Mohn, H,: Einige Bemerkungen über den Einfluß der Erdrotation auf die Meeresströnungen, 447
Einige Bemerkungen über den Einfluß der Erdrotation auf die Meeres-
strömungen.
Wie Herr Prof, Schiötz in seiner obenstehenden Abhandlung bemerkt hat,
bin ich nicht einig mit Dr. Ekman in bezug auf seine Theorie der Wirkung der
Erdrotation auf die Meeresströme. Der Umstand, daß ich gefunden habe, daß diese
Theorie von verschiedenen Verfassern ohne begleitende Kritik erwähnt worden
ist, hat mir die Veranlassung zu den folgenden Bemerkungen gegeben:
{In »Petermanns Mitteilungen «, 1905,5.3, wiederholt Nansen Ekmans Theorie.
In »Fysisk Tidskrift, udgivet af Selskabet for Naturtaerens Udbredelse i Kjöben-
havn«, 1907/08, Nr. 2, S. 38, findet man die Theorie benutzt von J. P. Jacobsen,
und in »Geografisk Tidskrift, udgivet af Bestyrelsen for det Kgl. Danske Geografiske
Selskab«, 19. Bda., 1907/08, S. 187/188, verweist Johan Gehrke auf Ekmans Theorie,
Die Schlüsse, welche Nansen aus Frams Trift relativ zum Winde gezogen
hat und welche er durch Ekmans Theorie bestätigt gefunden hat, sind von Filip
Äkerblom bestritten worden in seiner Abhandlung »Recherches oceanographi-
ques« in »Expedition de M. A. G. Nathorst en 1899, Upsala Universitets Ärsskrift
1903: Mathematik och Naturvetenskap Il«,
Von anderen Seiten als von Prof, Schiötz und Dr. Äkerblom habe ich
keine Kritik über Ekmans Theorie gesehen, Da diese Theorie, seit sie im Jahre
1902 dargelegt und von Prof. Schiötz bekämpft wurde, ohne Kritik angewendet
worden ist, und da ich von Anfang an den Einfluß der Erdrotation auf die
Meeresströme in einer anderen Weise angesehen habe, welche mit Prof, Schiötz
und Dr. Äkerblom übereinstimmt, habe ich es notwendig gefunden, die Sache
zur weiteren Untersuchung aufzunehmen, Meine Anschauungen finden sich mit-
geteilt im »Ergänzungsheft Nr. 79 zu Petermanns Mitteilungen: Die Strömungen
des europäischen Nordmeeres«, 5, 10, in »Den Norske Nordhavs-Expedition 1876/78,
XYIIJ, Nordhavets Dyhder, Temperatur og Strömninger«, S, 124, sowie in Bogus-
lawski und Krümmels »Handbuch der Ozeanographie«, Bd. II, S. 366.
Wegen der mathematischen und physischen Seite der Frage wandte ich
mich an meinen Kollegen, Professor der Physik O0, E, Schiötz, der mit Einsicht
und Interesse die Behandlung der Frage unternommen hat. Seine Abhandlung
darüber hat die Sache allseitig erörtert, und ich will hier diese nur mit einigen
ozeanographischen Bemerkungen begleiten.
In der Atmosphäre betrachten wir gewöhnlich den Wind als eine Wirkung
der ungleichen Verteilung des Luftdrucks in einer Niveaufläche der Schwere.
Seine Richtung und Geschwindigkeit ist abhängig von der Richtung und Größe
des Gradienten (der Gradientkraft), der ablenkenden Kraft der Erdrotation, der
Zentrifugalkraft, der Reibung, der Trägheitskraft und den Forderungen der
Kontinuität, Sind der Gradient und die Breite konstant und die Reibung Null,
wie annähernd in den oberen Luftlagen, so geht der Wind mit gleichförmiger
Geschwindigkeit senkrecht auf der Richtung des Gradienten, parallel mit den
Isobaren, Die Erdrotationskraft wirkt entgegengesetzt der Gradientkraft, Beide
sind gleich groß und halten einander in Gleichgewicht, Ein Beispiel haben wir
in der Trift der höheren Wolken.
In dem Meere haben wir ähnliche Druckgradienten, hervorgerufen durch
die ungleiche Dichtigkeit des Meerwassers, zumal die geringere Dichtigkeit an
den Küsten infolge des Flußwassers. Hierzu kommt nun die Wirkung des Windes
auf die Oberfläche des Wassers, Der Wind treibt das Wasser vorwärts in seiner
Richtung und mit einer Geschwindigkeit, welche auf der Stärke des Windes be-
ruht, Auf die Bewegung des Wassers wirkt, senkrecht darauf, die Erdrotation,
Gleichzeitig wirkt die Schwere. Die Resultierende der Accelerationen der Schwere
und der Erdrotationskraft bildet einen Winkel mit der Lotlinie. Die Oberfläche
stellt sich senkrecht zu dieser Resultierenden, Sie richtet sich auf der nördlichen
Halbkugel schräg aufwärts zur Rechten der Strömung — eine Art von Stauung.
Es entsteht durch den Wind ein Gefälle, eine Druckungleichheit in der Niveau-
fläche der Sehwere, ein Druckgradient, Die Strömung im Wasser geht senkrecht
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