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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Prager, M.: Über Schnittpunkte auf Segelschiffsreisen vom Nordatl. zum Südatlantischen Ozean. 31 
lichen Wind und die nach Westen setzende Strömung so weit nach Westen ge- 
drängt, daß vor der Küste von Brasilien gewendet werden mußte. Wenn nun 
auch der Zeitverlust von 6 Wachen, die das Schiff auf St-B.-Halsen segelte, 
nicht allzusehr ins Gewicht fällt, so kam dazu eine in der Nähe von Fernando 
Noronha für mehrere Tage eintretende Windstille, die den Zeitverlust bedeutend 
vergrößerte. Die sonst bis zur Linie gute Reise des Schiffes wurde infolge dieser 
widrigen Umstände sehr verzögert, indem »Marco Polo« von 0° bis zu 10°S-Br., 
volle 10 Tage gebrauchte. 
Die Bekanntgabe der durch Kapt. Schönwandt unter der Küste von 
Brasilien gemachten Erfahrung führte zu einer eingehenden Untersuchung dieses 
Falles. Auf Seite 503 der »Ann, d. Hydr. usw.« 1898 wurde auf Grund des 
meteorologischen Journals der Bark »Marco Polo« dieser Ausnahmefall erläutert 
und von der Deutschen Seewarte den Schiffsführern angeraten, in Anbetracht 
der Möglichkeit, daß sich ein solcher Fall wiederholen könnte, im Monat April 
die Schnittpunkte von 10° bis 5° N-Br. etwas östlicher, als im »Segelhandbuch 
für den Atlantischen Ozean« angegeben ist, zu verlegen, wenigstens dahin zu 
streben, zwischen 5° bis 0° N-Br. jede Gelegenheit zu benutzen, soviel als möglich 
Ost anzuholen, was nördlich der Linie zwischen 3° bis 0° N-Br. mit Hilfe des 
hier öfters nordöstlich setzenden Stromes meistens leichter auszuführen ist. So 
wie es der Bark »Marco Polo« ergangen ist, wird es alljährlich wohl anderen 
Schiffen auch ergehen, aber da ihre Zahl im Verhältnis nur gering ist, so laufen 
Nachrichten darüber nur spärlich ein. 
Die oben angegebene Sicherheitsmaßregel, im April zwischen 5° bis 0° N-Br. 
so viel Ost anzuholen, als möglich ist, könnte nach einem ganz ähnlichen Aus- 
nahmefall auch noch auf den Anfang Mai ausgedehnt werden, denn es wird in 
dem kürzlich eingegangenen meteorologischen Journal der Viermastbark »Reinbek« 
von dem Führer dieses Schiffes, Kapt. Simon, berichtet, daß er am 7. Mai 1905 
sich genötigt gesehen habe, unter der Küste von Brasilien zu wenden, trotzdem 
ar 5° N-Br, auf 23.5° W-Lg. und den Aquator auf 27.6° W-Lg. geschnitten habe, 
An der betreffenden Stelle im meteorologischen Journal am 7, Mai erwähnt 
Kapt. Simon, daß er 140 Sm östlich von Fernando Noronha gewesen sei und er 
niemals erwartet hätte, noch unter der brasilianischen Küste wenden zu müssen. 
{m nachstehenden seien die Reisen der »Reinbek« und der Viermastbark 
‚Schürbek«, die fast zur selben Zeit unter der Küste von Brasilien zum Wenden 
genötigt war, sowie zum Vergleich die Reisen einiger anderer Mitsegler heran- 
gezogen. In den ersten Morgenstunden des 7, April 1905 passierte »Reinbek«, 
nach Santa Rosalia bestimmt, Lizard. Mit veränderlichen frischen bis starken 
westlichen Winden erreichte »Reinbek« am 16. April schon auf 33.7° N-Br. die 
Nordgrenze des Nordostpassats und setzte mit dem vorwiegend aus NNO wehen- 
Jen, 4 bis 5 B. starken Passatwind den Kurs östlich von den Kap Verdeschen Inseln. 
Der 15. Breitenparallel wurde am 23. April auf 20.7° W-Lg., der 10. am 25, April 
auf 22,6° W-Lg. und der 5. am 27. April auf 23.9° W-Lg. geschnitten. Die Süd- 
grenze des Nordostpassats und gleichzeitig die Nordgrenze des Südostpassats 
wurde am 29, April auf 2.3° N-Br. erreicht. Der Südostpassat setzte mit Stärke 1 
bis 2 B. ein, ging aber am 1. Mai auf 1° N-Br. in Mallung über, und schwache 
züdwestliche Winde waren bis zum 2. Mai mittags vorherrschend. Darauf setzte 
der Südostpassat mit Stärke 3 bis 5 B. wieder ein, aber aus sehr südlicher 
Richtung, so daß »Reinbek« auf stark westlichem Kurse am 2, Mai um Mitter- 
nacht auf 27.6° W-Lg. den Äquator schnitt, Gelegenheit, etwas südlichen Kurs 
einzuhalten, fand sich nur während einiger Wachen am 3. Mai mit frischem OSO- 
Winde. 5°$-Br. schnitt »Reinbek« am 5. Mai in 31.3° W-Lg, Schon am 4. Mai 
um Mittag holte der Wind mit Stärke 4 bis 5 B. wieder nach SSO herum und 
blieb so sehr südlich, zeitweilig sogar SzO bis zum 7. Mai. Der ständig stark 
westliche Kurs infolge des so ungünstigen Passats führte »Reinbek« schnell der 
Küste von Brasilien zu, und um Mittag des 7. Mai wurde Land gesichtet. Um 
3b 30m N, desselben Tages auf 6 Sm Abstand von der Küste auf 8.8°S-Br. und 
34.6° W-Lg. wurde auf St-B.-Halsen gewendet und bis 12% N. von der Küste ab- 
vesegelt. Während dieser 2 Wachen legte das Schiff eine Distanz von 40 Sm
	        
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