120 Annalen der Hrdrographie und Maritinzen Meteorologie, September 1908.
Östküste Südamerikas ausgehen soll, hat die Hamburg-Südamerikanische Dampf-
schiffahrts-Gesellschaft jedes erwünschte Entgegenkommen gezeigt. Es hat ferner
Exzellenz G. v, Neumayer aus der Neumayer-Stifung, die Verehrer des ersten
Direktors der Deutschen Seewarte zu seinem 80, Geburtstag spendeten, unter
ausdrücklicher Anerkennung der Wichtigkeit der Verdunstungsuntersuchungen
Mittel bereit gestellt, Auch das Institut für Meereskunde in Berlin hat durch
mehrere Wünsche und Gewährung der zu ihrer Ausführung erforderlichen Mittel
ein Interesse an der Fahrt genommen,
Für die Zeit des Landaufenthalts in Südamerika jst mit Beihilfe der
Geographischen Gesellschaft in Hamburg eine Studienreise durch Chile und das
nördliche Argentinien geplant. GC. Schott.
3 Ferdinand H. Mörsel +. Am 20, Mai starb zu Tsingtau der Hafen-
meister a, D, und langjährige Lotse von Tschi mul po, Herr Kapitän Ferdinand
H. Mörsel, im Alter von 64 Jahren. Seine aus eigenstem Entschluß hervor-
zegaängene und uneigennützige mehrjährige Tätigkeit für die Deutsche Seewarte
und die Schiffahrt in den Ostasiatischen Gewässern gibt eine besondere Ver.
anlassung, seiner hier zu gedenken.
Geboren am 9, April 1844 in Danzig, besuchte cr von 1850 bis 1859 die
Volksschule seiner Vaterstadt, Im Alter von 16 Jahren trat er seine erste Seo.
veise auf einem Danziger Segelschiffe als Schiffsjunge an, verließ jedoch bald das
heimatliche Schiff und fuhr längere Zeit unter Iremder, meist britischer Flagge.
Im Jahre 1868 bestand er zu London die Steuermanns- und wenige Jahre später
die Schifferprüfung. Siebenmal führten ihn seine Keisen um die Erde, Vom
Jahre 1880 an führ er mehrere Jahre als Kapitän im Auftrage der chinesischen
Regierung einen Dampfer auf dem Yang tse klang; 1885 trat er schließlich als
Hafenmeister von Tschi mul po in koreanische Dienste, in welcher Stellung er
mit kurzen Unterbrechungen bis zum Jahre 1907 verblieb, Den Rest seiner
Tage verlebte er, der sein ganzes Leben hindurch stolz darauf gewesen War,
sin Deutscher zu sein, in Tsingtau auf deutschem Boden, „
Fast während seiner ganzen Dienstzeit in Korea, vom April 1887 an, hat
er der Deutschen Seewarte seine sehr wertvollen meteorologischen Beobachtungen
zugestellt, die von dieser in den »Annalen der Hydrographie usw.« und den
‚Deutschen Überseeischen Meteorologischen Beobachtungen« veröffentlicht sind,
und die eine sehr wertvolle Grundlage für klimatische Studien bilden. Durch
diese sehr gewissenhaften meteorologischen. Beobachtungen wie durch seine
Tätigkeit als Lotse hat Mörsel nicht nur der deutschen Schiffahrt, sondern
derjenigen aller seefahrenden Nationen einen großen Dienst erwiesen. So ist
denn auch in dem Werke »Die wichtigsten Häfen Chinas« unter der Abteilung
‚Korea« sein Name mehrfach genannt, und wird seine Mitarbeiterschaft besonders
hervorgehoben. Seine reichen Erfahrungen als Lotse in den koreanischen Ge-
wässern hat Mörsel schließlich in einem eigenen Werk zusammengefaßt und
der Allgemeinheit zugänglich gemacht in seinem 1899 in Shanghai erschienenen
‚General information on the approaches to Chemulpo harbour and navigation
on. the Han Kang«, Als einem ihrer eifrigsten und geschätztesten Mitarbeiter
hat ihm die Deutsche Seewarte die bronzene und 1907 auch die silberne See-
warten-Medaille verleihen können. Hd.
4. Luftspiegelung. Auf dem Dampfer »Sonocck«, Kapt, A. Schwarz,
wurden am 26, Mai 1908 auf einer Reise von Oporto nach Hamburg im Vorbei-
segeln an der Küste einige Luftspiegelungen bemerkt, über die der Beobachter
folgendes meldet: »Bei leicht häsiger Kimm sahen wir verschiedene Lult-
spiegelungen, Die Mole von Leixoes erschien doppelt, und zwar stand das
vespiegelte Bild umgekehrt über dem wahren, so daß das Ganze wie ein großer
Wasserfall aussah. Von einigen In weiter Ferne befindlichen Schiffen sahen wir
ebenfalls die Spiegelbilder,* Das Schiff stand mittags in 41° 16' N-Br. und
8° 48° W-Lg,; es herrschte ganz leichter, nordnordwestlicher Zug bei schönem,
klarem Wetter, einer Lufttemperatur von 19°C. und einer Wassertemperatur
ron. 14.1° ©. B.