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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1908.
Der Finnische Meerbusen. Die Eisverhältnisse im Finnischen Busen vom
vergangenen Winter waren, besonders in dessen östlichem und nördlichem Teile,
recht schwierig, im südlichen Teile dagegen konnte der Verkehr mit Hilfe der
großen Eisbrecher, besonders des starken »Jermak«, meist aufrecht erhalten
werden, wenngleich auch kürzere oder längere Störungen, verursacht durch un-
yünstige Windverhältnisse, nicht ganz zu vermeiden waren,
Von Reval, dem Haupthafen an der Südseite des Busens, wurde am 8, Fe-
bruar gemeldet, daß wegen Schwindens des Eises schon am 22. Januar die Leucht-
feuer wieder angezündet worden seien und am 24. Handelsschiffe, trotzdem die
Reede zum Teil mit Eis bedeckt war, ohne Eisbrecherhilfe unbehindert ein- und
auslaufen konnten, Dieses war wohl den schon längere Zeit anhaltenden Süd-
winden zu danken, die die großen, vor etwa 10 Tagen von den Nordwinden hier
angetriebenen Eismassen wieder fortgeschafft hatten. Unter dem 31, März wurde
von Reval gemeldet, daß der Hafen für Dampfer wieder offen wäre, und später,
daß das Feuerschiff »Saritscheff« am 4. April seine Station bezogen habe, während
‚Nekmanngrund« schon am 3. März ausgelegt wurde, trotzdem damals noch viel
Treibeis in See war, In der Nacht auf den 17, wurde dies Feuerschiff von an-
ireibenden KEisfeldern weggeführt und mußte Schutz suchend bei Dagerort
anlaufen,
Am 2, Mai war die Kundasche Reede vollkommen eisfrei und die Schiffahrt
hiermit eröffnet.
Narwa meldete am 18. April, daß der Fluß, und am 29, daß das Fahr-
wasser eisfrei sel.
Von der Nordseite des Meerbusens kam am 23. April aus Hangö die Nach-
richt, daß der vor dem Hafen entstandene Packeisgürtel mit den seit einigen
Tagen herrschenden Nordwestwinden seewärts getrieben sei, Die Gewässer von
Helsingfors waren schon einmal, am 8. Februar, eisfrei, so daß der Schoner
‚Joutsene, der im Dezember durch Eis bei Porkala aufgehalten worden war, ein-
laufen konnte. Das Feuerschiff »Aeransgrund« bezog erst am 29, April seine
Station.
Von Borga wird am 30. gemeldet, daß erst ein kleiner Teil des Haiko
Fjords offen und in See noch eine Menge Treibeis sei,
Vom 1. Mai an fing in Lowisa das Eis an schwächer zu werden. Bei
Svartholm und den äußeren Inseln lag noch immer starkes Eis, jedoch konnte
am 8. Mai die Schiffahrt durch den Eisbrecher Tarmö eröffnet werden, und zwar
(ür alle Arten von Schiffen.
Zwischen Wiborg und, Trangsund wurde der Verkehr am 29. April er-
öffnet, zwischen Trangsund und Hochland herrschten jedoch noch schwierige
Eisverhältnisse,
Am 5. Mai wurde die Schiffahrt im ganzen Wiborger Distrikt eröffnet,
Am 17, April war der Finnische Busen im Westen und Nordwesten eisfrei,
im Östen befand sich jedoch noch festes, sonst allenthalben gebrochenes Eis,
Das Eis brach langsam auf. Am 21. April war vor der Einfahrt im Hafen von
Kronstadt bis zu den ersten Forts kein Eis mehr vorhanden, von da an lag
jedoch, soweit das Auge reicht, festes Eis, ebenso wurde von Bjorkö am selben
Tage gemeldet, daß der Meerbusen nach allen Richtungen mit Eis bedeckt sei,
das besonders stark zwischen Seskär und Hochland wäre, Am 26, April kam in
Kronstadt der »Jermak« von Reval an, der schweres starkes Eis auf dem Wege
von Hochland angetroffen hatte. Ein bei Hochland am 2. Mai angekommener
Dampfer konnte nur mit Hilfe des »Jermak» durchkommen, und ebenso erging
28 zwei anderen Dampfern, die am 5, nach Kronstadt gelangten, Das Eis
orach jetzt schnell auf, so daß schon am 6. 15 eintreffende Frachtdampfer die
Schiffahrt eröffneten. Im Meerbusen hatten die Dampfer aber noch Eisbrecher-
nilfe nötig. Der »Jermak« hat am 7. Mai noch 14 Dampfer aus dem festen Eise
befreien müssen; er machte eine Fahrrinne durch das Eis, die es den Dampfern
ermöglichte, Kronstadt zu erreichen. Vom Britischen Konsulat ging dem
‚Jermak« darauf die Nachricht zu, daß noch 20 Dampfer in der Nähe von Hoch-
Jand im Eise eingeschlossen seien, zu deren Befreiung er alsbald in See ging.