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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

106 . Amnalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1908. 
und in den Tagen vom 23, bis 28, von Finnland über Schweden und den Süden 
der Ostsee nach Südosteuropa verlagerte, Winde südöstlicher Herkunft führten 
nach meist leichtem Frost bereits am 18, an der westdeutschen Küste wieder 
Tauwetter herbei und in der Folge wurde an der deutschen Küste fast nur noch 
über Preußen leichter Frost beobachtet, bis am 29. eine vom Ozean vordringende 
Depression such hier dem Frost ein Ende machte und die Frostgrenze am 
31, März aueh über Westrußland und Finnland zum Weichen nach Osten brachte, 
Die deutsche Küste blieb nach März morgens frostirei, während in ver 
schiedener Ausdehnung über Nordwestrußland und teilweise auch über Skandi- 
navien vom 2. bis 8. und 10. bis 12. April bei Winden östlicher Herkunft und 
sodann bei Winden meist nördlichen Ursprungs vom 18. bis 23, April end vom 
2. bis 7, Mai (am letzten dieser Tage in Archangel noch —10°, noch Frost- 
temperaturen auftraten, Interesse verdient, daß am 28, und 24, April durch die 
nördlichen Winde noch über Schottland Frost herrorgerufen wurde, über einem 
Gebiet, wo Temperaturen unter Null verhältnismäßig selten beobachtet werden. 
Die Deutsche Seewarte. 
Die Bedeutung einer internationalen Erforschung des Atlantischen Ozeans 
in physikalischer und biologischer Hinsicht. 
Auf dem IX, Internationalen Geographenkongreß, der in Genf vom 27, Juli 
bis 6. August d. Js, getagt hat, ist in der Sektion VI für Ozeanographie, welcher 
in Abwesenheit des Altmeisters der Meeresforschung, Sir John Murray-Edinburgh, 
Prof, 0, Krümmel-Kiel präsidierte, seitens des Prof, Ö, Pettersson-Stockholm 
und des Unterzeichneten gemeinsam in zwei Vorträgen die Notwendigkeit einer 
junlichst baldigen Inangriffnahme der Erforschung des Atlantischen Ozeans auf 
internationaler Grundlage erörtert und durch Heranziehung der physikalischen 
and biologischen Verhältnisse begründet worden, Diese am. 28, Juli gegebenen 
Ausführungen gipfelten im wesentlichen in den nachstehenden Sätzen, 
L. Die Erforschung des Atlantischen Ozeans ist eine der wichtigsten der in der nächsten 
Zukunft in Angriff zu nehmenden Aufgaben auf dem Gebiete der Meereskunde, 
\. In ozeanographischer und klimatologischer Beziehung. 
Ale neueren Tiefsee-Expeditionen haben sich von Europa aus südwärts 
gewandt und hauptsächlich die Östliche Hälfte des südatlantischen Ozeans be- 
rücksichtigt, Über die interessanten und verwickelten Verhältnisse des Nord- 
atlantischen Ozeans in seiner westlichen Hälfte, also im Bereich des Golf- und 
des Labradorstromes, sind aber seit den Tagen der »Challenger«-Expedition keine 
3ystematischen mit modernen Instrumenten und nach modernen Methoden aus- 
geführten ozeanographischen Tiefseearbeiten zu verzeichnen, und doch dürften 
die Vorgänge im Westen des Ozeans den Schlüssel bieten zum Verständnis der 
Vorgänge im Osten, d.h. an der europäischen Seite, 
Es fehlt vor allen Dingen jeglicher Anhalt über die Größe und Gesetz- 
mäßigkeit der wechselnden Stärke- oder Wärmeschwankungen der atlantischen 
Strömungen; es gilt in dieser Hinsicht erst ein Fundament für alle späteren 
Forschungen zu schaffen, 
Die unperiodischen Änderungen der Wärmeführung, insbesondere die des 
atlantischen Stromes (Golfstromes}), sind für Westeuropa von allererster Bedeutung, 
ze sind Offenbar »immanent«, d.h. ihre Ursachen müssen im atlantischen Strom 
selbst gesucht werden, woraus die Notwendigkeit der Erforschung des atlantischen 
Stromes in der Richtung nach seiner Herkunft, also weiter nach Westen hin, folgt. 
Durch grundlegende Untersuchungen verschiedener Forscher erscheint der tief- 
gehende und weitreichende Einfluß dieser unperiodischen atlantischen Wärme- 
änderungen auf die Witterung, ja sogar auf die Vegetation einschließlich der 
Ernteerträgnisse nachgewiesen. Kin Studium der letzten Ursachen dieser
	        
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