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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

[98 Annalen der Hrdrographie und Maritimen Metenrologie, September 1908, 
Wetterlage wenig verändert; doch hatten die Niederschläge nachgelassen. Am 
[olgenden Tage brachte alsdann das die Wetterlage beherrschende russische Tief- 
druckgebiet einen bis nach den Britischen Inseln reichenden Ausläufer zur Ent- 
wicklung, der namentlich an der Nordseeküste stärkere Regenfälle im Gefolge 
hatte, Ein am Abend des 7. über Irland erschienenes Minimum entwickelte sich 
allmählich, nahm an Tiefe und Umfang zu und blieb ostwärts fortschreitend 
für die Witterung bis zum 15. Juli maßgebend. Während ein Keil hohen Drucks 
durch den Kontinent zog, brachte es an seiner Südseite Ausläufer zur Ent- 
wicklung, die dem deutschen Küstengebiet meist wolkiges oder trübes Wetter mit 
Regenfällen und zahlreichen Gewittern brachte. Dabei schwankte die Wind. 
richtung zwischen West und Südost, Bei südöstlichen Winden am 12%. und 13, 
traten an der Ostsecküste sehr hohe Temperaturen auf, die in Swinemünde mit 
31, in Neufahrwasser mit 30° das Maximum des Monats erreichten, 
Als diese Depression am 15. nach Nordskandinavien abzog, erschien im 
Nordwesten eine neue, die südostwärts durch den Kontinent fortschritt und bis 
zum 22, Bedeutung für die Witterung der deutschen Küste behielt, Zunächst 
brachte sie bei südwestlichen Winden am 16. erneut Trübung und Regenfälle, 
vertiefte sich bis zum {folgenden Tage und verursachte teilweise steife und 
stürmische Winde, Sie wurde auf ihrem westöstlichen Zuge aufgehalten dureh 
zinen neuen. Keil hohen Drucks, der sich von einem Südwesteuropa bedeckenden 
Maximum nach Nordwestrußland erstreckt und hier ein Teilmaximum zur Ent- 
wicklung gebracht hatte, Dieses kam am 18, Juli noch mehr zur Geltung, und 
die Depression verlagerte sich mit ihrem Kern unter Verflachung von. Schott- 
land nach der südlichen Nordsee, ohne die Witterungsverhältnisse wesentlich zu 
verändern, Am nächsten Tage schritt die Depression nach Mitteleuropa fort, so 
Aaß auf ihrer Westseite kühle nordwestliche, auf der Ostseite jedoch warme süd- 
östliche Winde auftraten, Diese auch am folgenden Tage im wesentlichen be- 
stehende Wetterlage hatte am 19, und 20, zahlreiche Gewitter mit teilweise er- 
giebigen Niederschlägen im Gefolge, Am 21. Juli bahnte sich eine durchgreifende 
Anderung der Witterungsverhälinisse an, indem ein Hochdruckgebiet vom Westen 
her ostwärts vordrang und eine Depression nach dem Osten abzog, wo sie noch 
vielfach stürmische Winde und Abkühlung herbeiführte, Hiermit trat eine 
‚ängere Trockenperiode mit heiterem, ruhigem Wetter ein, die bis zum 268, Juli 
dauerte, wo das Hochdruckgebiet den nördlichen Teil Europas, von Skandinavien 
bis Nordrußland, bedeckte und mit dem schon seit dem 26, über der Biskayasee 
liegenden Hochdruckgebiet noch in Verbindung stand. Während dieser Zeit 
stellten sich bei ungehinderter Sonnenstrahlung und inlandigen Winden sehr hohe 
Temperaturen ein, die an der Nordseeküste sogar die höchsten Werte des Monats 
erreichten. Keitum z, B. hatte am 26. 29.7° Wärme. Dabei traten wiederholt, 
namentlich am 25, an der Ostseeküste und am 26. allgemein verbreitete Gewitter 
auf, die jedoch nur Yereinzelt yon stärkeren Regengüssen begleitet waren. 
Nunmehr drang ein bereits am 21. in der Gegend von Island verweilendes 
Tiefdruckgebiet ostwärts vor und entwickelte einen Norddeutschland in den letzten 
Tagen des Monats durchquerenden Ausläufer; dieser führte, nachdem bereits am 
28, an der Nordsee vorübergehend Regenfälle eingetreten waren, Trübung und 
Niederschläge an der ganzen Küste herbei, Bei dem Vordringen des Hochdruck- 
yebiets vom Ozean entwickelten sich lebhafte nordwestliche Winde, die Abkühlung 
zur Folge hatten, 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchbandlung und. Hofbuchdrackerei 
Berlin SW, Kochstraße 68— 71.
	        
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