410 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1908,
Es hat außerdem der Vorsitzende der ozeanographischen Sektion den Auf-
trag seitens des Kongresses erhalten, die Resolution zur Kenntnis der beteiligten
Regierungen zu bringen,
Wichtig erscheint noch in diesem Zusammenhang der Hinweis auf eine
vanz ähnliche Resolution, die Prof, Vinciguerra-Rom seitens des Kongresses
im Hinblick auf die Notwendigkeit einer modernen Erforschung des Mittel-
meeres, besonders des westlichen Teiles, ebenfalls erlangt hat. Es ist nicht aus-
geschlossen, ja vielleicht sogar wünschenswert, daß die beiden großen Pläne, der
der Erforschung des offenen Atlantischen Ozeans und der der Erforschung des
Mittelmeeres, sich bis zu gewissem Grade vereinigen lassen und ein Hand-in-
Hand-arbeiten stattfindet; dies erscheint um so aussichtsreicher, als der nächste
internationale Geographenkongreß im Jahre 1911 in Rom abgehalten werden soll.
7. August 1908, G, Schott,
Ableitung der Ausdrücke für die bei Kreuzung zweier Gezeitenwellen
auftretenden Erscheinungen.
(Eine Ergänzung zu einem Aufsatz über die Gezeiten im Englischen Kanal
in den »Annalen der Hydrographie usw.« 1898.)
Von Prof. Dr. C. Börgen. 8
Bei den vom Verfasser dieses bearbeiteten Darstellungen der Gezeiten-
erscheinungen im Englischen und Irischen Kanal, sowie im südwestlichen Teile
der Nordsee!) ist vielfach Gebrauch gemacht worden von Ergebnissen theoretischer
Untersuchungen über die Folgen der Kreuzung zweier Gezeitenwellen, ohne daß
eine Begründung für dieselben gegeben werden konnte, Obgleich die Begründung
sehr einfach ist und nur eine gewisse Gewandtheit in der Zusammenfassung und
der Deutung goniometrischer Ausdrücke voraussetzt, ist eine Veröffentlichung
derselben bisher unterblieben. Neuerdings sind die Gezeitenerscheinungen eines
Teiles desselben Gebiets durch Herrn Dr. van der Stok in Utrecht zum Gegen-
stande einer Untersuchung gemacht worden, in deren Verlauf derselbe zu dem
schon früher von Lord Kelvin geäußerten Schluß kommt, daß die Gezeiten
nicht wesentlich anders sein würden wie jetzt, wenn die Straße von Dover ge-
schlossen wäre,” während die Erklärung der Erscheinungen, welche Verfasser
dieses zu geben versucht hat, ganz wesentlich auf der Anschauung beruht, daß
die Gezeitenwelle durch die Straße von Dover sowohl aus der Nordsee in den
Kanal wie auch umgekehrt aus dem Kanal in die Nordsee tritt und die vielfach
eigentümlichen Erscheinungen durch die Kreuzung der beiden Wellen hervor-
gebracht werden. In der Tat ist auch schwer einzusehen, weshalb die Wellen
nicht durch die doch keineswegs sehr enge Straße von Dover sich sollten fort-
pflanzen können, Gibt man dies aber zu, so ist es notwendig, sich theoretisch
über die Folgen der Kreuzung zweier Wellen unter einem beliebigen Winkel klar
zu werden, und dies soll im nachstehenden versucht werden. Es ergibt sich
alsdann, daß alle Eigentümlichkeiten, welche in den genannten Gebieten auftreten,
sich in einheitlicher und einfacher Weise erklären lassen.
Die nachfolgende Untersuchung beschränkt sich lediglich auf die Folge-
erscheinungen der Kreuzung zweier Wellen, geht aber nicht ein auf die bereits
von Airy in ausführlicher Weise behandelten Folgen der veränderlichen Tiefe
und Gestalt des Kanals, in dem sich eine Welle bewegt, welche hier als bekannt
vorausgesetzt werden, soweit sie überhaupt in Frage kommen. Ebensowenig ist
es die Absicht des Verfassers, hier nochmals eine ausführliche Darstellung der
Gezeitenerscheinungen in den genannten Gebieten zu geben, bezüglich welcher
1) Über die Gezeitenerscheinungen im Englischen Kanal und dem südwestlichen Teile der
Nordsee, Ann, d. Hydr. usw.« 18598.
Über die Gezeitenerscheinungen im Irischen Kanal. (Ebenda 18594.)
2 Van der Stok: Etudes des phE&nomönes des maröes sur les cötes n6erlandajses, II, p. 3.