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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Kleinere Mitteilungen. 
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Kleinere Mitteilungen. 
1. Bemerkung zu dem Aufsatz: »Ortsbestimmung auf See durch Stand- 
Knien unter Anwendung der Stundenwinkelformel und der Breitentabellen«, 
Unter diesem Titel gibt Herr Schiffsoffizier Rayat auf Seite 163 des 
laufenden Jahrganges dieser Zeitschrift eine Methode zur Bestimmung von Stand- 
linien an, wobei ein Punkt der Standlinie durch die Längen- oder Breitenmethode 
berechnet und dann die Standlinie in der durch. ihr wahres Azimut bestimmten 
Richtung durch diesen Punkt gezogen wird. 
Dieses Verfahren ist nicht neu, wie der Verfasser anzunehmen scheint, 
sondern als Tangentenmethode (im Gegensatz zu der älteren Sumnerschen 
Sechnenmethode so genannt} seit langer Zeit bekannt und auch in der Praxis 
viel angewandt und erprobt worden, 
Eine Darstellung der Methode gibt außer anderen Lehrbüchern das vom 
Reichs - Marine - Amt herausgegebene »Lehrbuch der Navigation« {2 Auflate, 
Berlin 1906, E, S. Mittler & Sohn), das wohl am vollständigsten und in klarer, 
übersichtlicher Weise die verschiedenen zur Konstruktion oder Berechnung von 
Standlinien vorhandenen Methoden berücksichtigt, miteinander vergleicht und 
bezüglich der auftretenden Fehler untersucht. 
Für den zu berechnenden Punkt der Standlinie ist hier auch bereits der 
Begriff des Bestimmungspunktes eingeführt worden, der das Verständnis des 
Verhältnisses der verschiedenen Methoden zueinander erleichtert, 
2, Eine ozeanographische Forschungsreise hat in diesen Tagen der 
Lehramtskandidat Dr, Rudolf Lütgens aus Hamburg, der schon mehrfach 
ozeanographisch gearbeitet hat und auch an Fahrten des Reichsforschungs- 
dampfers »Poseidon« teilgenommen hat, angetreten, Die Fahrt, zu der die 
Deutsche Seewarte die Anregung gab, und die sie auch durch Mitgabe von 
Instrumenten unterstützt, bezweckt hauptsächlich experimentelle Untersuchungen 
über die Verdunstung auf dem Meere, Da die über den Meeren vor sich gehende 
Verdunstung eine wichtige, wenn auch nicht die einzige Quelle der Luftfeuchtig- 
keit darstellt, so ergibt sich ohne weiteres bei der Bedeutung der Niederschläge 
für die organische Welt wie für andere Vorgänge auf der Erde der Wert 
derartiger Versuche, umsomehr, als bisher zur Lösung dieser Frage, soweit die 
örtlichen Verschiedenheiten der Verdunstungseröße in Betracht kommen, sehr 
wenig getan ist, 
Um ein Maß für die Höhe der Verdunstung des Meerwassers in Millimeter 
pro Zeiteinheit zu erlangen, soll ein. vom. Unterzeichneten 1892 angedeutetes, von 
Krümmel später rechnerisch durchgearbeitetes Verfahren versucht werden. Es 
wird ein Gefäß von bekanntem Öberflächenquerschnitt mit einer abgemessenen 
Menge Seewasser gefüllt, und dann in bestimmten Zeitintervallen die Zunahme 
des Salzgehalts infolge Verdunstung titrimetrisch oder auch araeometrisch fest- 
gestellt, Da die von Anfang an vorhandene Salzmenge als konstant gelten darf, 
ist es bei bekannten Dimensionen des Glasgefäßes möglich, hieraus einen Schluß 
auf die Höhe der verdunsteten Säule reinen Wassers zu ziehen. 
Mit diesen Forschungen soll das Stadium der Feuchtigkeit und der 
Bewegung der Luft ebenso verknüpft werden, wie mit den Untersuchungen der 
Temperatur, des Salzgehalts und der übrigen Erscheinungen des Oberflächen- 
wassers. Soweit es bei fahrendem Schiff angängig ist, will Dr. Lütgens auch 
biologisch sammeln, um weiteres Material für die Kenntnis der kleinen und 
kleinsten Lebewesen im Meere zu erbringen, Dies ist zumal für die westliche 
Seite des Südatlantischen und für den Stillen Ozean erwünscht, 
Die Reise, die in erster Linie durch das Entgegenkoammen der Reederei 
F, Laeisz ermöglicht wurde, geht auf der Viermastbark »Pangani«, Kapitän 
Junge, um Kap Horn nach der Westküste Südamerikas, führt also im Atlanti- 
schen Ozean durch fast alle Klimazonen und wird deshalb hoffentlich gestatten, 
die Abhängigkeit der Verdunstungsvorgänge von den verschiedenen klimatischen 
Faktoren zu studieren. Für die Untersuchungen auf der Rückreise, die ron der
	        
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