Die Eisverhältnisse des Winters 1907/08 in den anßerdeutschen Gewässern der Ostsee usw. 403
vorzubeugen, während zwischen Ymuiden und Amsterdam Eisbrecher an sechs
Tagen tätig sein mußten, um die Fahrrinne offen zu erhalten, Im übrigen sind
Eisbrecher in den niederländischen Gewässern im vergangenen Winter nicht in
Tätigkeit gewesen,
Von den vier größten Handelshäfen waren also Rotterdam und Amsterdam
durchweg für alle Dampfer erreichbar, dagegen Dordrecht an zwei Tagen und
Harlingen an einem Tage für Seedampfer durch Eis gesperrt, was im ganzen
gewiß als ein günstiges Ergebnis zu betrachten ist. Daß die Schiffahrt und
Fischerei in dem Zuyder See und in den südholländischen Gewässern im Winter
für kürzere oder längere Zeit gehemmt wird und sich dabei in ungünstigerer
Lage als die übrigen holländischen Gewässer befindet, ist keine ungewohnte
Erscheinung und in Übereinstimmung mit den Ausführungen in der genannten
Abhandlung neben dem geringeren Salzgehalt des Zuyder Sees auch darauf zurück-
zuführen, daß jene Gewässer eine geringere Tiefe besitzen und das Eis bei
niedrigem Wasserstand somit gute Gelegenheit findet, sich festzusetzen; dieser
Umstand muß besonders auch bei dem von den Flüssen zugeführten Eis in
Betracht kommen, das in solcher Weise in seinem Abfluß gehemmt wird.
Das Wetter im Winterhalbjahr 1907/08.
Zur Erläuterung der besprochenen Eisverhältnisse möge die nachfolgende
Witterungsgeschichte des Winterhalbjahres dienen, welche die Temperaturverhält-
nisse in ihrer Abhängigkeit von der Luftdruckverteilung behandelt und sich
dabei auf die am Morgen beobachteten Temperaturen, wie wir sie in den Tem-
peraturkarten der Wetterberichte durch die Isothermen dargestellt finden, gründet,
Im Oktober 1907 stand das Wetter fast durchweg unter dem Einfluß eines
über dem Osten des Erdteiles lagernden Hochdruckgebiets und von Depressionen
über dem Westen Europas, so daß meist südliche Winde und mit Ausnahme des
Nordostens mildes Wetter beobachtet wurden, Die erste Isotherme von 0° er-
schien am 4. über Innerrußland im Kerne des Hochdruckgebiets, die erste Iso-
therme von — 5° aber erst am 27, über Lappland und erhielt sich dann über
Nordosteuropa bis Monatsschluß. Als größte Kälte wurde im Oktober —9° am
28, von Moskau gemeldet.
Wechselvollere Witterungsverhältnisse brachte der November, Ganz
Nord- und Mitteleuropa standen bis zum 9. unter dem Einfluß eines Hochdruck-
gebiets, dessen Maximum am 30, und 31, Oktober über Island nach dem Nord-
meer vorgedrungen war, am 1. November über Mittelskandinavien lag und sich
seit dem 4, November über die Ostsee nach Südosteuropa verlagerte, Auf seiner
Vorderseite drangen kalte nördliche Winde über Rußland südwärts vor, und die
Kälte breitete sich in der Folge durch Winde aus östlichen Richtungen über
Kontinentaleuropa aus; am 7, erstreckte sich die Frostgrenze morgens westwärts
bis nach den Niederlanden und wie auch an den beiden folgenden Tagen bis
Süddeutschland, während sie über Nordeuropa bei westlichen Winden auf der
Nordseite des Hochdruckgebietes ostwärts über Finnland hinaus zurückgewichen
war. Vom Ozean heranziehende Depressionen, die meist in Ausläufern vom Nord-
meer bis nach den Alpen reichten, führten bei vorwiegend westlichen Winden
auch über Kontinentaleuropa mildere Witterung herbei und erhielten das Östsee-
gebiet bis zum 17, wesentlich frostfrei, Alsdann aber breitete sich das Hoch-
druckgebiet über Rußland, das an Höhe erheblich zugenommen und sein Maximum
nordwärts verlagert hatte, westwärts über Mitteleuropa aus, so daß bei südöst-
lichen und östlichen Winden die Frostgrenze wieder über Kontinentaleuropa
vordrang und am 22. und 23, bis Mittelfrankreich reichte; Skandinavien aber
blieb unter dem Einfluß der die Ostsee überwehenden Winde fast frostirei,
während sich über Westrußland und Finnland strenge Kälte einstellte,
Wieder drängte eine vom Ozean kommende Depression die Frostgrenze
über Kontinentaleuropa bis zum 27, November bis Rußland zurück, während ein
in den letzten Tagen von Island nach den Britischen Inseln heranziehendes
Hochdruckgebiet in Verbindung mit einer Depression im hohen Norden durch