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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

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Annalen der Hydır graphie und Maritinien Meteorologie, Oktober 1908, 
geworden ist, muß folglich die Oberfläche des Meeres in den Streifen, wo der 
Wind weht, senkrecht stehen auf der Resultante der Schwerkraft und der durch 
die Erdrotation hervorgebrachten ablenkenden Kraft, während die Oberfläche auf 
beiden Seiten horizontal mit einem Niveauunterschied, der dem in der Strömung 
auftretenden Druckgradienten entspricht, sein wird, 
Auf der Erde, wo das Meer von ausgedehnten Landmassen begrenzt ist, 
wird der stationäre Zustand wahrscheinlich rascher eintreten, als wenn das Meer 
unbegrenzt wäre. Die beeinflußten Wasserflächen werden nämlich immer auf der 
einen Seite entweder Landmassen oder beschränkte Meeresgebiete haben; hier- 
durch wird der notwendige Niveauunterschied sich viel leichter ausbilden, indem 
88 für das Wasser schwerer wird, auszuweichen, 
Die dritte der Bewegungsgleichungen (1) 
en = g+2w6 [u cos 8 — v cos a] 
haben wir in dem Vorhergehenden benutzt, um nachzuweisen, daß ein vielleicht 
auftretender Druckgradient nur von der Zeit abhängen kann. Zum Schluß werden 
wir untersuchen, welche Bedeutung sie übrigens haben kann, Die Gleichung kann 
man auf folgende Weise dp = go {1 + —_- COS )dz 
schreiben, wenn die X-Achse in die Richtung der Strömung gelegt wird. Ist das 
Wasser in Rube, wird die Gleichung reduziert zu 
dp = godz. 
Die Bewegung des Wassers wird also dieselbe Wirkung haben, als wenn 
die Dichte von o bis zu p {1 4708 COS ß) verändert wäre. Strömt das Wasser 
den Meridian entlang, so ist die Wirkung Null; am größten wird sie, wenn es 
sich längs einem Parallelkreis bewegt. Die scheinbare Dichtigkeitsänderung ist 
dann 49 = + 0700 cos i = 41.48 10‘ ug cos 4; positiv, wenn das Wasser 
von Öst nach West strömt; negativ, wenn es in entgegengesetzter Richtung geht, 
Die Wirkung ist, wie man sieht, am größten an dem Äquator, wo cos i = 1; 
sie ist Null an den Polen. Der Wert dieser scheinbaren Dichtigkeitsänderung ist 
aber auf jeden Fall sehr klein; an dem Äquator wird sie z, B. für eine Ge- 
schwindiekeit 1 m pro Sekunde höchstens 
49 = +148 107”. 
Die Resultate, wozu wir oben gekommen sind, werden daher im großen 
und ganzen nicht beeinflußt durch diese scheinbaren Dichtigkeitsänderungen, 
Um die Frage völlig lösen zu können, mußte man natürlich auch die vertikale 
Bewegung, welche wir außer Betracht gesetzt haben, berücksichtigen, 
Rücksichtlich dieser vertikalen Bewegung sei doch folgendes bemerkt. Sie 
wird wahrscheinlich verursachen, daß die Bewegung sich allmählicher nach unten 
fortpflanzt, als wir es oben hergeleitet haben. Die Wassermasse, die, wie wir 
gesehen haben, auf der einen Seite der Luftströmung aufgestaut wird, sucht 
natürlich zum Teil hinab zu sinken. Wenn diese stattfinden soll, muß indessen 
das unten liegende Wasser zu beiden Seiten getrieben werden, und dann müssen 
die oberen Schichten, wo der Widerstand gegen die Bewegung am kleinsten sein 
wird, sich zuerst in Bewegung setzen; nach und nach werden aber tiefere und 
tiefere Schichten von der Bewegung getroffen, Auf ähnliche Weise wird die 
Depression auf der anderen Seite der Luftströmung ein Aufsteigen des Wassers, 
begleitet von einem Zuströmen unten von beiden Seiten, veranlassen. Es wird 
also eine ähnliche Bewegung in horizontaler Richtung hervorkommen, wie wir 
oberhalb betrachtet haben; diese Bewegung pflanzt sich aber allmählich nach 
unten fort. Dieses Niedersinken des Wassers auf der einen Seite und ent- 
sprechendes Aufsteigen auf der anderen Seite wird indessen einen mehr langsamen 
Zuwachs des Druckgradienten verursachen; der schließliche Endzustand wird 
jedoch derselbe sein, wie wir früher gefunden haben, indem die vertikale Be- 
wegung aufgehört haben wird, wenn der stationäre Zustand erreicht ist. 
Juli 1908.
	        
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