sind die folgenden mir instruktiv
gewesen. In beiden ist es die Zentrifugalkraft, welche die ablenkende Kraft ist,
In einem zylindrischen Gefäß wird das Wasser in Rotation gesetzt um die
Vertikalachse des Gefäßes, Die Oberfläche des Wassers wird hohl. Die Zentri-
fugalkraft und die Schwere haben eine Resultierende schräg auswärts zeigend, und
die Oberfläche stellt sich senkrecht zu dieser, Ist die Winkelgeschwindigkeit aller
Wasserpartikel dieselbe, so wird die Zentrifugalkraft dem Abstand von der Um-
drehungsachse proportional und die Schrägheit der Wasseroberfläche auswärts
zunehmend. Eine Ebene durch die Achse schneidet die Oberfläche in einer
Parabel. Die Oberfläche ist eine Fläche gleichen Druckes, Der Druck in den
unterliegenden Niveauflächen ist proportional dem senkrechten Abstand von der
Oberfläche. Der Überdruck reicht bis zum Boden. Gegen den Rand besteht eine
Aufstauung. Die Bewegung geht wie in einer Kurve an einer Eisenbahn, wo die
Höhe der äußeren Schiene über der inneren eben der Wirkung der Zentrifugal-
kraft das Gleichgewicht hält.
Ein idealer Erdball ohne Achsendrehung würde als Niveaufläche eine
Kugelfläche haben. Die Rotation der Erde ruft eine Zentrifugalkraft hervor.
Die Komponente dieser in der Vertikalebene längs der Oberfläche ist gegen den
AÄquator gerichtet. Sie wirkt als eine ablenkende Kraft in der Horizontalebene
auf die Bewegung gegen Osten in der täglichen Rotation, Sie und die Gravitation
des Erdballs haben eine Resultierende, welche gegen die Aquatorebene gerichtet
ist und diese schneidet in einem Punkte zwischen dem Zentrum und dem Schnitt-
punkt des Äquators mit dem Meridian des Punktes. Die Niveaufläche, die Ober-
fläche des Meeres, steht senkrecht auf dieser Resultante, Sie bildet eine schiefe
Ebene mit der kugelförmigen oder der von der Gravitation allein bedingten Erd-
oberfläche — Pole und Aquator ausgenommen, Sie ist abgeplattet, aufgestaut in
der Richtung gegen den Aquator, hat ein Gefälle gegen die Pole,
In einem Meeresstrom, welcher ostwärts geht, rotiert das Wasser schneller
als die Erde, Es hat eine größere Zentrifugalkraft als das relativ ruhige Meer,
es hebt sich gegen den Äquator, ist mehr abgeplattet als dieses, hat einen pol-
wärts gerichteten Gradienten, In einem Meeresstrom, welcher westwärts geht, ist
die Rotationsgeschwindigkeit vermindert, er hat einen Gradienten, ein Gefälle gegen
den Aquator.
Die Bewegung der Luft über dem Wasser ist im allgemeinen nicht ganz
gleichmäßig, sondern stoßweise und mit kleinen Änderungen im Azimut, Die
Wirkung ist eine Verschiebung des Wassers in der Oberfläche und die Bildung
von Wellen, Die Wellen hefördern die Wirkung des Windes; der hintere Teil der
Welle steht wie ein Segel vor dem Winde. Die Wellenrücken erstrecken sich —
durchschnittlich — quer zu der Richtung des Windes. In der Orbitalbewegung
der Wasserpartikel, welche auch Veranlassung zu einer ablenkenden Wirkung der
Erdrotation gibt, zeigt die Resultierende der Erdrotationskraft und der Schwere
auf der nördlichen Halbkugel rechts herunter im Wellenberge, links herunter im
Wellentale, wenn man in die Richtung des Windes hinschaut. Ist die pendelnde
Bewegung gleich im Wellenberge und im Welilentale, so wird die mittlere Rich-
tung der Resultierenden dieselbe wie die Lotlinie, Ist, wie in der Natur, wenn
der Wind das Wasser bewegt, die Orbitalbewegung im Wellenberge rascher als
im Wellentale, so wird die mittlere Resultierende nach rechts hinab zeigen, und
es wird ein entsprechendes Gefälle geschaffen mit Neigung links herab, senkrecht
zur Richtung des Windes,
Der durch die Erdrotation bewirkte Drucküberschuß übt seine Wirkung
durch die Wassermasse bis zum Boden aus. Aber die Bewegungen in der Tiefe
beruhen auch auf den durch Dichtigkeitsunterschiede hervorgerufenen Druck-
gradienten und auf der Konfiguration des Bodens.